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Weinfestmacher: Politik lässt uns im Stich

Die Verantwortung für Absage oder Zusage des Meißner Volksfestes werde auf die Schultern ehrenamtlicher Organisatoren abgewälzt, lautet die Kritik.

Wie viele Besucher dürfen beim Meißner Weinfest im September miteinander anstoßen? Und wie lässt sich das organisieren? Im Vorfeld sind viele praktische Fragen ungeklärt, weil exakte Vorgaben fehlen.
Wie viele Besucher dürfen beim Meißner Weinfest im September miteinander anstoßen? Und wie lässt sich das organisieren? Im Vorfeld sind viele praktische Fragen ungeklärt, weil exakte Vorgaben fehlen. © Archiv: Anne Hübschmann

Meißen. Gewerbevereinschef Uwe Reichel und seine Meißner Vorstandskollegen fühlen sich verschaukelt. Am Mittwochabend kam die Ansage von Bund und Ländern, bis Ende Oktober solle es keine Großveranstaltungen geben. Am Donnerstagmorgen sprach Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) davon, an den Weinfesten festhalten zu wollen. 

Vor dem Hintergrund dieser widersprüchlichen Angabe hat sich der Vorstand des Gewerbevereins am Donnerstagabend folgerichtig auf ein klares Jein zum Meißner Weinfest vom 25. September bis 27. September geeinigt. "Es fällt uns extrem schwer, jetzt abzusagen", fasst Reichel den Konsens der Vereinsspitze zusammen. Gleichzeitig könne angesichts der herrschenden Unklarheit niemand ein unbedingtes Bekenntnis zu der Großveranstaltung verlangen. Die Politik verlagere die Verantwortung für schwierige Beschlüsse nach unten, auf die Schultern der ehrenamtlichen Organisatoren.

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Einmal mehr heißt es jetzt, abwarten und Wein trinken. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung des sächsischen Staatsministeriums gilt bis 29. Juni. Wird dieser Zeitraum ausgereizt, sollte es ab 30. Juni neue Direktiven geben. Darauf dürften im Anschluss detaillierte Regeln folgen. Vorher kann - zumindest aus Meißen - keine klare Aussage zu dem alljährlich am letzten Septemberwochenende stattfindenden Volksfest erwartet werden.

Anmeldung im Internet

Trotzdem wollen Reichel und seine Kollegen bis Ende Juni nicht die Hände in den Schoß legen. Die Zeit drängt. "Wir sind dabei, einige Ideen schriftlich zu fixieren, wie das Weinfest auf die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden könnte", sagt der Meißner. Für ihn stehe fest, dass die Großveranstaltung einen anderen Charakter bekommen müsste. 

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) verwies in einem Telefongespräch mit der SZ bereits am Donnerstagnachmittag darauf, dass die geöffneten Gaststätten über genehmigte und funktionierende Hygienekonzepte verfügen. Auf dieser Basis ließe sich aufbauen. Anknüpfend daran wird von verschiedenen Seiten die Idee ins Spiel gebracht, das Weinfest auf abgegrenzte und damit gut zu kontrollierende Inseln zu verteilen. Das Weinfest wird zum Weininselfest. Uwe Reichel hat sich bereits bei Anbietern von Ticketsystemen kundig gemacht. Bei ihnen könnten sich die Besucher kostenfrei im Internet mit Namen und Adressen anmelden. Die Daten würden anschließend am Einlass kontrolliert und so die geforderte Kontaktverfolgung möglich.

Der traditionelle Festumzug zum Meißner Weinfest dürfte an sich keine Probleme mit den Vorgaben in Corona-Zeiten haben. Doch wie lassen sich die Besucher am Rand auf Abstand halten?
Der traditionelle Festumzug zum Meißner Weinfest dürfte an sich keine Probleme mit den Vorgaben in Corona-Zeiten haben. Doch wie lassen sich die Besucher am Rand auf Abstand halten? © Archiv: Anne Hübschmann

So plausibel der Vorschlag klingt, er hat einen entscheidenden Haken: Durch den erhöhten Aufwand mit Bauzäunen, Security und Online-Registrierung entstehen unweigerlich erhebliche Mehrkosten. Auf der anderen Seite sinken bei einer abgespeckten Variante durch wegfallende Standgebühren die Einnahmen. Ein weiterer kniffliger Punkt: Wie soll entschieden werden, welcher Winzer und Standbetreiber einen Stellplatz auf dem zusammengeschrumpften Festgelände erhält. Am Ende bleibt die Frage, ob die Erträge die Ausgaben decken würden.

Klar ist auch: 50.000 oder gar mehr Besucher kann Meißen in Corona-Zeiten nicht unterbringen. Letztlich würde den Veranstaltern nur übrig bleiben, an die Vernunft und das Verständnis der Gäste zu appellieren. Niemand wünscht sich lange Schlangen an den Einlasspunkten oder gar chaotische Situationen. Optimistisch zeigt sich in dieser Hinsicht OB Raschke. Die ersten größeren Veranstaltungen in der Stadt - zum Beispiel über Pfingsten - hätten gezeigt, dass sich die Leute sehr diszipliniert und verantwortungsvoll verhalten. 

Aus dem Stadtrat kommen zurückhaltende Stimmen. Er gehe eher davon, dass das Weinfest ausfallen werde, so der Vorsitzende der AfD-Fraktion Thomas Kirste. Vorstellen könne er sich, dass verschiedene kleine Veranstaltungen an unterschiedlichen Punkten in der Stadt stattfinden und so zumindest für die Meißner Bürger und Nachbarn das Feiern in den Herbst möglich wird.

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