merken
PLUS Meißen

„Meißen hat uns immer Glück gebracht“

Die Stern Combo Meissen zählt mit ihren 55 Jahren zu den dienstältesten in Deutschland – ein neues Album kommt bald.

Zeitlose Texte und Melodien –Martin Schreier (l.) und die Mannen der Stern Combo Meißen bringen im kommenden Jahr ein neues Album heraus.
Zeitlose Texte und Melodien –Martin Schreier (l.) und die Mannen der Stern Combo Meißen bringen im kommenden Jahr ein neues Album heraus. © Bodo Kubatzki

Meißen. Sie zählt zu den beliebtesten Bands des Ostens: die „Stern Combo Meissen“. Am 21. September feiert die Band in ihrer Heimat ihren 55. Geburtstag. Im Akti steigt das große Jubiläumskonzert. Was die Besucher dort erwartet und wie er auf all die bewegten Jahre zurückschaut, verrät Band-Mitbegründer Martin Schreier (71) im SZ-Interview.

Herr, Schreier, die „Stern Combo Meissen“ zählt zu den dienstältesten Bands Deutschlands. Wie haben Sie es geschafft, so viele Jahre durchzuhalten?

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Das lässt sich leicht sagen. Wir waren einfach immer begeistert von dem, was wir gemacht haben. Das gilt übrigens für alle Kollegen, die im Laufe der Jahre an unserem Projekt beteiligt waren. Wenn es uns oder unseren Zuschauern keinen Spaß mehr gemacht hätte, hätten wir längst aufgehört.

Dafür gibt es aber keine Anzeichen. Im Gegenteil. Ältere Fans bringen jetzt auch ihre Kinder und Enkelkinder mit. Das ist wirklich sehr schön.

Was überwiegt bei Ihnen zum 55. Jubiläum – Nostalgie oder der Blick nach vorn?

Sowohl als auch. Wir sind natürlich stolz auf unsere alten Werke wie „Weißes Gold“ oder „Bilder einer Ausstellung“. Gleichzeitig wollen wir aber auch kreativ bleiben und neue Songs herausbringen. Vorteilhaft ist bei unserer Musik, dass sowohl die Texte als auch die Melodien zeitlos sind. Anders als der Mainstream sind sie nicht nur ein paar Wochen aktuell, sondern haben tiefgreifende Botschaften.

Wie wichtig war es, dass im Laufe der Zeit neue Leute, wie zum Beispiel Frontmann Manuel Schmid, hinzugekommen sind?

Sehr wichtig. Ich sagte ja gerade, dass wir großen Wert auf Qualität legen. Unser Sänger Reinhard Fißler hat große Fußspuren hinterlassen. Uns war klar, dass es nach seinem Tod nur weitergehen kann, wenn wir adäquaten Ersatz finden. In dieser Hinsicht war Manuel Schmid ein Glücksfall. Er war ja gerade einmal 27 Jahre alt, als er in der Band anfing. Allerdings beherrschte er schon beim Vorsingen alle unsere Lieder perfekt. Er hat uns erzählt, dass seine Eltern Fans von uns sind und er bereits seit der Grundschulzeit alles einstudiert hat.

Das waren noch Zeiten: Kurz nach der Gründung 1965 nannte sich die Stern Combo Meißen (Martin Schreier am Schlagzeug) The Travellers. Das gefiel Walter Ulbricht nicht, also musste sich die Band wieder umbenennen – zum Glück. 
Das waren noch Zeiten: Kurz nach der Gründung 1965 nannte sich die Stern Combo Meißen (Martin Schreier am Schlagzeug) The Travellers. Das gefiel Walter Ulbricht nicht, also musste sich die Band wieder umbenennen – zum Glück.  © Detlef Seidel

An welche Momente der langen Bandgeschichte erinnern Sie sich besonders gern?

Wir sind ja Ende der 1970er Jahre von Meißen nach Berlin gezogen, weil wir dachten, dass wir dann bessere Chancen haben, auch mal im Westen aufzutreten. Da hatten wir uns aber getäuscht. Immerhin führte der Umzug aber dazu, dass wir 1980 als erste Ostband ein eigenes Privatstudio hatten. 

Dieses lag in einer alten Tischlerei und die Behörden waren darüber nicht gerade begeistert. Aber man ließ uns gewähren. Und Stück für Stück wurde es ein fester Bestandteil in der Musikszene. Neben uns produzierten dort auch Größen wie zum Beispiel Karat, die Puhdys und Veronika Fischer ihre Schallplatten. An diese Zeit erinnere ich mich wirklich gern.

Als Sie als Musiker 1964 begonnen haben, gab es kaum Medien, während heute aus allen Richtungen multimediale Reize auf die Menschen einströmen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Mir gefällt das eigentlich sehr gut. Weil Ostmusik sonst in den Medien kaum noch vorkommt, gibt uns das eine Bühne. Jeder, der das will, kann sich informieren. Außerdem können wir uns auch gut mit anderen Musikern und mit den Fans austauschen.

Aufgrund ihres Bandnamens sind Sie eng mit Ihrer Heimatstadt verbunden. War das immer von Vorteil oder manchmal auch eine Bürde?

Für uns war das immer positiv. Wir hießen ja kurz nach der Gründung 1965 mal „The Travellers“. Nachdem Staats- und Parteichef Walter Ulbricht auf dem 11. Plenum der SED jedoch derartige englische Bezeichnungen verbieten ließ, kehrten wir zu „Stern Combo Meissen“ oder später auch zu „Stern Meissen“ zurück. Der Meißen-Bezug hat uns eigentlich immer Glück gebracht. 

Schließlich geht ja auch unser Werk „Weißes Gold“ auf die Geschichte Johann Friedrich Böttgers zurück, der für August den Starken Gold herstellen sollte und dabei das Porzellan entdeckt hat. Ich habe von einer Version der Geschichte über meinen Grundschullehrer in Meißen erstmals erfahren und mich später in der Band wieder daran erinnert.

Kommen wir zum Jubiläumskonzert in Meißen. Was haben Sie und die anderen Bandmitglieder sich für den Auftritt überlegt? Worauf können sich die Besucher freuen?

Wir wollen das zum Jubiläum groß aufziehen. Die Bühnentechnik wird sehr hochwertig sein und das Repertoire reicht von unserer Artmusik bis hin zu herkömmlichen Songs. Auch einige neue Lieder werden in Meißen Premiere feiern. Hinzu kommen Gäste wie Veronika Fischer und Werther Lohse von Lift.

Werden Sie zum Jubiläum ein neues Album herausbringen?

Dieses Jahr nicht. Aber nächstes Jahr im ersten Halbjahr ist es soweit.

Das Gespräch führte Stephan Hönigschmid

Mehr zum Thema Meißen