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„Meine Tochter findet ihre Eltern zurzeit merkwürdig“

Roland Kaiser bringt zu Hause zwar den Müll raus, doch singen mag er viel lieber über die Liebe. Auch zur Kaisermania.

© Steffen Füssel

Kinder sollten eine gute Familie haben. Das ist Roland Kaiser wichtig. Er selbst wuchs bei einer Pflegemutter auf, die ihn behütete, bis er flügge wurde und das sozial prekäre Viertel Berlin-Wedding verließ. Heute gibt der Sänger Konzerte und seine Popularität für Kinder, die es im Leben nicht so gut getroffen haben. Um für sein neues Album „Seelenbahnen“ und die anschließende Tour zu werben, war er jüngst in Dresden. Zwischen Presseterminen und Autogrammstunde im Kaufpark schaltete er rasch auf soziales Engagement und besuchte als Botschafter der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer eine Lockwitzer Kinderdorf-Familie. Roland Kaisers eigene Kinder sind schon groß. Das jüngste ist 15 Jahre alt, eine Zeit, in der selbst berühmte Eltern wunderlich werden.

Herr Kaiser, in Ihren Liedern geht es um Liebe und Leid. Nie um die Mühen des Alltags. Warum?

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Die Liebe in all ihren Facetten ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Wir brauchen nur in die Weltliteratur zu sehen, das war in allen Zeiten so. Meine Arbeit ist es zu unterhalten, und ich kann nicht die Lösung für große soziale Probleme in vier Minuten und in Reimform klären. Das zu versuchen, halte ich für vermessen.

Aber Familie ist Ihnen privat sehr wichtig, und Sie engagieren sich ja auch neben Ihrer künstlerischen Arbeit dafür.

Das ist richtig. Aus eigenem Erleben weiß ich eine funktionierende Familie zu schätzen. Und vielleicht werden künftig auch vermehrt eigene Erfahrungen in meine Lieder einfließen. Mit „Ich bereue nichts“ und „Als ich noch Single war“ hat mich Maite Kelly schon ganz gut getroffen. Denn auch in unserer Familie wird der Müll rausgebracht, und raten Sie mal, wer da gefragt ist …

Sie. Oder Ihre Tochter, die den Sinn des Müllrausbringens bestimmt lange diskutiert. Wie erleben Sie die Pubertät Ihrer Kinder?

Meine Söhne sind ja schon darüber hinaus, aber meine Tochter findet ihre Eltern zurzeit merkwürdig. Aber das ist doch alterstypisch. Aus der Erfahrung mit unseren Großen sage ich mir: Nur keine unnötigen Diskussionen anfangen, Jugendliche in diesem Alter rebellieren eben auch gern mal. Denn sie geraten ja in eine Rolle, die sie selbst nicht verstehen.

Heute freundlich und zugänglich, morgen in sich gekehrt und maulfaul – haben Sie für dieses Wechselspiel immer die nötigen Nerven?

Na ja, wenn Freunde meiner Tochter zu Besuch kommen und ich ihr mal wieder unendlich peinlich zu sein scheine, bin ich eher ratlos. Ich mache ja nur, was die Höflichkeit verlangt: sie begrüßen, wie ich das immer getan habe. Doch vorübergehend ist alles anders, und andere Eltern haben’s auch nicht leichter.

Wie man in dem Büchlein „Das Pubertier“ von Jan Weiler amüsiert nachlesen kann. Wann geben Sie mal klein bei?

Das Pubertier kenne ich auch, ein herrliches Buch. Und passen muss ich, sobald meine Tochter zu mir ins Auto steigt. Dann drückt sie sofort meinen Klassiksender weg und schaltet Pop ein oder was sie sonst noch gern hört. Da laufen dann Kollegah, Beyonce, Pink, Cro und wie sie alle heißen. Die setzen Maßstäbe. Und eigentlich bin ich ja auch ganz froh darüber, weil ich so am Ball bleibe. Auch wenn ich in den Augen meiner Tochter eine völlig veraltete Sprache habe. Ich bin nun mal ein großer Freund des Genitivs, obwohl ich schon langsam lockerer werde.

Nachlässig in der Sprache?

So würde ich das nicht nennen. Aber ich will der Zeit folgen, auch der Duden verändert sich ja laufend. Bei aller Liebe zur sprachlichen Präzision – inzwischen denke ich: Wenn in einem Song das Bauchgefühl stimmt und die Menschen sich berührt fühlen, muss die Sprache nicht blitzsauber sein. Aus diesem Grund habe ich für mein neues Studioalbum mit Künstlern wie Till Lindemann, dem Sänger von Rammstein, mit der Sängerin Maite Kelly und dem Musiker Götz von Sydow zusammengearbeitet, die sich einer jüngeren Sprache bedienen. Von diesen kreativen Köpfen erhoffte ich mir einen frischen Wind. Schließlich bin ich bei der Kaisermania in Dresden fast der Älteste auf dem Platz.

Was sagt Ihnen das?

Dass ich hier eine riesige, großartige und auch junge Fangemeinde habe. Dresden ist und bleibt ein Phänomen, und ich habe aufgehört, ergründen zu wollen, warum das so ist. Nicht nur in dieser Stadt aber beobachte ich eine neue Hinwendung zur deutschen Sprache. Das sieht man an der großen Begeisterung auch für andere deutschsprachige Sänger. Ich weiß von Leuten, die gehen ins Konzert der Ärzte und eine Woche später zu Andrea Berg. Sie haben keine Grenzen mehr im Kopf, was für sie zählt, ist die Liebe zur Musik und das kollektive Erlebnis.

Erst im Frühjahr 2015 gehen Sie mit „Seelenbahnen“ auf Tour. Kredenzen Sie den Dresdnern Anfang August trotzdem schon die neuen Lieder?

Und ob. Ich werde mit dem Publikum auf Zeitreise von 1974 bis 2014 gehen und alte Hits, aber auch neue Titel singen. Meine 40 Jahre Bühnenleben lasse ich mit Musik, aber auch mit Fotos und Filmen auf der Leinwand vorüberziehen. Das wird sehr unterhaltsam und lustig.

Das Gespräch führte: Nadja Laske

Die ersten beiden Termine für die Kaisermania am 1. und 2. August bei den Filmnächten am Elbufer sind bereits ausverkauft. Für die dritte Veranstaltung am 9. August sind noch Karten zum Preis von 44 Euro plus Gebühren an allen bekannten Ticketverkaufsstellen zu haben.

Mehr Informationen auch unter www.filmnaechte.de