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„Mein Lebensmittelpunkt wird Berlin sein“

Meißens Landrat Arndt Steinbach verabschiedet sich von seinem Landkreis. Zum Nachfolger hat er klare Vorstellungen.

Die Hand des großen Sozialdemokraten Willy Brandt überm Meißner Landrat Arndt Steinbach, der CDU-Mitglied ist. Dieses Foto entstand vor sechs Jahren. Steinbach besuchte damals die Parteizentrale der SPD in Berlin. Jetzt zieht er sogar dorthin.
Die Hand des großen Sozialdemokraten Willy Brandt überm Meißner Landrat Arndt Steinbach, der CDU-Mitglied ist. Dieses Foto entstand vor sechs Jahren. Steinbach besuchte damals die Parteizentrale der SPD in Berlin. Jetzt zieht er sogar dorthin. © SZ/Ulf Mallek

Herr Steinbach, Sie sind nur noch wenige Tage Landrat. Ihr letzter Arbeitstag ist der 31. August. Was machen Sie eigentlich in der noch verbleibenden Zeit?

Der Terminkalender ist jetzt so voll, dass alles Neue von meiner Stellvertreterin übernommen werden muss. Neben Routine-Terminen sind es überwiegend Abschiedstermine.

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Haben Sie alles geschafft, was Sie sich vorgenommen haben?

Ein Projekt wie die Entwicklung eines Landkreises kann kein Ende finden. Ich meine aber, was erreicht wurde, kann sich sehen lassen.

Es scheint, als fremdeln Sie etwas mit Ihrer Partei, der CDU. Weshalb?

Nein, es gab auf Kreisebene Meinungsverschiedenheiten, die man aushalten muss. Das habe ich getan.

Sie sind beliebt sowohl bei den Linken als auch bei der AfD. Ist das der Grund, weshalb Sie nie ein Teil des CDU-Partei-Establishments in Meißen und Sachsen wurden?

Als Landrat und Vorsitzender des Kreistages muss man mit allen Strömungen sprechen. Das habe ich getan. Und auch jeder Vorschlag war für mich prüfenswert, ob er sinnvoll und von Vorteil für die Allgemeinheit ist.

Es gibt Gerüchte, Sie würden eine maßgebliche Rolle bei der Revolte der Landräte gespielt haben, die zum Sturz von Stanislaw Tillich führte. Stimmt das?

Die Staatsregierung wird nach unserer Verfassung von den Landtagsabgeordneten und nicht von den Landräten überwacht. Stanislaw Tillich hat viel für Sachsen erreicht. In meiner Wahrnehmung war es seine Entscheidung, das Amt aufzugeben. Kurz zuvor hat er, das ist richtig, den Kontakt zu den Landräten gesucht und wir waren bei ihm in der Staatskanzlei.

Nicht so geglückt war ihre Idee Ende vorigen Jahres, Kreisvorsitzender der CDU zu werden. Sie verloren diese Wahl. Wie hat Sie das geärgert?

Sicherlich tritt man bei Wahlen an, um gewählt zu werden. In Summe ist die CDU in der Führung im Kreis deutlich verjüngt. Und ich bin an und für sich froh, diese Aufgabe nicht ausführen zu müssen.

Wen wünschen Sie sich als Ihren Nachfolger?

Am 11. Oktober 2020 entscheiden die Wählerinnen und Wähler darüber, wer ihr neuer Landrat wird. Aus meiner Sicht sollte ein Landrat Fachkompetenz und kommunalpolitische Erfahrung vorweisen, er sollte bürgernah und bodenständig sein und möglichst von allen (Ober)BürgermeisterInnen des Landkreises akzeptiert und getragen sein. Diese Voraussetzungen bringt meiner Meinung nach nur ein Kandidat mit.

Sie meinen Ralf Hänsel. Sie gelten eher als bodenständiger Typ. Was wollen Sie in der Hauptstadt? Werden Sie sich dort wohl fühlen?

Ich will dort eine neue spannende Aufgabe angehen. Dass diese in Berlin ist, ist eher zufällig.

Wie muss man sich den Job als Chef einer kommunalen Versicherung vorstellen?

Das Unternehmen ist mit gut 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich kleiner als ein Landratsamt. Dafür werden aber nur eine Handvoll Aufgabengruppen behandelt. Sehr leistungsfähiges Personal bearbeitet dort insbesondere Haftpflichtschäden der gut 5.000 Mitglieder, das sind Kommunen und ihre Gesellschaften in Ostdeutschland.

Möchten Sie jemanden danken?

Zunächst allen im Büro Landrat unter Führung von Thomas Rösch, die dafür sorgen, dass das Organ Landrat funktioniert. Dazu gehören neben der Pressestelle und den Sekretärinnen auch der Fahrer und andere mehr. 

Meinen gut 1.300 Mitarbeitern und natürlich den Führungskräften in den Ämtern und Dezernaten, meinen beiden Stellvertretern, die stets loyal waren, aber auch den Kreisräten, die in der Regel den Überblick und das Wohl der Einwohner im Blick gehabt haben sowie Dutzenden Mitstreitern als Leiter anderer Behörden, Kammern oder Unternehmen, im Handwerk, Handel und Industrie. 

Aber auch vielen in der Staatsregierung, vom Sachbearbeiter bis zum Staatssekretär, die unsere Anliegen nicht einfach abtun, unseren Landtagsabgeordneten und im Bundestag Dr. Thomas de Maizière, der immer Lösungsansätze für unsere Sorgen hatte. Schade, dass er sich hoch verdient nun zurückzieht. 

Wie werden Sie den Kontakt zum Landkreis Meißen halten?

Über viele Jahre war ich es, der Kontakte aufrechterhalten hat. Diese Rolle wechselt jetzt zu den Anderen und es wird sich zeigen, wie es noch gewünscht wird.

Mein Lebensmittelpunkt wird aber Berlin sein.

Haben Sie noch eine Botschaft an die Landkreisbewohner?

Man kann die Kräfte nutzen, um zu streiten oder um den Landkreis voranzubringen. Wenn man klug ist, wählt man die zweite Alternative.

Interview: Ulf Mallek.

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