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Meißens älteste Gaststätte

Der Domkeller hat sein 550-jähriges Bestehen gefeiert. Und das nächste Jubiläum ist schon in Sicht.

Karsten Müller ist Chef in Meißens ältester Gaststätte - und hier einer der dienstältesten Pächter.
Karsten Müller ist Chef in Meißens ältester Gaststätte - und hier einer der dienstältesten Pächter. © Claudia Hübschmann

Meißen. Eine Beschwerde ist das Zeugnis – für die erste urkundliche Erwähnung. Sie stammt aus dem Jahr 1470. Der Meißner Rat wandte sich an den Dresdner Hof, weil „verbotener weise hin und wieder fremde Gebräue ausgeschenkt werden“. Dieses Schriftstück gilt als Beleg dafür, dass der Domkeller Meißens älteste Gaststätte genannt werden darf.

Das urkundlich belegte 550-jährige Bestehen des Domkellers wurde am vergangenen Wochenende mit einem besonderen Menü gefeiert. In fünf Gängen konnten sich die Gäste durch fünf Jahrhunderte hindurch kosten, berichtet Domkeller-Chef Karsten Müller. Zwischen den einzelnen Gängen tauchten der Alchimist und Erfinder des Meissener Porzellans Johann Friedrich Böttger und Musikanten auf.

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Karsten Müller hat die Geschichte seines Domkellers recherchieren lassen. Dabei kamen immer wieder Beschwerden – die Sorten des auf dem Burgberg ausgeschenkten Bieres ebenso betreffend wie den Preis für einen Krug Bier – zum Vorschein. Und nach dem, was bei den Recherchen zur Historie des Domkellers zusammengetragen wurde, kann Karsten Müller sich einen der dienstältesten Wirte im Domkeller nennen.

Am 1. Januar des nächsten Jahres ist es ein Vierteljahrhundert her, dass er gemeinsam mit seiner Frau die Gaststätte übernahm, als Pächter des Hochstifts Meißen. Das Haus, das nur acht Meter breit, aber vom Keller bis zum Dach 35 Meter hoch ist, war schon immer Eigentum der Kirche. Ursprünglich hatte es den Glöckner beherbergt, der dort auch ein Schankrecht erhalten hatte, berichtet Karsten Müller über die Anfänge des Domkellers im Mittelalter.

Johann Friedrich Böttger – dargestellt vom Schauspieler Christian Hoppe – gab sich am vergangenen Wochenende im Domkeller die Ehre.
Johann Friedrich Böttger – dargestellt vom Schauspieler Christian Hoppe – gab sich am vergangenen Wochenende im Domkeller die Ehre. © privat

Sächsische Gemütlichkeit

Die Historie und die Lage auf dem Burgberg – das sind die Pfunde mit denen Karsten Müller und sein 18-köpfiges Team wuchern kann. Stammgäste und Besucher, die hierher kommen, um die Wiege Sachsens, die Albrechtsburg und den Dom in Augenschein zu nehmen, schätzen die sächsische Gemütlichkeit, die das Haus in seinen verschiedenen Gasträumen und zwei Terrassen ausstrahlt. Die Einrichtung der einzelnen Zimmer, zum Teil in Sächsisch verfasste Speisekarten und immer wieder neue Ideen sollen dazu beitragen.

Zu den kulinarischen Offerten gehört auch ein Menü-Spaziergang, bei dem Meißen auf besondere Weise erlebbar wird: „Die vier Gänge bekommen die Gäste an verschiedenen Orten serviert, zu denen sie spazieren“, erläutert der 57-Jährige, der neben dem Domkeller auch das Café am Dom und den Ratskeller am Markt betreibt.

In den vergangenen Jahren hat er ein Domherrenzimmer einrichten lassen. Rustikales Ambiente und Bilder von Meißner Domherren an den Wänden. Nicht nur er, sondern auch seine Mitarbeiter im Restaurant können den Gästen Auskunft geben. Überhaupt ist Karsten Müller sehr stolz auf sein Team. 

Vier Auszubildende gehören dazu. Seit 1996 bildet er junge Leute zu Köchen und Restaurant-Fachleuten aus, was angesichts des Nachwuchs-Problems in der Gastronomie an Bedeutung gewinnt.

Vorbereitungen für das nächste Jubiläum

Gemeinsam versuchen sie im Domkeller nun auch, die Ausfälle der Wochen der Corona-bedingten Schließungen auszugleichen. Dass in diesem Sommer offenkundig viele ihren Urlaub in Deutschland verbringen, hilft der Gastronomie auch in Meißen, sagt Karsten Müller. Alle Verluste werden sie aber nicht wettmachen können. 

Karsten Müller hofft auf Familienfeiern, zum Beispiel im Herbst, wenn die im Frühjahr ausgefallenen Jugendweihen stattfinden, oder Weihnachtsfeiern. Aber das hängt auch von der weiteren Entwicklung der Pandemie und der daraus resultierenden Verordnungen der Behörden ab.

 Im Durchgang zur Terrasse hat Karsten Müller ein Foto aufgehängt. Es dokumentiert eine Aktion der Meißner Gastronomen im Juni dieses Jahres, mit der sie das Ende der Gaststättenschließungen gefordert hatten.

„Dieser Tisch ist reserviert – für ihre Gesundheit“. So steht es auf Aufstellern auf einigen Tischen, um die Abstandsregeln in den einzelnen Gasträumen einzuhalten. Klar, dass Karsten Müller und seine Mitarbeiter auf einen langen Sommer hoffen, um den Gästen einen Platz außerhalb der Gasträume, auf einer der beiden Terrassen anbieten zu können. 

Die Gastronomie-Branche wird sich in den nächsten Jahren wohl mehr einfallen lassen müssen, um die Menschen für einen Besuch im Lokal zu begeistern. Essen außer Haus oder zusätzliche Offerten wie der Verkauf eigener Produkte könnten zur Stabilisierung der Umsätze beitragen, sagt er.

Für die Jubiläumsfeierlichkeiten im kommenden Jahr hat Karten Müller schon erste Ideen. Im Januar oder Februar ist ein Festabend geplant. Im April soll es eine Festwoche geben. Und im Sommer 2021 wird sein Chefkoch Jan Bormann ein besonderes Menü kreieren. Das ist die Kür. 

Über den Eindruck, die Gäste vom Besuch im Domkeller haben, entscheiden alle Mitarbeiter, in der Küche ebenso wie in den Gaststuben und auf den Terrassen. An jedem Tag – auch, damit es keine Beschwerden gibt.

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