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Corona trifft Winzer in Sachsen hart

Die Weingüter dürften zwei bis drei Jahre benötigen, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen. Die Aufbauarbeit von drei Jahrzehnten steht auf dem Spiel.

Die Gläser mit sächsischem Wein sind voll. Doch momentan können die Winzer ihre hochwertige Ware nur schwer an die Kunden bringen.
Die Gläser mit sächsischem Wein sind voll. Doch momentan können die Winzer ihre hochwertige Ware nur schwer an die Kunden bringen. © Archiv: Anne Hübschmann

Elbland. Kein Hochzeitsfeuerwerk, kein Geburtstagsständchen, auch der Parkplatz am Schloss Proschwitz bleibt leer. Eine geradezu gespenstische Ruhe herrscht über den Weinbergen nordwestlich von Meißen.

Die Veranstaltungsschiene sei komplett weggebrochen, sagt Sachsens größter Privatwinzer Georg Prinz zur Lippe. Damit fällt eine wichtige Einnahmequelle für das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe aus. Ähnlich ergeht es der Winzergenossenschaft Meißen mit ihrer Weinerlebniswelt, dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth und den kleineren sächsischen Weinbaubetrieben. 

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Sachsens Weinbauwirtschaft leidet schwer unter den Folgen der Corona-Krise. Die Risiken seien gegenwärtig nicht kalkulierbar, sagt Georg Prinz zur Lippe. Derzeit könne niemand sagen, wie die Fachgeschäfte und vor allem die Gastronomie die Flaute überstehen würden. 

Das sind für die meisten sächsischen Winzer die Hauptvertriebswege. Der Verkauf über die Supermärkte und der Online-Handel spielen oft eine eher untergeordnete Rolle. Letztlich bleibt nur der Absatz über die Vinotheken vor Ort, welcher jedoch in den vergangenen Wochen durch die Ausgangssperre auf den unmittelbaren regionalen Umkreis beschränkt blieb.

Kurzarbeit zumeist keine Option

Während ein großer Teil der Einnahmen wegbricht, bleiben die Ausgaben bestehen. Die Arbeit in den Weinbergen gehe weiter, sagt Sachsens größter Privatwinzer. Das Biegen und Binden der Reben dürfte in der Regel abgeschlossen sein. Der Boden muss jetzt gelockert werden. Erster Pflanzenschutz könnte nötig werden. 

Kurzarbeit ist daher für die meisten sächsischen Winzer keine umfängliche Option. Der Wirtschaftsfachmann Georg Prinz zur Lippe plädiert - wie viele andere Unternehmer auch - für Zuschüsse anstelle von Krediten. Das Aufnehmen von Schulden würde die Weingüter in den nächsten, sehr schwierigen Jahren nur zusätzlich durch die Tilgungsraten belasten. 

Der Weingutchef sieht Parallelen zu den großen Hochwassern 2002 und 2013. Es habe zwei bis drei Jahre gedauert, um deren Folgen zu bewältigen. Die letzte Flut liegt gerade einmal sieben Jahre zurück. Zwei derart dramatische Ereignisse seien ohne gesellschaftliche Hilfe für eine eng mit der Region, dem Tourismus und der Gastronomie verflochtenen Branche wie den Weinbau nicht durchzustehen. Jetzt stehe auf dem Spiel, was in den vergangenen drei Jahrzehnten in Mitteldeutschland mühevoll aufgebaut worden sei. Vielen Betrieben fehlen Branchen-Kenner zufolge die Rücklagen für eine solche Durststrecke.

Besonders betroffen dürften kleinere Weingüter sein, oftmals von jungen Winzern geführt. Gerade sie sorgen für eine beispiellose Vielfalt an Sorten und Stilen im sächsischen Anbaugebiet. Doch auch ein Traditionsbetrieb wie das Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe steht vor großen Herausforderungen. Mit dem Hotelprojekt hat das Unternehmen eine wichtige Investition auf den Weg gebracht. Dieses Vorhaben sei nicht mehr zu stoppen, sagt der Winzer. Gleichzeitig werden zusätzliche  Mittel gebraucht, um die aktuelle Krise zu überstehen.

150 Feuertöpfe brennen in der Nachosterwoche im Weinböhla-Weinberg von Wackerbarth. Die kleinen Feuer bringen die Temperatur über null Grad und schützen die jungen Reben.
150 Feuertöpfe brennen in der Nachosterwoche im Weinböhla-Weinberg von Wackerbarth. Die kleinen Feuer bringen die Temperatur über null Grad und schützen die jungen Reben. ©  Norbert Millauer

Bestätigt werden die Proschwitzer Einschätzungen durch das Staatsweingut Schloss Wackerbarth.  "Auf der einen Seite müssen wir unsere Weinberge bewirtschaften, sowie den neuen Jahrgang abfüllen. Auf der anderen Seite kämpfen wir mit Umsatzausfällen, die direkte wirtschaftliche Auswirkungen haben", heißt es auf SZ-Nachfrage. Die fehlenden Umsätze - geschätzt in Höhe von rund 50 Prozent - lassen sich zurückführen auf die Absage von Großveranstaltungen und Messen. Die Gastronomie sei geschlossen. Die Lufthansa habe einen Großauftrag storniert. Im Gutsmarkt verzeichnet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr, einen Umsatzrückgang von nahezu 75 Prozent. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Trotz der derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen hat der Schutz der Arbeitsplätze für Wackerbarth größte Bedeutung. Um diese zu erhalten, sei ein Maßnahmenkatalog verabschiedet worden. Dieser umfasst Homeoffice, die Verschiebung von Investitionen, den  Aufbau von Minusstunden und Kurzarbeit, heißt es weiter aus dem Unternehmen.

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Eine gute Nachricht gibt es allerdings: Für die Reben spielt Corona keine Rolle. Sie müssen auch in diesem Jahr termingerecht und angepasst an die Witterung bewirtschaftet werden. "Unsere Reben haben das bisherige Weinjahr, mit einem sehr milden Winter, gut gemeistert. Von den Nachtfrösten der vergangenen Wochen waren sie auch nicht betroffen", so das Staatsweingut. Aufgrund der aktuellen Witterung prognostiziert ein digitales Weinbau-Wetterportal den Beginn des Austriebs in frühen Lagen für diese Tage.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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