merken
PLUS Meißen

Stadträte stoppen Baupläne des Prinzen

Der Unternehmer wollte ein Gästehaus und einen öffentlich zugänglichen Aussichtsturm bauen.

Das Bauprojekt von Georg Prinz zur Lippe in Proschwitz mit einem zweigeschossigen Gästehaus sowie einem Aussichtsturm erhielt am Mittwochabend keine Mehrheit im Stadtrat Meißen.
Das Bauprojekt von Georg Prinz zur Lippe in Proschwitz mit einem zweigeschossigen Gästehaus sowie einem Aussichtsturm erhielt am Mittwochabend keine Mehrheit im Stadtrat Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das eigentliche Projekt kam am Mittwochabend nicht zur Abstimmung. Georg Prinz zur Lippe will ein Gästezentrum in der Nähe seines Weingutes Schloss Proschwitz bauen. Nachdem Entwürfe, die Gebäude im Pagodenstil zu errichten, ein geteiltes Echo in Meißen und Umgebung fanden, legte er nun neue Pläne vor. Sie sehen den Bau eines zweigeschossigen Gästehauses mit 30 Betten sowie einer Weinprobierstube auf dem Gelände des früheren Mühlenareals auf dem Bocksberg vor. Dort, wo eine 1945 zerstörte Kappenwindmühle stand, soll ein 19,60 Meter hoher und öffentlich zugänglicher Aussichtsturm entstehen.

Eine Visualisierung war am Abend kurz im großen Ratssitzungssaal zu sehen – als der Architekt Heinfried Stuve auf Fragen zur genauen Lage des beabsichtigten Baugebietes einging. Wie er erläuterte, würde der Bau des Gästehauses etwa 300 Quadratmeter in Anspruch nehmen. Diese Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet hätte zugunsten des Vorhabens umgewidmet werden müssen.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Die Pläne von Sachsens größtem Privatwinzer konnten am Mittwochabend eine Mehrheit der Meißner Stadträte nicht überzeugen.
Die Pläne von Sachsens größtem Privatwinzer konnten am Mittwochabend eine Mehrheit der Meißner Stadträte nicht überzeugen. © Claudia Hübschmann

Die Stadträte der Fraktionen Bürger für Meißen und SPD, AfD sowie Die Linke ließen eine Beschlussvorlage des Bauverwaltungsamtes zur Änderung des Flächennutzungsplans mehrheitlich durchfallen. Lediglich die elf anwesenden Stadträte der Großfraktion von Freien Bürgern, FDP, CDU und U.L.M. hatten dafür gestimmt. Damit ist der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Weingut Proschwitz – Gästezentrum am Bocksberg“ erst einmal vom Tisch.

Die Tagesordnung der Stadtratssitzung hatte vorgesehen, zunächst über einen Aufstellungsbeschluss, der das Planungsverfahren eröffnet hätte, zu entscheiden – und danach über eine Änderung des Flächennutzungsplans zugunsten des Bauvorhabens. Noch vor Beginn der Debatte hatte Heiko Schulze (BI und SPD) die Änderung der Reihenfolge durchgesetzt.

Im Verlauf der Diskussion prallten die Standpunkte hart aufeinander. Ingolf Brumm (Linke) warnte eindringlich davor, dass die Stadt auch an diesem Hang „Tafelsilber verhökert“ und das historische Mühlenareal abreißen lässt. Ute Czeschka (Bürger für Meißen und SPD) mahnte ein Gesamtkonzept für den Flächennutzungsplan der Stadt an. Er sollte nicht nur partiell überarbeitet werden – „und dafür sollten wir uns Zeit lassen“. Ein Landschaftsschutzgebiet umzuwidmen, binde die Stadt, warnte sie.

Holger Schmidt von der Großfraktion nannte es anmaßend, einem Investor vorzuschreiben, wie er bauen soll. Dafür sind die Fachbehörden zuständig, die sich im Verlauf des Verfahrens mit dem Vorhaben befassen. „Wenn wir jetzt alles zerreden, können wir uns in den nächsten Jahren nicht entwickeln“, warb auch Fraktionskollege Uwe Köhler leidenschaftlich um Zustimmung für den Beschlussentwurf.

Oliver Eggert (AfD) warnte davor, dass das geplante Gästehaus für die Meißner Hotellerie zusätzliche Konkurrenz bedeutet. Wie der Architekt im Verlauf der Debatte informierte, sehen die Pläne des Weingutes vor, mit Fertigstellung des Vorhabens den Standort in Zadel aufzugeben, wodurch sich die Zahl der vom Weingut angebotenen Übernachtungsmöglichkeiten nicht erhöht hätte. Karsten Müller (Großfraktion) verwies darauf, dass der Tourismus als wichtiger Wirtschaftszweig in Meißen durchaus weitere Übernachtungskapazitäten gebrauchen kann.

Mehrere Redner würdigten, dass die ursprünglichen Pagoden-Pläne grundlegend überarbeitet wurden. Für Helge Landmann (Bürger für Meißen und SPD) rechtfertigen sie dennoch nicht, in ein Schutzgebiet der Stadt einzugreifen. Er sagte, dass es andere Optionen gibt, um die ehrgeizigen Pläne des Investors in Meißen umzusetzen.

Bauprojekt die Grundlage entzogen

„Muss man ein solches Ding an diese Stelle setzen?“ Diese Frage war während der Einwohnerfragestunde zur Sprache gekommen. Ein Anwohner hatte auf die viel zu engen Zufahrtsstraßen hingewiesen. Tilo Hellmann (Linke) zeigte sich überrascht darüber: „Ich hatte mich auf die Aussage verlassen, dass die Anwohner bei einer öffentlichen Vorstellung der Baupläne Zustimmung signalisiert hatten.“ In der Debatte begründete er seine Ablehnung auch damit, dass es bislang keine befriedigende Antwort auf das Verhältnis von versiegelter und unversiegelter Fläche auf dem in Betracht kommenden Areal gibt.

Georg Prinz zur Lippe hat den Namen Meißens positiv in die Welt getragen, warb Holger Metzig von der Großfraktion um Zustimmung für den vorliegenden Beschlussentwurf. Der Investor, der mehrere Millionen Euro für das Bauprojekt ausgeben will, habe Kompromissbereitschaft gezeigt. Und: „Wir hätten ihm viel eher sagen sollen, dass es so nicht geht“.

Weiterführende Artikel

Meißen verbaut sich die Zukunft

Meißen verbaut sich die Zukunft

Mit ihrer Ablehnung des Baus eines Gästehauses für das Weingut Proschwitz senden die Stadträte ein klares Signal aus: Investoren nicht erwünscht.

Was wird aus dem Mühlenareal?

Was wird aus dem Mühlenareal?

Über Baupläne von Georg Prinz zur Lippe wird wieder diskutiert – hinter den Kulissen ebenso wie an Ort und Stelle.

"Meißen droht Stillstand"

"Meißen droht Stillstand"

Die Stadt braucht Zuzug. Und sie muss die Voraussetzungen dafür schaffen, fordern die Stadträte Simone Teske und Martin Bahrmann von der Großfraktion.

„Wir brauchen das Gästehaus am Weinberg“

„Wir brauchen das Gästehaus am Weinberg“

Nach der Absage der Meißner Stadträte an die Baupläne des Prinzen Georg zur Lippe sprach die SZ mit Alexandra Prinzessin zur Lippe über die aktuelle Lage.

Durch die mehrheitliche Ablehnung, den Flächennutzungsplan von 2006 zu ändern, ist dem Aufstellungsbeschluss die Grundlage entzogen. Wie OB Olaf Raschke (parteilos) erklärte, erübrigt es sich damit, den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Weingut Proschwitz – Gästezentrum am Bocksberg“ aufzurufen. 

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen