SZ +
Merken

Meißens OB will den Streit entschärfen

Stadtumbau. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens hat der Mieterverein zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Teilen
Folgen

Von Jürgen Birkhahn

Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) sagte es in der Podiumsdiskussion unmissverständlich: Wenn im Rahmen des Stadtumbaus ein Rückbau von Wohnraum erfolgen muss, dann von außen nach innen. Im Klartext: Zuerst muss der Block am Albert-Mücke-Ring abgerissen werden. Seit langem schwelt ein Streit zwischen dem kommunalen Vermieter und vier Familien, die jetzt noch in dem Block wohnen. Sie wollen nicht raus, fühlen sich überrumpelt und von der Stadt im Stich gelassen. So erntete Raschke für seine Worte auch wenig Beifall.

Woanders läuft das offenbar besser, sagt Rosmarie Köhler, die seit 21 Jahren im Mücke-Ring wohnt und sich vom Döbelner Wohnungsunternehmen erklären lässt, wie man dort mit den Mietern umgeht, wenn diese ihre vertraute Umgebung verlassen sollen. Sie glaubt kaum, was ihre Ohren hören. Mit jedem Mieter werde persönlich gesprochen, und teilweise schon zwei Jahre zuvor gibt es Angebote. Da hat der Mieterverein wenig zu tun. Anders in Meißen, wie Vereinsvorsitzende Irene Seifert sagt. Mittlerweile habe der Verein Anwälte beauftragt, die die Interessen der Mieter vertreten.OB Raschke will jetzt die Sache entschärfen, möchte mit allen Parteien ins Gespräch und eine einvernehmliche Lösung finden, „damit man sich später noch in die Augen sehen kann“.

Ohne gegenseitiges Einvernehmen, so stellte Irene Seifert in der Diskussion dar, sei ein Auszug aus dem Block, für den noch ein Mietvertrag aus DDR-Zeiten gelte, nicht möglich. Ängste von Mietern und auch des Vereins, die Stadt Meißen werde ähnlich wie Dresden die städtischen Wohnungen an einen ausländischen Investor verkaufen, versuchte OB Raschke abzubauen. Er sehe in dem kommunalen Wohnungsunternehmen eine Daseinsfürsorge für die Bürger, die aber mit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens einhergehen müsse. Deshalb werde investiert, um Wohnraum attraktiver zu machen. Beispiel dafür seien die Balkonanbauten im Triebischtal und Verhandlungen mit Kabel Deutschland.

Falsche Abrechnungen

Zugleich macht der Mieterverein die Forderung auf, statt abzureißen familientaugliche Wohnungen zu schaffen, die nicht zu groß sind. So mangele es an Vierraum-Wohnungen. Vor allem für jene Familien, die mehrere Kinder haben und Hartz-IV-Empfänger sind.

Ein anderes Problem, auf das Mieter und Verein aufmerksam machten, sind die Betriebskostenabrechnungen, die zu einem Großteil vom Vermieter falsch berechnet werden, wie Woldemar Schöne aus Bohnitzsch sagte. Er forderte zugleich Stadt und Landkreis auf, die Abrechnungen der Hartz-IV-Empfänger genau zu prüfen und nicht ungesehen zu bezahlen. Da könne eine Menge Geld gespart werden.