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Meineid-Fall wird neu aufgerollt

Der beschuldigte Gerüstbauer wittert eine Verschwörung. Die soll nun aufgeklärt werden.

Von Birgit Ulbricht

Sie müssen am 28. April alle wieder antreten. Der Zabeltitzer, der von einem Großenhainer Gerüstbauer Rüstung erhalten und nie zurückgeben haben soll. Die Berliner Firma, die von den Großenhainern die geliehenen Gerüste nach deren Insolvenz 2001 zurückverlangte. Und natürlich die Gerüstbauer – Vater und Sohn. Der Junge ist angeklagt wegen Meineides, weil er ausgesagt hatte, dass er gesehen habe, wie die Gerüste aufgeladen und nach Zabeltitz in die Scheune des früheren Mitarbeiters gebracht wurden. Doch das ließ sich weder durch Arbeitskollegen, noch Nachbarn, die Ehefrau oder sonst jemanden bestätigen. Der Zabeltitzer war außer sich, beteuerte immer wieder, er habe kein Gerüst, hätte nie in den letzten Jahren sein Haus gestrichen oder geputzt. Denn das hat seit den 1980er Jahren Grauputz. Vielmehr schrieb der Zabeltitzer, von dem die Berliner Firma nun aus heiterem Himmel Gerüste haben wollte, er habe nie Gerüste bekommen. Und an dem Punkt nimmt eine weitere Geschichte nun ihren Lauf.

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Denn just in der Hauptverhandlung tauchte ein Quittungsblock mit einem Blatt auf, auf dem der Zabeltitzer den Erhalt der Gerüste mit seiner Unterschrift quittierte. Der stand nun noch verzweifelter da und Richter Herbert Zapf ließ die Sache nicht auf sich beruhen. Er schickte den plötzlich vorgelegten Quittungsblock zum LKA, damit die Kollegen dort mal einen Blick draufwerfen. Drei Jahre dauerte das.

Heike Sibilla, Schriftenexpertin im forensischen Institut des Landeskriminalamtes, legte in der Verhandlung am 26. März nun ihr Gutachten vor. Das Fazit: Ja, die Quittung wurde manipuliert. Ausgerechnet der Fakt, dass die Unterschrift des Zabeltitzers auf dem Durchschlag des Quittungsbogens absolut deckungsgleich mit einer der Vergleichsunterschriften war, könnte dem Gerüstbauer eine Verurteilung einbringen. Denn absolute Deckungsgleiche gibt es nicht. Auch die eigene Unterschrift variiert in Nuancen, stimmt aber in den entscheidenden Merkmalen immer überein. 24 Unterschriftenproben hatte die Forensikerin zum Abgleich da – einige bewusst als Schriftprobe verlangt, andere den Akten entnommen. Und so kam eben jene Unterschrift in den Abgleich, die der Zabeltitzer just unter seinen Widerspruch gegen die geforderte Herausgabe des Gerüstes geleistet hat. Dass genau diese Unterschrift einfach in einen uralten Quittungsblock hineingepaust wurde, dafür spricht ein weiteres Indiz. Die Schriftenexpertin konnte nachweisen, dass über die Jahre zwei verschiedene Pauspapiere verwendet wurden. In den Anfangsjahren ein violettes und ab 2005 ein blaues Papier. Der Unterschriften-Durchdruck mit der blauen Pause taucht nun aber mitten in den violetten Jahren auf!

Nun waren alle im Gericht gespannt, was die Verteidigung dazu zu sagen hätte. Und die kam gestern mit einer kühnen Argumentation. Die Firmentasche mit besagtem Quittungsblock sei monatelang verschwunden gewesen und dann plötzlich wieder da gewesen. Die Unterschrift, ja sie sei wohl gefälscht, aber das sei ein weiterer ehemaliger Mitarbeiter gewesen. Einer, der intelligent sei, sich ausdrücken könne, ein Arzt, der hin und wieder bei dem Gerüstbauer jobbte. Einer, der zweifellos auch einen anonymen Brief ans Gericht geschrieben habe, wie Anwalt Werner Gutekunst aus Dresden vermutet. Der stecke mit dem Zabeltitzer Mitarbeiter „unter einer Decke“, man habe es hier „mit einem Komplott gegen seinen Mandanten zu tun“.

Das hätte allerdings vorausgesetzt, dass der Drahtzieher der Urkundenfälschung davon ausging, dass die getürkte Unterschrift durch eine Untersuchung beim LKA auffliegt und dem jungen Gerüstbauer schließlich ein Meineid anzuhängen ist. Das war selbst Richter Zapf und einem der Schöffen zu sehr um die Ecke gedacht. Doch was nun wirklich herauskommt, darf mit Spannung erwartet werden.