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Meißen entdeckt das Mittelalter

Ereignisse von vor 800 Jahren sollen am 31. August in der Klosterruine Heilig Kreuz wieder lebendig werden.

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© hübschmann

Minnesänger haben sie gepriesen und kamen vor 800 Jahren wegen ihr nach Meißen – Adela, Tochter des Markgrafen Otto von Meißen. Als sie von ihrem Gemahl, König Ottokar von Böhmen, nach mehr als 20-jähriger Ehe verstoßen wurde, fand sie am Beginn des 13. Jahrhunderts Zuflucht in Meißen. Hier lebte sie im Kloster Heilig Kreuz. Der Bau könnte als ein Teil der Abfindung gestiftet worden sein, die Adela nach ihrer Verstoßung erhielt. Davon ist Helge Landmann überzeugt, der dem Hahnemannzentrum vorsteht. Der Verein residiert heute in den Resten der Klosteranlage und bemüht sich um deren Erhaltung .

Die Ansiedlung Adelas bei ihrem Bruder, dem Meißner Markgrafen Dietrich, spreche für die Bedeutung Meißens in der mittlealterlichen Geschichte. In Meißen habe die Frau jahrelang um ihr Recht sowie das Recht ihrer vier Kinder gekämpft. Schließlich hatte Ottokar die Ehe trotz eines Scheidungsverbotes der katholischen Kirche annullieren lassen, so dass in Meißen auch Konflikte zwischen den Kaisern und dem Vatikan ausgefochten wurden. Für eine wissenschaftliche Arbeit hat sich Helge Landmann in den vergangenen Jahren intensiv mit der Geschichte der Klosterruine beschäftigt. 700 Seiten umfasst die Arbeit, die er jetzt für ein Promotionsverfahren an der TU Dresden eingereicht hat.

Die Geschichten um die mittelalterlichen politischen Ränkespiele will der Verein auch der Öffentlichkeit näherbringen – am ursprünglichen Ort. Das Klostergartenfest am 31. August ab 14 Uhr soll Gelegenheit dazu bieten. „Wir wollen ein Hoffest zeigen, so wie es hätte sein können“, sagt Christiane Bense. Die Geschäftsführerin des Vereins hat Überlieferungen und historisch belegte Fakten zusammengetragen. Sie hat Geschichten aus der Gründungszeit geschrieben, die verschiedene Theatergruppen auf dem Gelände der Klosterruine lebendig werden lassen. So können die Besucher miterleben, wie Markgraf Dietrich Gesandte eines spanischen Ritterordens empfängt, von denen einer in Meißen einen alten Freund wiedertrifft. Der führt ihn durch die Klosteranlage.

So soll sich das Klostergartenfest – das übrigens das wegen des Hochwassers im Juni abgesagte Rosenfest ersetzt – von den üblichen Mittelaltermärkten abheben. Für Besucher halten verschiedene Stände nicht nur Kunsthandwerkliches, sondern auch Angebote zum Mitmachen bereit. So kann man Kräutersalz herstellen, filzen, mittelalterliche Kinderspiele kennen lernen oder sich mit eigenen Gedichten am Sänger-Wettstreit beteiligen, kündigt Christiane Bense an. Zum Abendprogramm hat sich der fahrende Sänger Walther von der Vogelweide angesagt. Diesen Part übernimmt Roger Stein, der in Meißen als erster Preisträger der „Meißner Drossel“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. (da)

www.hahnemannzentrum-meissen.de