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So geht es im Triebischtal-Quartier voran

Die Häuserzeile gegenüber der Manufaktur nimmt langsam Gestalt an. Dabei wollte der Investor sie zwischenzeitlich schon wieder loswerden.

Corte Harmjanz hat die Häuser gegenüber der Porzellan Manufaktur in Meißen vor dem Verfall gerettet.
Corte Harmjanz hat die Häuser gegenüber der Porzellan Manufaktur in Meißen vor dem Verfall gerettet. © Claudia Hübschmann

Meißen. "Hier kommt ein kleiner Aufgang zur Sommer-Terrasse hin, da hinten ist die Küche." Wenn Corte Harmjanz von der eingeplanten Eisdiele schwärmt, vergisst man kurz, dass sich die Rauhentalstraße 2 bis 8 noch im Rohbau befindet. Auch ein Pächter hat sich noch nicht gefunden. Doch vor dem inneren Auge des Investors aus Pirna ist die Sanierung längst abgeschlossen und die Straße durch die neuen Geschäfte belebt. So fühlt sich ein Rundgang durch den Altbau gegenüber der Porzellanmanufaktur fast wie eine Wohnungsbesichtigung an - so detailreich kann Harmjanz erzählen, wo nun welches originalgetreue Fenster eingebaut wird und an welche Stelle des Lichtschachts welche Porzellankachel soll.

Lange soll es auch nicht mehr dauern und seine Vision schon im Herbst nächsten Jahres zur Realität werden. So ehrgeizig sind die Pläne des 66-Jährigen - obwohl um den dritten Bauabschnitt noch nicht einmal ein Gerüst aufgestellt wurde. Doch in den letzten Monaten ging es Schlag auf Schlag: Im Frühjahr kam die Baugenehmigung, kurz darauf wurde mit den Bauarbeiten begonnen. "Gott sei Dank noch vor Corona, sonst wäre das nichts geworden", erzählt Harmjanz erleichtert. Mit den Häusern der Rauhentalstraße 6 und 8 wurde begonnen, der Rest soll nach und nach folgen.

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Dass es bisher noch keine Interessenten für die Geschäftsräume im Erdgeschoss gibt, kann der Investor nachvollziehen. Schließlich sieht das Objekt auf den ersten Blick nur nach sehr viel Arbeit aus:  "Ab dem Moment, wo sie sehen, wie schön es hier wird, können sie sich das auch besser vorstellen." Je schneller, desto besser, denn noch lasse sich die Gestaltung der Geschäftsräume mitgestalten.

Am liebsten würde Corte Harmjanz den ganzen Lichtschacht mit Porzellankacheln ausstatten.
Am liebsten würde Corte Harmjanz den ganzen Lichtschacht mit Porzellankacheln ausstatten. © Claudia Hübschmann

Bei Harmjanz hat es auch eine ganze Weile gedauert, bis er das wahre Potenzial des Gebäudes erkannt hat. Denn bei einem vierstöckigen Haus sind Wohnungen ohne Fahrstuhl und Balkon nicht mehr zeitgemäß - beim Umbau eines denkmalgeschützten Objektes gestaltet sich das gar nicht so einfach. Zugeschlagen hat Harmjanz trotzdem, weil es ihn an ein ähnliches Objekt aus Magdeburg erinnerte. Da sei ihm bei seinen Sanierungsplänen auch wenig Optimismus entgegengeschlagen: "Ich dachte, wenn das dort geklappt hat, dann kann es auch hier etwas werden." 

Doch in Meißen gestalten sich die Dinge ein bisschen schwieriger als in der alten Heimat. Für die Räume fand er einfach keinen Ansatz und wollte das ersteigerte Haus eigentlich schon wieder loswerden. Der größte Knackpunkt: Wer das Geld für einen schicken Neubau hat, möchte nicht neben einer Ruine leben. Also kam Harmjanz die Idee das ganze Ensemble zu sanieren und so die komplette Häuserreihe vor dem Verfall zu retten. Selbst für einen erfahrenen Investor eine ganz schöne Hausnummer. 

Über zwanzig Wohnungen mit ganz unterschiedlichen Mietpreisen sollen hier entstehen.
Über zwanzig Wohnungen mit ganz unterschiedlichen Mietpreisen sollen hier entstehen. © Claudia Hübschmann

Insgesamt hat Harmjanz schon über zehn Großprojekte getragen, ausgerechnet sein erstes in Meißen entpuppte sich als seine größte Herausforderung. Einer, der sich der Rechtsanwalt voller Elan annimmt, denn Harmjanz hat sich in die Immobilie verliebt und alles bis ins kleinste Detail durchgeplant.

21 Mietwohnungen mit 50 bis 130 Quadratmetern sollen hier entstehen. Die sich beim Mietpreis jedoch stark voneinander unterscheiden werden: Manche Wohnungen lassen sich direkt über einen Aufzug erreichen, dementsprechend ist alles ebenerdig und altersgerecht. Dort kommen auch originalgetreue Fenster und Türen als Sonderanfertigung rein - in andere nicht. Die Unterschiede sollen sich bis zur Außenfassade durchziehen, die in seiner Verschiedenheit harmonieren soll. Geheizt werden soll mit einer Fußbodenheizung.

Auch im Erdgeschoss bleibt keine Frage mehr offen: Zumindest wenn es nach Harmjanz geht, soll ein Antiquitätengeschäft, ein Bäcker mit Café, zwei Büros, eine Damenboutique, ein Juwelier, eine Schauwerkstatt, ein Weinlokal und die besagte Eisdiele mit italienischer Küche einziehen. Für die Geschäftsräume möchte er regionale Einzelhändler gewinnen. Insgesamt möchte Corte Harmjanz mehr als fünf Millionen Euro investieren.

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Damit Harmjanz Vision komplett aufgeht, muss auch die Stadt mitspielen. Denn die Straßenfläche, die für die Zeit des Umbaus gesperrt wurde, möchte er nur ungern wieder hergeben: "Wir haben in den letzten Monaten den Beweis erbracht, dass der Verkehr trotzdem fließt", sagt Harmjanz. Auf der Freifläche sollen sich die neuen Geschäfte ausbreiten und ihren Gästen Sitzplätze im Freien anbieten können. Nur so komme Leben auf die Straßen, meint Harmjanz.

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