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Meißen soll Schloss- Inventar zurückgeben

Das Meißner Stadtmuseum soll Kunstschätze zurückgeben an den Prinzen zur Lippe und an die Herren von Miltitz. Aufgeschreckt durch OB Pohlacks Pläne, Museumsgut zu verkaufen, um die Stadtfinanzen zu sanieren, pochen die Adligen darauf, Inventar aus ihren nach dem Krieg enteigneten Schlössern zurückzubekommen.

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Von Petra-Alexandra Buhl

Die Debatte um die Rückgabe von Museumsgut an die Adligen, deren Schlösser nach dem Krieg enteignet wurden, hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nach dem OB Thomas Pohlack vorgeschlagen hat, Museumsgut zu verkaufen, um die Stadtfinanzen zu sanieren, sind sie erst recht alarmiert.

Seit Jahren versuchen Prinz zur Lippe und die Herren von Miltitz, Schlossinventar aus den Museumsdepots zurückzubekommen. Jetzt hat der Prinz seine Anwälte eingeschaltet, um zu verhindern, dass mögliches Inventar aus dem Schloss Proschwitz versteigert wird.

Er möchte unter anderem einige Reliefs, aus dem Park geborgene Skulpturen und verschiedene Gemälde aus dem Stadtmuseum wiederhaben. „Es liegt mir aber völlig fern, hier Porzellan zu zerschlagen. Ich will mich hier einfügen“, sagt er. Rechtlich sieht sich der Prinz auf der sicheren Seite, weil das Inventar niemals enteignet, sondern nur beschlagnahmt worden sei. Die meisten Gegenstände kamen laut Prinz in ein Sammellager ins Gauernitzer Schloss, und wurden von dort aus weiterverteilt.

Auf die Rückgabe während der Bodenreform enteigneter beweglicher Güter nach 1945 besteht laut Johannes Kimme vom Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen tatsächlich ein Anspruch. „Sofern die Gegenstände nicht zum Unternehmenswert des Schlossbetriebes gehörten, und sofern es sich nicht um Kulturgut handelt, sind die Museen verpflichtet, die Gegenstände zurückzugeben“, sagt er.

Aufschlüsse können nur Zeitzeugen geben

Damit spricht er gleich zwei Pferdefüße an: Privatvermögen wie Ahnengemälde werden zurückgegeben, der antike Schreibtisch unter Umständen aber nicht, weil er möglicherweise aus steuerlichen Gründen dem Betriebsvermögen zugeschlagen wurde. Und alles, was als Kulturgut klassifiziert worden ist, bleibt erst einmal bis 2014 unentgeltlich in den Museen. Das hat der Bundestag 1994 so beschlossen.

Schwierig sind vor allem die Nachweise darüber, wo die Gegenstände aus dem Schloss Proschwitz und aus dem Schloss Siebeneichen nach dem Krieg hingekommen sind.

Aufschluss über das ehemalige Inventar des Schlosses Proschwitz können zum Beispiel fast ausschließlich Zeitzeugen geben. Im Fall Lippe existiert nicht einmal mehr das Schlossarchiv.

Entsprechend schwierig ist es, nachzuweisen, ob Gegenstände der Familie zur Lippe gehören oder auf anderen Wegen ins Museum gekommen sind.

Die Museumsleute identifizieren die Kunstgegenstände zum Beispiel anhand von Fotos oder eingebrannten Stempeln. „Alle Sachen, die man eindeutig zuordnen konnte, haben wir schon an den Prinzen zurückgegeben“, sagt Meißens kommissarische Museumschefin Martina Fischer. „Ich weiß nicht, was alles noch da ist. Wenn der Prinz mehr Belege bringt, geben wir die Sachen auch heraus“, sagt sie. Viel sei da aber nicht mehr zu holen. Das meiste sei gar nicht im Meißner Museum gelandet.

Laut Kimme besteht für jeden Betroffenen ein generelles Recht auf Einsicht in die Inventarliste.