merken
PLUS

Meißen steckt die Nase ins Buch

Organisator Walter Hannot sieht im Literaturfest eine Gelegenheit, die Stadt neu zu entdecken.

Herr Hannot, werden Sie heute Abend noch in ein Buch schauen. Oder reicht es jetzt?

Walter Hannot rief vor sechs Jahren das erste Literaturfest in der Stadt ins Leben. Er ist Chef des Kulturvereins. Foto: CH
Walter Hannot rief vor sechs Jahren das erste Literaturfest in der Stadt ins Leben. Er ist Chef des Kulturvereins. Foto: CH

Den Abend heute lasse ich bei diesem Wetter sicherlich irgendwo draußen bei einem Glas Wein ausklingen, lasse das Literaturfest einfach nur nachhallen. Auch wenn ich fast täglich zu einem Buch greife, für dieses Wochenende bin ich erst mal bestens ausgefüllt mit vielen neuen Gedanken, Themen und Lesestoffen.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Welches Gefühl nehmen Sie aus den vier Tagen Literaturfest mit?

Unser Literaturfest hier in Meißen ist ja weit mehr als nur ein Lesefest. Es ist ein Fest für alle Sinne, bei dem das Vorgelesen-Bekommen im Mittelpunkt steht, insgesamt aber nur ein Teil des Festes ausmacht. Jenseits des Lesestoffes selbst lebt es von der einmaligen Kulisse und Atmosphäre vieler Lesungen, den Vorlesern und ihren Biografien und Temperamenten, vom Bischof bis zur Stadträtin, vom Ex-Minister bis zu den Schülern, vom Autor bis zur alten Dame aus der Nachbarschaft.

Wie würden Sie das Publikum des Literaturfestes charakterisieren?

Das Publikum besteht ja immer aus einer sehr gelungenen Mischung von Einheimischen und Gästen aus nah und fern, die häufig speziell wegen des Literaturfestes kommen. Die Atmosphäre ist sehr entspannt, die gelegentlich allein schon wetterbedingten Improvisationen am Leseort sind nie ein Problem. Ein Gast charakterisierte die Atmosphäre dahingehend, dass die Altstadt zur Entschleunigung einlade. Und wenn man dann beispielsweise einem Programmpunkt am Tuchmachertor zuhöre, bekomme man plötzlich einen Blick für die zahlreichen Details an den Häusern, in den Gärten, Details, die selbst dem schlendernden Touristen sonst kaum auffallen.

Gab es eine Lesung, die Ihnen besonders nahe gegangen ist?

Atmosphärisch sehr dicht empfand ich die Lesungen „Prozesse, die die Welt bewegten“ von Heinz Eggert, konkret zu Prozess, Verurteilung und Tod der Mata Hari. Denn selbst aus den behördlich-nüchternen Texten ließ der Vorleser ein ganzes Leben im Raum erscheinen. Großartig! Bewegend empfand ich die Lesungen immer dann in besonderer Weise, wenn sich Thema und Vorleser ganz individuell verbanden, das Engagement des Vorlesers zugleich auch seine ganz spezielle Interpretation des Stoffes war. Und das hört sich dann ganz anders an als die Vorlesung eines Schauspielers oder des Autors selbst.

Was wird sich bei der nächsten Auflage des Lese-Spektakels ändern?

Wir werden das 6. Literaturfest gemeinsam auswerten und dann in die Planung für den 9. bis 12. Juni 2016 übergehen. Vielleicht ist es ja auch möglich, in enger Abstimmung mit Stadtmarketing, Veranstaltungskalender und Marketing-GmbH bereits im zeitlichen Vorfeld durch einzelne Lesungen an verschiedenen Orten zum eigentlichen Literaturfest hinzuführen.

Das Literaturfest wäre nicht möglich ohne …?

… die vielen ehrenamtlichen Helfer und Vorleser. Allen voran möchte ich den mehr als 30 Mitgliedern des Kulturvereins danken, die sowohl in der Organisation und Moderation wie auch als Vorleser unterwegs waren. Genau so sind aber auch die Mitveranstalter Stadt, Kunstverein und SZ zu nennen sowie Kulturraum und Kulturstiftung. Bei allem ehrenamtlichen Engagement, ohne materielle Unterstützung funktioniert ein eintrittsfreies Fest nicht, und da sind alljährlich Sparkasse, Schwerter-Brauerei, Oppacher Mineralquellen und VVO großartige Partner.

Das Gespräch führte Peter Anderson.