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Hoyerswerda

Meine Stärken

Siebentklässler aus dem ganzen Landkreis sammeln in Hoyerswerda derzeit Erfahrungen für ihr Leben.

Im „Zeittunnel“ schaut diese Schülergruppe gerade, was einem so im Leben bei Privatleben und Arbeit erwarten kann, was man selbst erwartet und wie das alles sich zu einem Ganzen fügen könnte.
Im „Zeittunnel“ schaut diese Schülergruppe gerade, was einem so im Leben bei Privatleben und Arbeit erwarten kann, was man selbst erwartet und wie das alles sich zu einem Ganzen fügen könnte. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Seit Jahren steht das erste Obergeschoss des ehemaligen Centrum-Warenhauses in Hoyerswerda leer. Sporadisch wird es aber genutzt. Im vergangenen Jahr für die Aufführung des Tanzprojektes „Manifest“. Seit gestern tummeln sich hier 12- bis 14-jährige Kinder aus siebenten Klassen aus dem gesamten Landkreis Bautzen.

Sie absolvieren den Parcours „komm auf Tour“. Eine Schulveranstaltung, die aber viel besser ist als Schule, wie einer der teilnehmenden Jungs gestern im Auswertungsgespräch sagte. Kein Wunder: Kein Frontalunterricht, sondern Stationsbetrieb, eben ein handlungsorientierter Erlebnisparcours, in dem es darum geht, mehr über sich und seine Stärken zu lernen, sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. Es geht um Lebensentwürfe und um die Frage, in welcher Berufsrichtung man mal arbeiten möchte oder könnte.

Der Parcours ist eine gut durchdachte Sache mit pädagogisch-spielerischem Ansatz, einst entwickelt für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit. Im Landkreis Bautzen war er schon vier Mal, in Hoyerswerda noch nie. Dieses Mal hat das Landratsamt sich in dem zum Lausitz-Center gehörenden Gebäude eingemietet, arbeitet hier mit örtlichen Firmen und Institutionen zusammen. So stellt das Parcours-Team sieben Leute, örtlich kommen weitere acht Mitarbeiter hinzu, zudem kommt noch der Service für die Lehrkräfte. Christian Ahlgrimm ist der Projektkoordinator. Bis zum 27. Juni werden er und das Team hier insgesamt 1 350 Schülerinnen und Schüler betreut haben. Den Auftakt machten gestern die Siebentklässler der 2. Oberschule Kamenz. „Es gibt keinen Beruf, für den man nur eine Stärke braucht“, sagt Christian Ahlgrimm. Und doch benötigt man für den einen Beruf etwas mehr hiervon und führt einen anderen etwas mehr davon.

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Bei der Parcours-Erarbeitung hat man sieben Stärken bestimmt. Die heißen dann „mein Reden“, „tierisch grüner Daumen“, „meine Hände“ oder „meine Ordnung“. Darauf baut alles auf. Denn es geht nicht darum, was ein Schüler nicht kann, sondern es geht darum, zu erkennen, was er gut kann. Für jede Stärke gibt es Aufkleber. Und je nachdem, wie man sie in den kommenden zwei Stunden unter Beweis stellt oder sie einem von anderen zuerkannt werden, bekommt, füllen sich die entsprechenden Blätter der Schüler. So erfährt dann mancher am Schluss, dass er die eine oder andere Stärke hat, die er sich selbst gar nicht zugetraut hätte. Herausgekitzelt wird das an den vier Stationen, die die Schüler im Wechsel passieren. Zum Beispiel die Bühne, auf der Kurzszenen selbst entwickelt und aufgeführt werden. Es geht darum, sich das zuzutrauen – das Reden vor anderen, wie es im Vorstellungsgespräch wichtig sein wird, oder auch bei einem Rettungseinsatz. Die Betreuer des Parcours wissen, dass es immer Leute gibt, die von sich aus gern im Rampenlicht stehen, aber auch manchen, der das gar nicht will. Dann betreut derjenige eben den Vorhang an der Bühne. Denn ohne den geht gar nichts. Merke: Auch im Hintergrund kann man Wichtiges leisten.

Im „Zeittunnel“ lautet eine der wichtigsten Erkenntnisse „Wünsche und Träume sind wichtig, aber hänge sie so hoch, dass man sie auch erreichen kann.“ Es geht um die Herausforderungen des Privatlebens und der Arbeitswelt. Will ich Karriere, wann gründet man eine Familie. Letztlich gibt es unterschiedliche Lebensmodelle. Aber die Lebensenergie ist begrenzt. Und viele Erwachsene wissen, dass man meist zu viel davon in die Arbeit steckt. Sie wissen auch, dass das Leben nicht geradlinig verläuft. Die Schüler erfahren das im „Labyrinth“. Es gibt Sackgassen und man muss auch mal zurückgehen, um voranzukommen. Man darf Fehler machen, aber sollte daraus lernen. Und manches geht im Team einfach leichter, was wiederum Vertrauen voraussetzt, und das nicht nur, wenn man ein Handicap hat. Und in der „sturmfreien Bude“ geht es um Ordnung, das Zusammenleben, Sex und Verhütung und die Frage, warum bestimmte Arbeiten ein Junge oder ein Mädchen ausführen soll. Wieso sollte das Geschlecht eine Rolle spielen, wenn man einen simplen Syphon unter der Spüle zusammenstecken muss?

Am Ende haben die Schüler viel erlebt. Die Bewertung für das Team fällt überaus positiv aus. Und tatsächlich guckt so mancher dann erstaunt in die bunten Schränke, mit den Stärke-Symbolen, in denen man erfährt, was man denn beruflich so mit seinen Stärken anfangen könnte und welches Berufsbild dazugehört – gern auch mit Ausbildung und/oder Zukunft im Landkreis Bautzen.

Am heutigen Mittwoch findet von 18 bis 19.30 Uhr ein Elternabend beim „komm auf Tour“-Parcours statt. Zugang über das Parkdeck des Lausitz-Centers.