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Meißen

Das ist Meißens neuer Förster

Der Wald durchlebt im Moment eine Jahrhundertkatastrophe. Trotzdem ziehen im Forstrevier nicht alle an einem Strang.

Thomas Nikol ist der neue Förster im Revier Meißen. Ursprünglich stammt er aus Löbau.
Thomas Nikol ist der neue Förster im Revier Meißen. Ursprünglich stammt er aus Löbau. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Wachwechsel im Forstrevier Meißen. Nachdem Ronald Ennersch die Leitung des Wildgeheges in Moritzburg übernommen hat, wurde seine Stelle als Revierförster frei. Übernommen hat die Aufgabe der 42-jährige Thomas Nikol.

Bisher war er in einem privaten Forstplanungsbüro in Kesselsdorf und später in einem großen Sägewerk in Torgau tätig. Als die Stelle bei Sachsenforst im Winter vergangenen Jahres ausgeschrieben wurde, ergriff der studierte Forstwirtschaftler die Chance. „Aus persönlichen Gründen wollte ich gern wieder als Förster arbeiten. 

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Außerdem gefällt mir das Revier. Es ist sehr vielfältig. Während beispielsweise im Bereich Coswig eher Kiefern zu finden sind, gibt es im Meißner Stadtwald mehr Eichen und Buchen“, beschreibt Thomas Nikol den Reiz seines Reviers. Alles in allem umfasst es 4275 Hektar und reicht von Dresden-Cossebaude bis Nossen sowie von Lommatzsch über Diera-Zehren bis hin nach Weinböhla, Coswig und Radebeul.

Viel Arbeit und jede Menge Herausforderungen warten auf den neuen Förster. So sagte erst kürzlich der Forstwissenschaftler Prof. Andreas W. Bitter von der TU Dresden in der MDR-Radiosendung „Dienstags direkt“, dass es seit 2017 in den deutschen Wäldern eine Abfolge von Schäden gegeben habe, wie sie vorher kaum aufgetreten sind. „Wir erleben gerade eine Jahrhundertkatastrophe“, sagte Professor Bitter.

Thomas Nikol kann dieser Aussage mit Blick auf den Wald in der Region Meißen nur zustimmen. „Das ist leider so. Die Bäume haben sich noch nicht von der großen Trockenheit im Vorjahr erholt. Vor allem Fichten, aber zunehmend auch Kiefern und Lärchen sind davon betroffen“, sagt der 42-Jährige. Um zu verdeutlichen, wie groß das Problem ist, wählt er ein anschauliches Bild.

„Das 2018 entstandene Defizit könnte eigentlich nur ausgeglichen werden, wenn es permanent Temperaturen um die 14 Grad geben und fast täglich ein ausgiebiger Landregen niedergehen würde.“ Weil beides nicht in Sicht ist, kommt es zu einer Art Kettenreaktion. „Ohne das nötige Wasser produzieren die Bäume weniger Harz und können sich so schlechter gegen den Borkenkäfer schützen.“ Auch dieser sorge derzeit für massive Schwierigkeiten.

„Im Meißner Stadtwald sterben deshalb die Fichten. Man kann den Kampf gegen den Borkenkäfer nicht vollkommen gewinnen, aber es ist möglich, seine Ausbreitung einzudämmen.“ An bestimmten Stellen würden daher kranke Bäume gefällt und abtransportiert, erklärt der Förster. 

Allerdings gebe es gerade bei diesem Punkt aktuell ein Problem mit einigen der 3300 Waldbesitzer. „Es ziehen nicht alle an einem Strang. Wenn wir in einem Waldstück kranke Bäume beseitigen und in einem anderen Waldstück nebenan die geschädigten Bäume stehen bleiben, dann bringt das insgesamt nicht viel.“

Wichtig ist die Zusammenarbeit der Waldbesitzer auch wegen möglicher Waldbrände. Angesichts von sechs Waldbränden, die es zu Ostern allein an der Hohen Eifer in Meißen gegeben hat, sei dies aus Gründen des Brandschutzes geboten.

 „Es gibt Waldwege, wo 50 Waldbesitzer zuständig sind. Die Feuerwehr hat sich beschwert, dass häufig Bruch- und Wurfholz nicht weggeräumt wird und sie im Brandfall nicht schnell und nah genug an die Brandstelle herankommt.“

Die hohen Temperaturen, die diese Woche in der Region Richtung 40-Grad-Marke steigen, spielen für die Brandgefahr im Wald übrigens nicht die Hauptrolle. „Sieht man mal von Blitzeinschlägen ab, ist es selten, dass sich etwas entzündet. In der Regel ist der Mensch an den Bränden schuld“, sagt der 42-Jährige.

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