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Mein Partner hat ein Alkoholproblem

Eine Frau leidet unter ihrem Mann, der täglich Alkohol trinkt. Aber sie hat Angst ihn zu verlassen, weil sie dann das Haus verliert. Das rät ein Experte.

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© Symbolbild/Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Von Christian Thiel

Seit mein Partner in Rente ist, trinkt er jeden Tag. Schon vorher hat er gerne mal zu viel getrunken, jetzt aber ist es unerträglich. Oft beschimpft er mich, und im Haushalt macht er schlicht nichts. Ich gehe arbeiten, und wenn ich nach Hause komme, mache ich den Haushalt und den Garten. Manchmal denke ich, ich sollte gehen, aber dann verliere ich das Haus.

Ich muss zugeben, ich mache mir Sorgen. Ja, auch um Ihren Mann, doch mehr noch um Sie. Wenn ein Partner trinkt, dann leidet die Zufriedenheit in der Ehe. Alkoholismus ist eine schwere Erkrankung, die Betreffenden sind selten einsichtig. Sie vernachlässigen oft sich und ihr Umfeld und neigen, je mehr sie trinken, auch zu immer stärkeren Verletzungen von Bezugspersonen. Und das sind in diesem Fall Sie. Das können verbale Verletzungen sein, aber auch körperliche Gewalt.

Es kommt hinzu, dass viele Alkoholiker an den Folgen ihrer Sucht sterben, auch wenn sie die Gefahr nicht sehen wollen. Das alles löst sehr viel Stress aus. Und der ist ungesund. Aus diesem Grund ist die Sterblichkeit von Angehörigen von Alkoholikern ebenfalls sehr hoch. Und deshalb mache ich mir Sorgen. Um Sie. Ich kann Ihnen nur ganz dringend zu einer Beratung in einer auf Alkoholmissbrauch spezialisierten Beratungsstelle raten. Sie brauchen Experten, um mit Ihrer Lage besser zurechtzukommen. Beratungsstellen arbeiten nicht nur mit und für jene, die alkoholabhängig sind, sondern auch mit und für Angehörige.

Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor.
Christian Thiel ist Single-, Partnerschaftsberater und Autor. © Christian Juppe

Dass Ihr Mann nach der Verrentung jeden Halt verloren hat, wundert mich nicht. Der Rentenbeginn ist heute für Männer einer der schwierigsten Einschnitte überhaupt. Sie haben danach oft keine Aufgabe mehr, keine Erfolge, keine Anerkennung und keine Kollegen. Die Kollegen, mit denen sie ab und an mal einen getrunken haben, werden nach der Verrentung (oder bei Arbeitslosigkeit) oft durch Trinkkumpane ersetzt – und das Drama nimmt seinen Lauf. Endlich haben die Männer Menschen gefunden, die sie verstehen. Ganz anders als die Ehefrau. Die meckert in ihren Augen nur.

Sie haben es in der Vergangenheit möglicherweise auch mit Ermahnungen und mit Kritik versucht. Das führt, Sie wissen es mittlerweile vermutlich, zu nichts. Die Stimmung wird noch schlechter. Ich vermute, dass Sie sich mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass es wohl nur zwei gute Lösungen gibt: Entweder Ihr Mann macht einen Entzug, oder Sie planen den Auszug. Einen Entzug wird er vermutlich nur machen, wenn er weiß, dass Sie bereit sind, ihn zu verlassen.

Haben Sie Fragen an Christian Thiel? Schicken Sie eine Mail an [email protected]