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Das ist sogar dem Straßenbauamt zu laut

Eine unerträglich laute Baustelle in Meißen sorgt für Ärger unter den Anwohnern. Jetzt wird Gehörschutz verteilt.

Die Hochwasserschutzmauer an der B6 in Meißen wird saniert. Doch der Lärm ist für die Anwohner unerträglich.
Die Hochwasserschutzmauer an der B6 in Meißen wird saniert. Doch der Lärm ist für die Anwohner unerträglich. © Claudia Hübschmann

Meißen. Bevor der Lärm zu hören ist, bläst eine Staubwolke die Siebeneichener entlang. Mit zunehmendem Dröhnen zeigt sich eine Konstruktion aus grünen Gewebeplanen, aus der grauer Wasserdampf hervorquillt. Am Straßenrand steht ein Anwohner, der mit den Armen fuchtelt, um sich trotz des Lärms bemerkbar zu machen. In seinen Ohren stecken neongelbe Ohropax. Natürlich geht es um das tagelange Wummern. Um davon berichten zu können, muss er hinters Haus gehen, denn auf der Straße schluckt die Baustelle jedes Wort.

Seit zwei Wochen wird auf der Siebeneichener Straße die Stützwand saniert, eigentlich geht es nur um die 700 Meter zwischen dem Parkplatz Eisenbahnbrücke und dem Eisbus. Auf dieser Strecke werden Schäden an der Fahrbahnseite mit Hochdruckwasserstrahlen entfernt. Doch die Baustelle kommt jeden Tag nur fünf bis zehn Meter voran, deshalb sollen sich die Arbeiten voraussichtlich noch bis Ende August hinziehen.

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"Wir wurden natürlich informiert, dass mit einer Lärmbelästigung zu rechnen ist, aber das was hier passiert, übertrifft alles, was ich bisher mitmachen musste", erzählt der Rentner, der selbst hier laut werden muss, um verstanden zu werden. Da helfen auch keine Ohropax mehr, die seien höchstens eine Linderung - bei seiner Frau steige sogar  der Blutdruck. "Wir können ja nicht den ganzen Tag flüchten", erklärt er, schließlich würden die Bauarbeiten von morgens um sieben bis abends halb sieben andauern. Sogar Arztbesuche seien zur willkommenen Abwechslung geworden.

Verbindliche Grenzwerte, ab wann es zu laut wird, existieren nicht. Allerdings definiert das sächsische Umweltministerium Lärmschwerpunkte ab einer Lautstärke von 55 Dezibel bei Nacht und 65 Dezibel am Tag. Das ist fast so laut wie in einer Kantine, wo man sich auch nur schwer unterhalten kann. 

Oberhalb dieser Werte sei mit einer verstärkten Erhöhung des Gesundheitsrisikos zu rechnen, heißt es vom Ministerium: „Eine dauerhafte Lärmbelästigung kann sich durch Stress und erhöhte gesundheitliche Störungen wie Nervosität, Konzentrationsmängel bis hin zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen äußern.“

Auf der Siebeneichener Straße wurde bei den täglichen Messungen des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) festgestellt, dass die Belästigungen aus Lärm und Staub die zulässigen Werte überschreite. Bei den Kontrollen wurde eine Lärmbelastung von bis zu 95 Dezibel gemessen. Allerdings teilte das Lasuv auch mit, dass Höchstdruckwasserstrahlen für das Entfernen der obersten Betonschicht alternativlos seien. Andere in Erwägung gezogene Methoden, hätten die gesunde Bausubstanz nicht vollständig erhalten und den Schaden noch größer werden lassen.

Um die Belastung für die Anwohner zu lindern, wurde mittlerweile mit besonders stark betroffenen Anwohnern vereinbart, dass diese einen persönlichen Hörschutz erhalten und die Strahlarbeiten generell nicht länger als bis 13 Uhr durchgeführt werden.

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