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Dampfer: „Vielleicht Chance für Neuanfang“

Vor zehn Jahren weckte ein Zufall Nils Teicherts Faszination für die Dampfschifffahrt. Heute sagt er: Die Krise hätte verhindert werden können.

Nils Teichert und sein Sohn Konstantin haben die Dampfer in ihr Herz geschlossen.
Nils Teichert und sein Sohn Konstantin haben die Dampfer in ihr Herz geschlossen. © Sven Ellger

Dresden. Alles begann im Mai 2010, als Nils Teichert mit seiner Familie Urlaub auf der Burg Altrathen machte und er unten im Elbtal regelmäßig das Pfeifen der Raddampfer hörte. Was lag da näher, als einen Besuch auf der Festung Königstein mit einer Fahrt auf einem der historischen Schiffe zu verbinden?

"Unser damals zweijähriger Sohn Konstantin fand die sich drehenden Maschinenteile hoch interessant und wollte gar nicht mehr weg vom Maschinenraum", erinnert sich der Vater.

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Als Nils Teichert dann selbst den mehr als 110 Jahre alten Dampfer namens "Kurort Rathen" genauer beobachtete, war das der Beginn einer wahren Leidenschaft für die Sächsische Dampfschiffahrt. "Da wir in Blasewitz wohnten, war die Anlegestation fortan ein beliebtes Ziel für Spaziergänge", sagt er.

Im nächsten Jahr kauft er gleich eine Jahreskarte

Im darauffolgenden Jahr war die Familie wieder in Rathen zu Gast. Diesmal wurden gleich Jahreskarten für die Dampfer gekauft, die natürlich auch ausgiebig genutzt werden wollten. Und so fuhren Teicherts auch bis dahin eher weniger bekannte Strecken, zum Beispiel nach Diesbar. 

Mehr und mehr begann sich Teichert für die Historie der Dampfschiffe zu interessieren und kam mit anderen Stammgästen und Mitarbeitern ins Gespräch, die bereitwillig seine Fragen beantworteten.

Schon als Dreijähriger kannte sich Sohn Konstantin bei den Elbedampfern bestens aus.
Schon als Dreijähriger kannte sich Sohn Konstantin bei den Elbedampfern bestens aus. © privat

Wiederum nur ein Jahr später besuchte Teichert zum ersten Mal ein Treffen der Fachgruppe Elbeschiffahrt Dresden, und gesellte sich damit zu Enthusiasten, die sich seit 35 Jahren intensiv mit dem Thema befassen.

Seine 2016 geborene Tochter verbrachte ihre Premierenfahrt noch als Säugling zufällig genau auf jenem Dampfer "Kurort Rathen", mit dem alles begonnen hatte.

In der Fachgruppe arbeitete Teichert fortan an der Umsetzung eines großen Traumes: "Wir haben eine Fahrt mit dem historischen Dampfer 'Pillnitz' auf den Spuren unserer Vorfahren ins böhmische Litoměřice organisiert", sagt er. "Leider machte uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung und wir mussten die Fahrt auf 2021 verschieben". Ein Buch dazu soll nun jedoch bereits im Juli im Elbhangkurier-Verlag erscheinen.

"Vielleicht ist ja das jetzt eine Chance für einen Neuanfang"

Doch Nils Teichert will nicht nur zurückblicken, sondern auch voraus. Die aktuellen Entwicklungen bei der derzeit zahlungsunfähigen Sächsischen Dampfschiffahrt beobachtet er bereits seit einiger Zeit mit Sorgen. Zumal er der Ansicht ist, dass die Krise zu großen Teilen hausgemacht ist. Niedrigwasser? Gab es immer. Corona-Krise? Hat die Lage nur zugespitzt. Vielmehr seien es die andauernden Streichungen im Angebot der Dampfschiffahrt gewesen, die der Flotte auf Dauer zugesetzt hätten. "Vielleicht ist ja das jetzt eine Chance für einen Neuanfang", sagt er.

Weitere Streichungen von Routen zwischen Diesbar-Seußlitz und der Grenze nach Böhmen seien aus seiner Sicht keine Lösung, genauso wie die Aufgabe von Anlegestationen. "Das ist der Attraktivität nicht dienlich und würde die Situation eher noch verschlimmern", warnt er. 

Mit viel persönlichem Dampf will er sich daher weiter für den Erhalt und den Einsatz der vollständigen Flotte von neun historischen Schaufelraddampfern und zwei Motorschiffen einsetzen. "So eine Tradition darf nicht einfach untergehen."

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