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„Meine Familie ist das Beste, was mir passiert ist“

Kirschau. Vor zehn Jahren eröffnete Kirstin Klar ihre eigene Physiotherapie im Oberland. Inzwischen beschäftigt die zweifache Mutter zehn Mitarbeiter.

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Von Miriam Schönbach

Das Stillsitzen gehört nicht zu ihren Leidenschaften. Denn am liebsten ist Kirstin Klar – egal ob beruflich oder privat – unterwegs. Vor zehn Jahren entschied sich die Physiotherapeutin eine eigene Praxis in Kirschau zu eröffnen. Heute beschäftigt die 34-Jährige im Therapiezentrum Oberland zehn Mitarbeiter und schaukelt mit großer Unterstützung ihres Mannes die Familie. Zum ausgiebigen Frühstück bleibt da oft nur wenig Zeit.

Kein Schreibtisch-Typ

In ihre Freiberuflichkeit stolpert Kirstin Klar durch Zufall. „Natürlich gab es immer den Wunsch, mich selbstständig zu machen. Aber dass ich eine Physiotherapie-Praxis schon mit 24 Jahren übernehmen werde, hätte ich niemals gedacht“, sagt die sympathische Frau. Bereut hat sie diesen Schritt nie – obwohl es sicherlich Zeiten gab, in denen die Familie zurückstecken musste. „Aber was soll ich sagen? Ich habe meinen Traumberuf gefunden. Er ist unsagbar vielseitig und interessant. Ich könnte nie den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen“.

Diese Bemerkung passt wunderbar zu der zweifachen Mutter und ohne Zweifel nimmt man ihr die Hingabe zu ihrer Profession ab. Kein Wunder, schließlich praktizierten schon Großmutter und Mutter als Krankengymnastin. „Meine Oma ging noch bis zu ihrem 70. Geburtstag stundenweise arbeiten. Bis heute ist sie ein ganz agiler Typ. Vielleicht ähnle ich ihrein bisschen“, schwärmt die Enkeltochter. In den Beruf konnte sieganz unbedarft hineinschnuppern.

Allerdings unterschied sich das damalige Berufsbild grundsätzlich von den heutigen Aufgaben. „In der DDR standen Massagen im Vordergrund und die Physiotherapeuten konnten meiner Ansicht nach nur eingeschränkt selbstständig arbeiten“, sagt die Kirschauerin. Aus diesem Grund hätte Kirstin Klar auch ohne die Wende beinah eine ganz andere medizinische Laufbahn eingeschlagen und wäre Ärztin geworden. Nach dem Mauerfall und mit dem Abitur in der Tasche bewirbt sie sich jedoch an der Lehranstalt für Krankengymnastik in Marburg. „Das ist eine süße, kleine Universitätsstadt, die mich sehr an Bautzen erinnerte“, sagt sie. Mit einem Koffer voller neuer Ideen und neuen Blickwinkeln auf ihr Fachgebiet kehrt sie in die Heimat zurück.

Physiotherapie ist für Kirstin Klar die Auseinandersetzung mit der Ganzheit des Körpers. „Ich kann mich nicht nur auf den Rücken stürzen. Wichtig ist es, ein Augenmerk auf das Muskel- und Skelettsystem in Verbindung mit dem Organsystem und der psychischen Verfassung unserer Patienten zu legen“, sagt sie. Aus diesem Grund bietet sie im Therapiezentrum Oberland – den Neubau bezog das Team 2001, als die Praxis in der ehemaligen Poliklinik zu klein wurde – neben der Krankengymnastik in all ihren Facetten auch Ergotherapie und Logopädie an. Trotzdem dürfte keiner Wunder erwarten: „Sachen, die man zwei, drei Jahre mit sich herumschleppt, erledigen sich nicht mit ein paar Sitzungen.“

Bei vielen Beschwerden würden dagegen Bewegung und die richtige Ernährung helfen. „An beruflichen Belastungen können viele nichts ändern. Für gesunde Kost und regelmäßigen Sport muss man nur seinen inneren Schweinehund überwinden“, sagt Kirstin Klar. Ihren eigenen Stress baut sie einmal in der Woche in einer Sportgruppe ab. Für die Familie hat sie die italienische Küche mit frischen Salaten und gutem Olivenöl entdeckt.

Sich Freiräume schaffen

Die Faszination geht aber weit über die Kochkunst hinaus. Bei ihren Reisen verliebten sich die Klars in das südeuropäische Land, ein Hauch von Dolce vita in Terrakotta-Tönen weht durch ihren Wohnbereich. „Die Italiener besitzen das, was uns Deutschen fehlt. Sie sind freundlicher und unbeschwert“, sagt die Mittelmeer-Genießerin.

Für sich selbst wünscht sich Kirstin Klar von dieser Mentalität oft ein Stückchen mehr. „Manchmal denke ich, bin ich zu sehr auf meinen Beruf fixiert“, sagt sie ernst. In den vergangenen zehn Jahren habe sie gelernt, dass es auch ein Leben neben der Praxis gebe. Schließlich sei ihre Familie das Beste, was ihr passiert sei. Die zweijährige Marisa jedenfalls schafft es die Mama mit ein paar einfachen Worten von der Arbeit zu locken. Der Aufforderung: „Du kommst jetzt mit spielen“, widersetzt sich so schnell niemand.