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Meißen hilft der Tochter

Dresden will 2025 Kulturhauptstadt Europas werden. Mit Umland-Unterstützung. Doch nicht alle Meißner sind davon begeistert.

Drei, die sich verstehen: Helge Landmann vom Meißner Hahnemannzentrum, Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Frank Richter (v.l.).
Drei, die sich verstehen: Helge Landmann vom Meißner Hahnemannzentrum, Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Frank Richter (v.l.). ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Ohne Meißen wird das nichts. Zumindest wird es schwieriger zu schaffen sein. Eine kleine Gruppe von Meißner Bürgern mit dem Landtagskandidaten der SPD Frank Richter an der Spitze will Dresden helfen, im Jahr 2025 Kulturhauptstadt Europas zu werden.

„Dresden gilt als schönste Tochter Meißens“, sagte Frank Richter. „Wenn sich die Tochter um europäische Anerkennung bewirbt, so sollte ihr die Mutter eine angemessene Mitgift nicht verwehren.“ Die Gruppe der Initiatoren schlug dem Oberbürgermeister Olaf Raschke vier konkrete Projekte vor, die gezielt in die Dresdner Bewerbung aufgenommen werden könnten: Porzellanmanufaktur, Hahnemannzentrum, Dom und Schlosspark Siebeneichen.

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Dresdens Kulturbürgermeistern Annekatrin Klepsch (Die Linke) ist von der Idee begeistert. Die Unterstützung des Umlands ist ein Teil des Erfolgs. Aber auch Meißen und die gesamte Region würden von den Impulsen der Bewerbung profitieren.

Das Verfahren läuft aktuell an. Dass eine deutsche Stadt den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 erhalten wird, ist gesetzt. Doch die sieben Mitbewerber Dresdens haben auch etwas zu bieten: Aus Sachsen sind Chemnitz und Zittau dabei, dann noch Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg.

Bewerbung in Englisch

Bis zum 30. September muss Dresden ein 60-seitiges Bewerbungsbuch bei der Kulturstiftung der Länder abgeben. In Englisch. Das ist jetzt die heiße Phase dafür, sagt die Kulturbürgermeisterin. Am 13. Dezember dann wird sich Dresden vor der zwölfköpfigen europäischen Jury (zwei Mitglieder sind Deutsche) präsentieren. Die Jury wird dann drei bis vier Bewerber bestimmen, die im Rennen bleiben. „Dazu wollen wir natürlich gehören“, sagt Annekatrin Klepsch. „Deshalb brauchen wir auch die Unterstützung des Umlands.“

Neben den Meißnern hat sich auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als Unterstützer gemeldet.

Antreten möchte Dresden unter dem Motto „Neue Heimat“. Wie Frank Richter sagte, der selbst Mitglied im Kuratorium der Dresden-Bewerbung ist, war der Titel heftig umstritten. Er erinnert an die Pleite des gleichnamigen gewerkschaftlichen Wohnungskonzerns 1982 in Hamburg und klingt vielleicht auch etwas national und nicht europäisch. Außerdem lässt er sich schlecht ins Englische übersetzen. 

Dennoch glaubt Bürgermeisterin Klepsch an den Erfolg des Titels, denn er spiegele den Zeitgeist wider. Auch neue Phänomene wie die Migration, der Trend zur Digitalisierung oder Strömungen wie Pegida lassen sich darunter einordnen. Sie gehören zur Wirklichkeit und damit auch zu Dresden, ob es einem gefällt oder nicht. „Je länger ich über den gewählten Titel nachdenke, umso besser gefällt er mir“, sagte Klepsch.

Auch Helge Landmann vom Meißner Hahnemannzenrum, der die Bewerbung ebenfalls unterstützt, sieht das so. „Wir im Umland sind Teil dieser neuen Prozesse“, sagte er. „Wir gehören dazu.“ Frank Richter sagt, er wolle gemeinsam mit Dresden die Pflöcke einschlagen. „Unser nächstes Ziel ist die Short-List, die Runde der letzten drei oder vier“, sagt er.

Meißens OB Olaf Raschke (parteilos) steht der Initiative wohlwollend gegenüber. Im September trifft er Dresdens Kulturbürgermeisterin Klepsch, um die Details zu besprechen. Falls es finanzielle Auswirkzungen hat, müsse auch der Stadtrat einbezogen werden, sagte Raschke.

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Anders sieht das Meißens Landrat Arndt Steinbach (CDU). Er lehnt ein Kooperationsabkommen mit der Landeshauptstadt, das auch eine finanzielle Unterstützung durch den Landkreis vorsieht, ab.

Bisherige deutsche Kulturhauptstädte waren West-Berlin (1988), Weimar (1999) sowie Essen und das Ruhrgebiet (2009).

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