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"Weinfest als Dankesfest feiern"

Stadträtin Ute Czeschka sieht in der Corona-Krise eine Chance, das Meißner Weinfest zu überarbeiten.

Regt einen Weinfestausschuss an, um die Organisation auf mehr Schultern zu verteilen: Stadträtin Ute Czeschka möchte die Großveranstaltung im September umgestalten.
Regt einen Weinfestausschuss an, um die Organisation auf mehr Schultern zu verteilen: Stadträtin Ute Czeschka möchte die Großveranstaltung im September umgestalten. © privat

Frau Czeschka, Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich sind, sollen mindestens bis Ende Oktober 2020 nicht stattfinden. Gehen Sie davon aus, dass unter diese Regelung auch das Meißner Weinfest fallen wird?

So wie unser bisheriges Weinfest konzipiert ist, sehen wir von den Bürgern für Meißen keine Vereinbarkeit mit den gestellten Hygieneauflagen für Großveranstaltungen. Die Gesundheit der Besucher sollte uns wichtig sein, sodass wir freiwillig über Alternativen nachdenken sollten, unabhängig davon, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen unser Format prinzipiell gestatten würden.

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Sehen Sie mögliche Alternativen?

In jeder Krise liegt auch eine Chance. Wir sollten diese nutzen, um gemeinsam mit unseren Winzern, dem Weinbauverband, den Partnern des Weinfestes, aber auch mit all unseren Kunst- und Kulturschaffenden jetzt an Alternativen zu arbeiten und nicht weiter darauf hoffen, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen es uns erlauben, im ursprünglichen Sinne doch noch irgendwie zu feiern. Ich hatte bereits im April im Sozial- und Kulturausschuss nachgefragt, ob sich das Stadtmarketing beziehungsweise der Gewerbeverein Gedanken zu einer Alternative macht. Damals hat man mich belächelt, da man fest davon ausging, dass nach dem 31. August  wieder alles möglich sein wird. Nun haben wir leider kostbare Zeit verloren, sollte der Gewerbeverein nicht doch bereits in den vergangenen Wochen schon daran gearbeitet haben.

Wie könnte Ihrer Ansicht nach ein Weinfest in Corona-Zeiten aussehen?

Da wir keinen Eintritt nehmen, können wir das Weinfest prima dezentral organisieren und dabei die Weingüter, die Besenwirtschaften, die Klosterruine, die charmanten Höfe, Gärten, Cafés und Weinläden in der Innenstadt einbeziehen. Unsere Meißner Künstler und Musiker könnten das Fest wunderbar bereichern. Ich sehe darin eine Chance, das Weinfest in seinem ursprünglichen Sinne als Dankesfest an unsere Winzer zu feiern. So könnten wir auch auf die Kritik, die sich in den letzten Jahren zu einigen Aspekten des Weinfestes ergeben hat, reagieren und unser Weinfestkonzept vielleicht auch als dauerhafte Lösung überarbeiten. Denn die Gewinner der aktuellen Krise sind alle jene, die wandlungs- und anpassungsfähig sind.

Wer soll das organisieren?

Ich rege dazu kurzfristig einen Weinfestausschuss an, in dem neben dem Gewerbeverein und dem Stadtmarketing auch Winzer, Künstler und engagierte Meißner Bürger mitarbeiten sollten. Gern bringen wir uns als Bürgerinitiative Bürger für Meißen und als Stadträte dieser Fraktion kurzfristig mit all unserem Know-how in diesen Prozess mit ein.

Welche Folgen hätte eine Absage Ihrer Ansicht nach?

Ich würde das Weinfest wie oben skizziert nicht absagen, sondern gern mit all den kreativen Köpfen unserer Stadt zusammen eine schöne Alternative erarbeiten, die überregional für Strahlkraft sorgt und sicherstellt, dass wir als Stadt nicht auf die Besucher aus nah und fern nicht verzichten müssen und die Winzer nicht auf ihr wichtigstes Fest und ihren guten Weinabsatz. Weitere Weinfestpartner und Schausteller sollten konzeptionell natürlich auch bei diesem alternativen Konzept mit eingebunden werden, da wo es sinnvoll und nötig ist.

Woher soll das Geld für diesen  organisatorischen Aufwand kommen?

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