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Meißen gibt Genies Nachhilfe

Die Stadt wird Sachsens Zentrum für besonders begabte Kinder. Auf Schloss Siebeneichen sollen sie entdeckt und gefördert werden.

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Von Claudia Parton

Das Kultusministerium baut Meißen zum sächsischen Zentrum für hochbegabte Kinder und Jugendliche aus. Zusätzlich zum Landesgymnasium St. Afra wird es ab Anfang Februar auf dem Schloss Siebeneichen eine Beratungsstelle für alle Schüler in Sachsen geben, die Eltern oder Lehrern als außergewöhnlich talentiert aufgefallen sind. Beteiligt ist auch die Universität Leipzig, die in Meißen zum Phänomen der Hochbegabung forschen soll.

Das galt lange als das Luxusproblem einiger Professorenkinder. Seit zwei Jahren aber sieht sich das Kultusministerium von Anfragen überrannt. „Das Interesse an dem Thema Hochbegabung hat stark zugenommen“, sagt der Sprecher Andreas Kunze. Das bestätigt auch der Leiter des Landesgymnasiums, Werner Esser. Seine Schulpsychologin wird auf Siebeneichen künftig 20 Stunden pro Woche für die Beratung externer Lehrer, Eltern und Schüler zur Verfügung stehen.

Ziel ist es, dass die Schulen möglichst viele geistige Überflieger auch als solche wahrnehmen. Die Psychologen gehen davon aus, dass etwa jedes zweite bis dritte von ihnen unentdeckt bleibt. Das ist ein Problem: Die Kinderpsychologin Barbara Schöpf behandelt Jugendliche mit Depressionen und Selbstmordabsichten, Schulverweigerer und Sitzenbleiber – allesamt hochbegabt und doch Verlierer. „Sie leiden, wenn sie nicht entdeckt und gefördert werden.“

Das Landesgymnasium aber ist nur für eine kleine Gruppe eine Alternative zur Regelschule. Die Schüler dort, 50 pro Jahrgang, müssen sowohl diagnostiziert als auch durchweg lernwillig sein. Sonst geht das Konzept nicht auf.

Die neue Beratungsstelle soll Eltern, Erziehern und Lehrern den Blick schärfen, ihnen bei der Diagnose helfen und sie im Anschluss beraten, wie die Kinder an ihrer Schule am besten zu fördern sind. 14 Grundschulen und 22 Gymnasien sind beteiligt. Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) freut sich, dass seine Stadt den Zuschlag für das Projekt bekam. Es bestätige ihre herausragende Bedeutung als Bildungsstandort.