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Mein Taschengeld für dich

Collin aus Rennersdorf-Neudörfel ist auf Betreuung angewiesen. Dafür fehlte das Geld. Bislang.

Von Anja Weber

Dass der Collin aus dem Nachbarhaus krank ist, weiß Jonas Nowack. Immer wenn er draußen ist, sieht er ihn. Berührungsängste hat er keine, obwohl ihm Collin nicht antworten kann, wenn er ihn etwas fragt. Und so zögerte der zehnjährige Jonas auch nicht und gab etwas von seinem Taschengeld ab, als er von dem Ärger im Nachbarhaus hörte. Die Eltern von Collin, Heike und Lutz Kautzner, benötigen dringen Betreuungspersonal, das sonnabends auf den Jungen aufpasst und ihn umsorgt (SZ berichtete).

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Der jetzt sechsjährige Collin kam als Frühchen auf die Welt und ist seitdem mehrfach schwerstbehindert. Er ist blind, kann weder laufen, noch sprechen. Die Familie bekommt aufgrund der Pflegestufe 3 ihres Sohnes die sogenannte Verhinderungshilfe in Höhe von 1 550 Euro im Jahr. Davon muss das Betreuungspersonal bezahlt werden, welches die Familie für ihren Sohn benötigt. Das Geld reicht aber nur für drei Monate. Bislang konnte die Familie die Betreuung am Sonnabend noch ganz gut selbst regeln. Doch Vater Lutz erkrankte im Frühjahr an Krebs, bekommt Chemotherapie und ist selbst auf Hilfe angewiesen.

Heike Kautzner wusste nicht, wie weiter. Gemeinsam mit der Sächsischen Zeitung startete sie einen Hilferuf. Anfangs war die Mutter etwas skeptisch. Wie werden die Leute reagieren? „Wir wollten ja nicht betteln. Aber wir wussten uns keinen anderen Rat“, sagt sie. Jetzt ist sie froh, sich ein Herz gefasst zu haben und mit ihrem Schicksal an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Denn die Familie hat viele Spenden bekommenen. Bekannte, Nachbarn, aber auch ganz viele fremde Menschen haben den Kautzners Geld gespendet, unter anderem auch der Lions-Club Sebnitz.

„Wir möchten uns bei allen, die uns Geld für Collin gespendet haben, bedanken“, sagt Heike Kautzner. Mit so einer Welle der Hilfsbereitschaft hätte sie nicht gerechnet. Schon oft wurde die Familie enttäuscht. Zuletzt wieder von ihrer Krankenkasse. Dort hatte die Familie eigentlich den Zuschuss für das Betreuungspersonal beantragt. Den hat sie nicht bekommen. Die Krankenkasse hatte nach Aktenlage entschieden, und die lautet: Beide Eltern können sich sonnabends um ihren Sohn kümmern. Dass Heike Kautzner aber auf Arbeit und ihr Mann schwer krank ist, das wurde nicht berücksichtigt.

Doch mit der Hilfe der Spender konnte die Familie wieder Hoffnung schöpfen. Kautzners können sich jetzt Betreuungspersonal leisten, Collin kann auch sonnabends versorgt werden. Nämlich dann, wenn Heike Kautzner mit ihrer Posttasche unterwegs ist. Damit ist der Familie eine Last genommen. Aufatmen können die Rennersdorf-Neudörfler aber noch nicht.

Um den Alltag wenigstens etwas normal gestalten zu können, benötigt sie verschiedene Hilfsmittel. Bislang hatte Collin noch im großen Buggy Platz. Doch dort wird es inzwischen für ihn zu eng. Die Familie benötigt einen Rollstuhl, auch um den Jungen in der Wohnung zu fahren. Bislang konnte er noch getragen werden. Aber mit seinen sechs Jahren ist er nicht mehr federleicht. Außerdem benötigt die Familie einen neuen Kindersitz. Und dann gibt es da noch einen großen Wunsch: ein Auto, das so umgerüstet werden kann, dass auch problemlos der Rollstuhl hineingeschoben werden kann. Lutz Kautzner hat sich da schon einige Modelle angesehen. Doch das Auto samt Umbau muss erst einmal warten. „Wir sind froh, dass uns so viele Menschen geholfen haben. Für uns ist das mehr als eine nette Geste“, sagt Heike Kautzner.