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Meine kleine Farm

Ein abgeschiedenes Fleckchen Erde ist das. Die Straße wird kilometerlang begrenzt von alten, knorrigen Pflaumenbäumen. Vereinzelt säumen auch Birnen- und Apfelbäume die Wege. Von hier oben, dem Ortsteil...

Von Katja Zimmermann

Ein abgeschiedenes Fleckchen Erde ist das. Die Straße wird kilometerlang begrenzt von alten, knorrigen Pflaumenbäumen. Vereinzelt säumen auch Birnen- und Apfelbäume die Wege. Von hier oben, dem Ortsteil Vysoká (Hohendorf), schmiegt sich Chrastava (Kratzau) idyllisch in die hügelige böhmische Landschaft. Den ganzen Spätsommer glich die Stadt zwischen Zittau und Liberec, die das Augusthochwasser 2010 besonders hart getroffen hatte, einer Baustelle: Ein plötzlicher warmer Fördermittelregen konnte zur Sanierung des Flussbetts benutzt werden. Infolgedessen floss der Straßenverkehr, durch mehrere Ampeln gelenkt, nur zäh. Eines der beliebten Ausflugsziele in der Neißestadt, die Koñská farma (Pferdefarm) „Vysoká“ war deshalb für Ortsunkundige nur schwer zu finden. Deren Chefin Václava Jarošová hält das für einen Grund, warum der Familienbetrieb dieses Jahr nur geradeso über die Runden kam. Davon lässt sie sich aber nicht unterkriegen und hofft, dass die kommende Saison wieder so gut laufen wird wie noch im Jahr 2012.

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Das Glück der Erde – für Václava Jarošová liegt es wirklich auf dem Rücken der Pferde. Seit neun Jahren leitet die Tschechin eine Pferdefarm und bringt Kindern auch das Reiten bei. Fotos: Jan Skvara
Das Glück der Erde – für Václava Jarošová liegt es wirklich auf dem Rücken der Pferde. Seit neun Jahren leitet die Tschechin eine Pferdefarm und bringt Kindern auch das Reiten bei. Fotos: Jan Skvara

Mit Optimismus stemmen sie und ihr Bruder Jiøí Svoboda das Unternehmen mit 15 Angestellten. Sogar ihre jeweiligen Ehepartner sind mittlerweile als Vollzeitbeschäftigte integriert. Erst 2004 kauften die Geschwister den Bauernhof. Da hatte er etwa zehn Jahre Dornröschenschlaf hinter sich: Der Vorbesitzers hatte die riesige Anlage mit den vielen Stallungen Mitte der 1990er Jahre gebaut, war aber von den Schulden fast erdrückt worden und in Insolvenz gegangen. „Eigentlich wollten wir ja nur die Wiesen drum herum“, erinnert sich die 36-Jährige. Die gab es aber nur mit dem dazugehörigen Anwesen.

Mit 15 Pferden und einer Menge Rekonstruktionsarbeiten an den Gebäuden begannen die zwei jungen Leute vor neun Jahren mit ihrer Pferdefarm. Seitdem ist die Anzahl der wiehernden Bewohner auf etwa 50 Stück angewachsen. Sie gehören unter anderem einem Damenclub, deren Mitglieder sich selbst historische Kostüme nähen und – im Damensattel – über so manches Heimatfest reiten. Viele der Vierbeiner nehmen regelmäßig an Turnieren teil. Deswegen müssen sie ordentlich trainiert werden. Neben ihrer bewegungsintensiven „Freizeit“ auf den Koppeln rings um die Farm steht je mindestens eine Stunde Training täglich an. Bei schönem Wetter auf den Reitplätzen, bei schlechtem in der großen Reithalle.

Restaurantblick in die Reithalle

Fast gespenstisch galoppiert ein Rappe mit seinem Reiter durch die Halle. Etwas unheimlich wirkt das Schauspiel vor allem deshalb, weil es dort viel dunkler ist als im zum Pferdehof gehörenden Restaurant. Das haben die Svobodas erst 2009 in Betrieb genommen und setzen auf „traditionelle und nicht traditionelle tschechische Küche“. Václava Jarošová verrät nur andeutungsweise, wie das zu verstehen ist: „Wir haben einen ausgezeichneten Koch, der ganz viel herumexperimentiert.“ Der Saal darüber hat wie die Gaststube einen herrlichen Ausblick in die Reithalle. Zwei Servicekräfte sind im Moment damit beschäftigt, für ein großes Bankett einzudecken. Am Tag darauf soll hier eine Hochzeit stattfinden. Bis aus Prag kommen Heiratswillige her, um den „schönsten Tag ihres Lebens“ zu begehen. Manche der tschechischen Paare verlegen sogar die Trauungszeremonie tief in das Herz der Natur auf eine der Wiesen, von der auch ein atemberaubender Blick auf den Jeschken geboten wird. Der Fantasie von Pferdeliebhabern sind dabei kaum Grenzen gesetzt, wie sie ihre Lieblinge in das Hochzeits-Rahmenprogramm integrieren können.

Zum „Country-Festival“, das die Pferdefarm traditionell Anfang September steigen lässt, kommen die Stammgäste sogar bis aus Frankreich, Deutschland, England und der Slowakei. „Das ist unser Fanclub“, erklärt Václava Jarošová lachend. Der rühre noch von der Zeit her, als sie selbst in der legendären Mädelskapelle „Country Sisters“ mitgespielt hat, die ursprünglich aus Jablonec (Gablonz) stammt. Heute hat die junge Mutter – ein Kind ist vier, das andere noch kein Jahr, und ihr Bruder erwartet mit seiner Frau gerade das zweite Kind – neben ihrem Job als Unternehmenschefin keine Zeit mehr für die Musik. Traditionelle Veranstaltungen wie die zum Hubertustag, zu Ostern oder der Gänseschmaus zum Martinstag wollen schließlich organisiert werden. So wie der 6. Dezember, wenn um 15.30 Uhr der Nikolaus kommt. Je nachdem wie Geld da ist, macht sich das Geschwisterpaar an weitere Vorhaben. Gerade haben sie einen Teich angelegt. „Diesen Sommer haben wir sogar schon das erste Mal darin gebadet“, erzählt die Chefin. Sie denkt, dass die Badestelle auch von den Hotelgästen gern angenommen werden wird. Weitere Hotelzimmer sollen auf dem Gelände entstehen. Und eine Wohnung für Václava Jarošová und ihre Familie. Kein Wunder, dass hinter den Stallungen schon wieder der Betonmischer läuft.

Reiterfreiheit auf allen Wiesen

Nicht nur für Familienfeiern oder Tagungen, sondern auch als Feriendomizil wird die Pferdefarm mit den 40 Hotelbetten in modernen Zimmern gern angenommen. Immerhin sind hier sämtliche Sehenswürdigkeiten des Dreiländerecks um die Ecke. Vom Jeschken bis zum Berg Oybin. Vom Mácha- bis zum Olbersdorfer See. Die Gäste dürfen nicht nur ihre (erzogenen) Hunde mit in die Unterkunft bringen. „Wir bieten auch die Möglichkeit, dass Pferdebesitzer ihre Tiere bei uns unterstellen“, erklärt die blonde Chefin. Sie schwärmt: „Wir haben hier das Glück, dass es die Eigentümer der Wiesen ringsum nicht stört, wenn wir darüber reiten.“ Freiheit pur. – So kann der Wanderer auf dem Weg Richtung Heømanice (Hermsdorf) den einen oder anderen Hufabdruck im Untergrund entdecken. Bald trifft er dann auch auf eine asphaltierte Allee zwischen Horní Vítkov (Ober Wittig) und Albrechtice (Olbersdorf) mit uralten Bäumen. Die Nebenstraße ist übrigens auch ein offizieller Fahrradweg. So manchem Radler geht das Herz auf, wenn er dort entlangsausen kann. – So wie den Reitern auf den Feldern nebenan.

www.farmavysoka.cz