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Meissener Fisch-Geschirr für Kastenmeier

Die Manufaktur stellt mit dem Promi-Koch in Dresden ihr neues Service vor und sagt, wie sie durch die Corona-Krise kommt.

Meissen-Chef Tillmann Blaschke (links) liefert mit Blue Treasures ein neues Service, das genau auf die Bedürfnisse von Gourmet-Koch und Fischrestaurant-Chef Gerd Kastenmeier zugeschnitten ist.
Meissen-Chef Tillmann Blaschke (links) liefert mit Blue Treasures ein neues Service, das genau auf die Bedürfnisse von Gourmet-Koch und Fischrestaurant-Chef Gerd Kastenmeier zugeschnitten ist. © René Meinig

Dresden/Meißen. Gerd Kastenmeier muss es wissen. Seit rund acht Jahren arbeitet der Gourmet-Koch in seinen Restaurants mit dem von Ex-Manufaktur-Chef Christian Kurtzke als revolutionär gefeierten Meissen-Service Cosmopolitan. Obwohl das Geschirr jeden Tag - mitunter mehrfach - durch den Spüler wandert, glänze es wie neu, sagt der 51-Jährige. Diese Qualität überzeugt. Deshalb hat er sich jetzt entschieden, 160 Teile des allerneusten Services aus dem Traditionshaus zu kaufen. Am Montagmittag wurde es mit feinen Fischgängen im Kastenmeiers vorgestellt.

Tatsächlich passt das in vier verschiedenen Varianten erhältliche und einmal mehr auf der Grundform von Cosmopolitan basierende Geschirr in das Fischrestaurant im Dresdner Taschenbergpalais wie wohl kaum in ein anderes Feinschmeckerlokal. Den von Kastenmeier geliebten Hummer gibt es jetzt nicht nur auf dem Teller zu essen, sondern gleichzeitig unter einer feinen Glasur kunstvoll auf Porzellan gebracht als zusätzlichen Hingucker. Zur Auswahl stehen darüber hinaus die Motive Seepferdchen, Fisch und Muschel. Sie gehen auf Entwürfe des Manufaktur-Künstlers Otto Eduard Voigt von Ende des 19. Jahrhunderts zurück.

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Eine Werbe-Kampagne mit maritimen Motiven unterstützt den Markteintritt des neuen Meissen-Geschirrs. Gerd Kastenmeier hat für sein Fischrestaurant im Dresdner Taschenbergpalais 160 Teile geordert. 
Eine Werbe-Kampagne mit maritimen Motiven unterstützt den Markteintritt des neuen Meissen-Geschirrs. Gerd Kastenmeier hat für sein Fischrestaurant im Dresdner Taschenbergpalais 160 Teile geordert.  © Meissen
Vier verschiedene Motive können gewählt werden: Hummer, Muschel auf Algen, Seepferdchen oder Fisch. Der preiswerteste Teller kostet 129 Euro. Das Angebot ist deutlich preiswerter als bei der Konkurrenz.
Vier verschiedene Motive können gewählt werden: Hummer, Muschel auf Algen, Seepferdchen oder Fisch. Der preiswerteste Teller kostet 129 Euro. Das Angebot ist deutlich preiswerter als bei der Konkurrenz. © Meissen
Blue Treasures wird in aufwendiger Handmalerei und Unterglasurtechnik produziert. Die Grundform stammt vom Service Cosmopolitan. Das Geschirr ist stapelbar, spülmaschinenfest und für Mikrowelle geeignet. 
Blue Treasures wird in aufwendiger Handmalerei und Unterglasurtechnik produziert. Die Grundform stammt vom Service Cosmopolitan. Das Geschirr ist stapelbar, spülmaschinenfest und für Mikrowelle geeignet.  © Meissen

Wichtig für Meissen-Puristen und Verteidiger der Tradition: Nach Angaben von Vertriebsleiter Tassilo Speler handelt es sich bei der Malerei auf dem neuen Service um reine Handarbeit und nicht das sogenannte Handdruckverfahren. Auf seinem Tablett zaubert der Meissen-Manager schnell ein Werbebild herbei, das in verknappter Form den Produktionsablauf illustriert. Zunächst wird per Hand die Form des Hummers auf das Porzellan skizziert. Anschließend bleibt es der Kunstfertigkeit der Porzelliner überlassen, mit unterschiedlichen Nuancen der Grundfarbe Blau hellere und dunklere Töne enstehen zu lassen, die nach dem Brand unter der durchsichtigen Glasur ein ausgesprochen plastisch wirkendes Bild entstehen lassen.

Bis zu 90 Minuten braucht es, bis ein Unterglasurmaler ein solches Unikat hergestellt hat. Dass der Einstiegspreis für den Teller Blue Treasures trotzdem bei nur 129 Euro liegt, nennt Speler einen deutlichen Vorteil gegenüber Mitbewerbern wie dem französischen Luxus-Giganten Hermès. Ein Hintergedanke bei der Preisgestaltung dürfte sein, mit solchen Angeboten eine jüngere Kundschaft an das Weiße Gold aus Sachsen heranzuführen und das Service auch für den Online-Handel über die hauseigene Plattform attraktiv zu machen. Vertriebsmann-Speler zufolge sind die ersten Rückmeldungen der Händler ermutigend. Alle Business-Kunden, denen er die neue Schiene in den letzten Wochen vorgestellt habe, hätten geordert.

Promi-Koch Gerd Kastenmeier übernimmt die Vorreiterrolle für Dresden. Von allen vier Motiven hat er je 40 Stück bestellt. Macht insgesamt 160 Teile. Zum Einsatz kommen sollen sie inbesondere bei den wieder ab August anstehenden Überraschungswochen. Bis Oktober werden im Kastenmeiers dann auf den Blue-Treasures-Tellern täglich wechselnde Vier-Gänge-Überraschungsmenüs serviert. Diese sind zudem Bestandteil eines Hotelarrangements, welches nach Dresden und zu einem Besuch in der Porzellan-Manufaktur einlädt. Sein Haus verbinde mit Meissen vor allem der Manufakturgedanke. Ähnlich wie im Triebischtal werde auch in der eigenen Küche sorgfältig mit der Hand gearbeitet. Und das Auge esse ja bekanntlich mit.

Kurzarbeit liegt bei 20 Prozent

Für Meissen-Geschäfsführer Tillmann Blaschke liefert der Termin in Dresden den Anlass, einen kurzen Überblick über die Lage in seinem Unternehmen zu geben. Die Corona-bedingte Kurzarbeit liege aktuell bei rund 20 Prozent der nach dem Stellenabbau Anfang des Jahres verbliebenen 460 Mitarbeiter. Der Betrieb fahre derzeit "auf Sicht". Er hielte es für unangebracht, aus der aktuellen Ausnahmesituation strategische Schlüsse für die Zukunft abzuleiten. Entscheidend sei, wie sich das Kaufverhalten der Endkunden entwickele, aber auch, ob alle Händler die Pandemie überstünden. Nach Angaben des 57-Jährigen macht der Anteil des auf internationalem Tourismus beruhenden Umsatzes rund ein Drittel des Jahresgeschäftes aus.  In diesem Bereich dürften die Ausfälle mit am stärksten ausfallen.

Die aktuelle Entwicklung stellt für die Porzellanmanufaktur eine besondere Herausforderung nach sehr schwierigen Jahr dar. Das Unternehmen schloss das Geschäftsjahr 2018 mit einem erheblichen Minus von knapp neun Millionen Euro. Der Umsatz blieb mit rund 37 Millionen Euro laut Bilanz elf Prozent hinter den Erwartungen zurück. Es handelte sich um das siebente hohe Jahres-Minus in Folge. 

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Geschäftsführer Tillmann Blaschke betonte nach der Veröffentlichung der Bilanz, dass dieses Ergebnis in einen größeren Rahmen eingeordnet werden müsse. Der Meissen-Chef ist für eine grundlegende Analyse die Zahlen der Jahresabschlüsse der Manufaktur in den Jahren seit der Wende durchgegangen. Seine Einschätzung: Über drei Jahrzehnte hinweg seien die Prognosen größtenteils zu optimistisch ausgefallen und regelmäßig von der tatsächlichen Lage auf dem Porzellanmarkt überholt worden. 

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