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Meißens letztes Herrenhaus nicht mehr zu haben

Das Haus des Meißner Ex-OBs auf der Freiheit hat neue Eigentümer. Die wohnen schon dort – und haben viele Pläne.

Von Anna Hoben

Sie konnten nur gewinnen: Kurz nach ihrem Einzug gingen Martin Lehmann und seine Frau Stephanie Bogin mit selbst gebackenen Keksen in der Nachbarschaft von Haus zu Haus. Sie ist Amerikanerin und hatte Cookies gemacht, mit Schokoladenstückchen drin.

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Seit April wohnt das Paar mit Lehmanns achtjährigem Sohn im Domherrenhaus auf der Meißner Freiheit Nummer 6. Beide sind von Beruf Restauratoren und haben das Haus schon Anfang 2012 erworben. Die erste Etage ist bereits komplett saniert, hier sind die Privatwohnung der Familie und das gemeinsame Büro untergebracht. Die übrigen Etagen werden jetzt ausgebaut; jeweils zwei Miet- und Ferienwohnungen sollen entstehen. Alles nach und nach, wie die Finanzen es zulassen – und die Zeit. Denn außer Elektrik und Heizung machen die neuen Eigentümer das meiste selber. „Und bei einem solchen Objekt sollte man nichts überstürzen“, sagt Martin Lehmann.

Das herrschaftliche Haus mit etwa 700 Quadratmetern Wohnfläche hatte zuvor jahrelang leer gestanden. Es gehörte einst der Familie des ehemaligen Meißner Oberbürgermeisters Thomas Pohlack, der dort allerdings nie wohnte. Wegen des Kaufpreises in den 1990er-Jahren, Vorwürfen der Kungelei und umstrittener Fördermittelzahlungen war das Denkmal-Objekt wiederholt in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt hatte eine Dresdner Maklerin die Immobilie für 330 000 Euro angeboten.

Ein Rundgang mit dem neuen Eigentümer. Der Gebäudeteil mit dem Fachwerk ist bei einer Untersuchung auf das Jahr 1347 datiert worden. Vor Kurzem hat die Familie dort einen Adventsstern aufgehängt. „Wir wollen zeigen, dass hier wieder jemand wohnt“, sagt Lehmann und lächelt. Die andere Hälfte des Gebäudes kam in der Renaissance dazu.

Martin Lehmann stammt aus Chemnitz und hat in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste studiert. Mit seiner Frau hat der 38-Jährige sich auch beruflich zusammengeschlossen. Während sie oft im Ausland unterwegs ist, arbeitet er zurzeit an der Restaurierung der Kapelle von Schloss Colditz bei Grimma mit. In Dresden  war er zuletzt an den Arbeiten im Zwinger beteiligt.

In der Freizeit wird dann an der eigenen Baustelle in Meißen weitergewerkelt. „Wir haben vor allem den vergangenen Winter genutzt“, sagt der neue Hausherr. Als die erste Etage schließlich fertig war und es an die Einrichtung der Wohnung ging, verkaufte das Paar erst einmal seine Ikea-Möbel. „Wir haben gemerkt, die Sachen passen hier einfach nicht rein.“ Fortan stöberten sie nach passenden Antikmöbeln.

Im Eingangsbereich sind noch wahre Schätze zu entdecken, zum Beispiel Wandmalereien. Um sie freizulegen, will Lehmann Fördermittel beantragen. „Ansonsten bleiben sie erst einmal unter dem Putz bewahrt.“ An der Decke deutet sich außerdem ein Wappenfries an – ein Hinweis auf den ursprünglichen Besitzer.

Projekt zweite Etage

Aus dem Wohnbereich heraus: ein atemberaubender Blick auf Dom und Burgberg. Als Nächstes bauen sie die zweite Etage aus: Schon im Juni soll die Wohnung fertig sein, dann wird ein Mieter gesucht. Der Grundriss gleicht dem im ersten Stock, nur der Blick ist vielleicht noch besser. „Wir sind auch schon ein bisschen neidisch“, sagt Martin Lehmann. Auch im Erdgeschoss soll eine Mietwohnung mit zwei Räumen entstehen. Dazu sollen zwei Ferienwohnungen kommen, „mit höherem Standard“.