merken

Meißen vergrippt

Das Virus ist da. Schulen, Heime und Betriebe sind betroffen. Einige scheinen verschont zu bleiben. Warum?

Von Peter Anderson und Wolf Dieter Liebschner

Grippeviren kennen keinen Anstand. Selbst vor Schulleitern machen sie nicht halt. „Der Chef ist krank“, heißt es bei der Meißner Triebischtalschule. Am Telefon ist eine Vertretungslehrerin. Insgesamt fehlen Schülern zufolge krankheitsbedingt derzeit mindestens zehn Lehrer an der Schule. Auch mehr als ein Dutzend Jugendliche sollen betroffen sein. Ob bei allen Fällen tatsächlich eine Grippe – von den Fachleuten als Influenza A bezeichnet – vorliegt, lässt sich schwer nachweisen.

Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Der Begriff Grippe werde häufig auch beim Auftreten von grippalen Infekten, also Erkältung verwendet, heißt es aus dem Gesundheitsamt des Kreises. Die Folgen einer Erkältung ähneln denen einer echten Influenza, unterscheiden sich aber deutlich in Schwere und Verlauf. Eine wirkliche Grippe beginnt plötzlich mit Fieber über 38,5 Grad Celsius, mit einem schweren Krankheitsgefühl, trockenem Husten und starken Kopf-, Hals- und Gliederschmerzen. Im Meißner Landratsamt liegen zum Grippe-Verlauf derzeit vor allem Informationen aus Schulen, Altenheimen oder großen Kindertagesstätten vor. Wo viele Menschen eng miteinander in Kontakt kommen, steigt das Risiko sich anzustecken. In der dritten Woche des neuen Jahres habe es einen sprunghaften Anstieg um fast 50 Prozent der gemeldeten Fälle gegeben. Wie die Behörde informiert, wurden in einem Altenpflegeheim 32 erkrankte Bewohnern und nochmals 30 erkrankte Mitarbeiter registriert. Davon seien sieben Fälle mit Influenza A bestätigt. Bei den restlichen Erkrankten könne nicht mit Gewissheit gesagt werden, ob es sich um einen grippalen Infekt oder um eine richtige Influenza handele. Mit Rücksicht auf das Unternehmen bleibt der Name des Heimes ungenannt.

Bestätigt wird ein erhöhter Krankenstand von verschiedenen Betrieben. „Leider verzeichnen wir mehr erkrankte Mitarbeiter als sonst“, sagt die Personalchefin der Coswiger GFC Antriebssysteme GmbH Carolin Martin. Um die Produktion bei einer Grippewelle aufrecht zu erhalten, setzte das Unternehmen grundsätzlich auf Vorsorge. Dazu gehörten bei GFC ein betriebliches Gesundheitsmanagement, betriebsärztliche Vorsorgeuntersuchungen und Obstangebote in der Kantine. „2014 haben wir einen Gesundheitstag für unsere Mitarbeiter organisiert. Zu den Angeboten zählten verschiedene Kurse, Gesundheitschecks und auch Grippeschutzimpfungen. Die wurden von unserer Betriebsärztin durchgeführt“, so Martin weiter.

Das Meißner Kreisgesundheitsamt hält eine Impfung auch zu Beginn der Grippesaison weiterhin für günstig. Die Behörde verweist auf Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission. Die spreche sich dafür aus, Kinder ab dem sechsten Lebensmonat, Jugendliche und Erwachsene zu impfen. Auch wenn der empfohlene Impfstoff weniger wirksam gegen einen der enthaltenen Virustypen ist, sei eine Grippeschutzimpfung dennoch sinnvoll. Derzeit lägen keine Informationen darüber vor, dass entsprechende Impfstoffe nicht ausreichend zur Verfügung stünden, teilte das Landratsamt mit.

Wer von Grippe und Erkältungen bislang verschont geblieben ist, führt die verschiedensten Begründungen an. Entwarnung kommt zum Beispiel aus dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth. „Alle bei uns sind putzmunter“, sagt Pressesprecher Martin Junge. Was vielleicht daran liegen könnte, dass Weinbau zumeist mit Arbeit an der frischen Luft verbunden ist.

„Aktuell haben wir im Teehaus keine Grippefälle“, sagt Werkleiter Joachim Schacht, ebenfalls in Radebeul. Er klopft dabei auf Holz. „Ich hoffe, dass das so bleibt, wir haben alle Hände voll zu tun.“ Ohnehin gebe es in einem Lebensmittelbetrieb strenge Regeln für Hygiene und Gesundheitsvorsorge, so Schacht .

„Vor jedem Betreten der Produktionsräume sind die Hände zu desinfizieren. Und bei einer Infektion muss der Arzt aufgesucht werden. Da darf kein Mitarbeiter hier tätig sein.“ Zur Gesundheit trage ebenfalls das gute Betriebsessen bei. „Es wird von unserer Köchin täglich frisch zubereitet, enthält viel Gemüse und ist vitaminreich“, sagt Joachim Schacht.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.