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Meißens dienstältester Inder

Munish Kumar aus dem Punjab entdeckte vor 15 Jahren die Domstadt. Morgen eröffnet er hier sein eigenes Restaurant.

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Von Karin Domann

Wie kommt einer von Nordindien nach Meißen? Munish Kumar erzählt in weichem sächsischen Tonfall, dass seine Liebe zu Bollywood-Filmen daran schuld war. Die aufwendig gestalteten indischen Schmonzetten werden oft vor idyllischer Kulisse in Europa gedreht. Je öfter der junge Munish daheim im Punjab diese opulenten Liebesdramen anschaute, umso mehr entwickelte sich für ihn der alte Kontinent zu einem Ort der Sehnsucht.

Ein paar Bekannte von ihm lebten damals im brandenburgischen Finsterwalde und hatten sich dort eine Existenz aufgebaut. Als diese ihn zu sich einluden, zögerte Munish Kumar nicht lange und kam nach Deutschland. Bei einem Ausflug nach Meißen hatte er sofort ein Auge für den Liebreiz der Stadt. Bereits am ersten Abend in der Domstadt verdrehte ihm ein Meißener Mädel den Kopf. Er beschloss, zu bleiben. „Das ist jetzt über 15 Jahre her“, resümiert der Vater eines 13-jährigen Sohnes.

Das Bleiben ist ihm leicht gemacht worden. Von Anfang an hatte er zu Meißenern aus allen Altersgruppen und sozialen Gefügen einen guten Draht. „Ich habe so gut wie nie Ausgrenzung oder Diskriminierung erlebt“, sagt der Wahlmeißener. „Egal ob bei der Arbeit, auf dem Ausländeramt oder beim Arzt. Die meisten Leute sind sehr nett zu mir und helfen, wo sie konnten.“ Wer Munish Kumar kennenlernt, erahnt schnell, warum er im Meißen so schnell heimisch werden konnte. Seine bedingungslose Liebe zur Stadt und seinen Einwohnern, sein Fleiß und sein Humor tragen dazu bei, dass man ihn einfach mögen muss.

Darauf angesprochen, warum er sich für den dienstältesten Inder in der Stadt hält, erzählt er: „Am Anfang waren wir noch mehrere Inder hier. Die zogen es aber vor, nach Bayern zu gehen, weil es dort mehr zu verdienen gab.“ Munish Kumar hatte ebenfalls Angebote, aber er zog es vor, in der Stadt zu bleiben. „Meißen ist meine Heimat, ein Weggehen ist für mich nicht in Frage gekommen. Trotzdem ist es schade, dass ich der einzige Übriggebliebene bin“, bedauert er.

In seinen ersten Jahren hat Munsih Kumar in verschiedenen Gaststätten gearbeitet. Seitdem träumt er von einem eigenen Restaurant. Um diesen Traum zu verwirklichen arbeite er die letzten drei Jahre als Auslieferer von indischen Waren in ganz Sachsen und Brandenburg. „Ein Knochenjob, bei dem ich oft mehr als zwölf Stunden auf der Straße war“, berichtet er. „Aber dadurch konnte ich genug Geld zusammensparen, um endlich mein eigenes Lokal zu eröffnen.“

Gefunden hat er es etwas außerhalb der Meißener Altstadt, in der Meisastraße. Dort stand die ehemalige Gaststätte „Am Burgberg“ zur Vermietung. Sein Restaurant nennt er „Holi“: „So heißt eines unserer schönsten Feste. Es findet im Frühjahr statt und wird auch Fest der Farben genannt“, erklärt er. Dabei bewerfen sich die in weiße Gewänder gekleideten Teilnehmer gegenseitig mit vielen Farben, so dass sie alle am Ende ganz bunt aussehen. Dieses Ritual soll die Unterschiede zwischen Alt und Jung, hohen und niedrigen Kasten während des Festes aufheben. Morgen, am 27. März, wird das „Holi“ offiziell eröffnet.