merken
PLUS Meißen

Meißner werden mit am ältesten

Der Kreis Meißen steht nach Dresden bei einer wichtigen Kenngröße auf dem Gebiet der früheren DDR an der Spitze.

Frauen werden im Kreis Meißen durchschnittlich 84 Jahre alt, Männer 79. Das ist der zweitbeste Wert in ganz Ostdeutschland.
Frauen werden im Kreis Meißen durchschnittlich 84 Jahre alt, Männer 79. Das ist der zweitbeste Wert in ganz Ostdeutschland. © dpa

Meißen. Liegt es am Wein, am milden Klima des Elbtals oder an der magischen Ausstrahlung der Albrechtsburg? Wer auf kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Grafiken blickt, dürfte staunen. In einem Ranking der sächsischen Landkreise und Großstädte nach Lebenserwartung findet sich der Landkreis Meißen sowohl bei Frauen als auch bei Männern unmittelbar hinter Dresden wieder. Und nicht nur das. In einem Vergleich aller Landkreise in den fünf östlichen Bundesländern belegt Meißen gleichfalls den zweiten Rang. 

Nach Angaben des Verfassers der demografischen Studie zur Lebenserwartung auf Kreisebene, Prof. Dr. Roland Rau von der Universität Rostock, sollte die Politik mit dem Überblick eine Grundlage erhalten, um den Ausbau des Gesundheitswesens verlässlich planen zu können. Zudem suchten die Forscher nach Faktoren, die möglicherweise entscheidend dafür sein können, dass Frauen im Kreis Meißen durchschnittlich zwei Jahre älter werden als Frauen im nördlich angrenzenden brandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Gibt es möglicherweise einen Stadt-Land-Unterschied? Spielen die Zahl der Ärzte und die Dichte der Krankenhäuser eine Rolle? Oder sind ökonomische Gründe ausschlaggebend?

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Als große Herausforderung auf der Suche nach belastbaren Antworten erwiesen sich die Tücken des Datenmaterials. Schätzungen für die Lebenserwartung in kleinräumigen Regionen seien oft unzuverlässig und führten zu statistischen Unsicherheiten, wenn die genutzten Einwohnerzahlen relativ klein ausfallen, heißt es in der Arbeit. Um dieses Manko auszugleichen, griffen die Wissenschaftler auf ein neues relationales Modell zurück. 

Männer im Westen leben ein Jahr länger

Die Ergebnisse zeigen stark pauschalisiert, dass Landkreise mit geringerer Lebenserwartung häufiger zu den fünf östlichen Bundesländern gehören. Doch auch im Westen existierten Kreise mit ähnlichen Werten, insbesondere im Ruhrgebiet mit Dortmund oder Gelsenkirchen. Bei den Männern beträgt der West-Ost-Unterschied auch 30 Jahre nach dem Verschwinden der DDR ein Jahr. Frauen in Ost und West liegen bei der Lebenserwartung hingegen gleich auf. 

© SZ/Grafik: Gernot Grunwald

Zu den bestimmenden Faktoren dafür, weshalb Menschen im Landkreis Starnberg gewöhnlich deutlich älter werden als im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, haben die Forscher eine  klare These. Sie wollen herausgefunden haben, dass deutliche Zusammenhänge zwischen der Lebenserwartung und ökonomischen Kennziffern wie dem Bruttoinlandsprodukt, der Arbeitslosenquote oder Zahlen zur Kinderarmut in der jeweiligen Region feststellbar sind. Besonders die Lebensumstände von Personen am "unteren Ende des sozioökonomischen Systems" hätten einen Einfluss, heißt es in der Studie.

Liegt es an der Wirtschaft?

Tatsächlich können sich die ökonomischen Daten des Landkreises Meißen im Sachsenvergleich sehen lassen. Meißen gilt im Freistaat als der Landkreis mit den meisten Industriearbeitsplätzen pro Kopf. Die Branchen sind gut gemixt. Symbolhaft dargestellt würden sich Hochöfen und Zahnräder für die Metall-Betriebe über den Raum zwischen Strehla und Radeburg verteilen, dazu Kolben und Flaschen für Wacker-Chemie und die Glas- beziehungsweise Keramikhersteller sowie die Reste des Arzneimittelwerkes Dresden. Weitere Zahnräder würden für Maschinenbauer wie die Planeta stehen und ein Mehlsack für die Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit Nudossi, Riesaer Teigwaren und Winzern. Selbst in Zeiten der Corona-Pandemie bleibt die Arbeitslosenquote mit sechs Prozent einstellig.

Weiterführende Artikel

Die Industrie beherrscht das Feld

Die Industrie beherrscht das Feld

Seit 1990 sind im Kreis Hunderte neue Werke und Fabriken entstanden. Doch reicht das für die Zukunft?

Ein weiterer Punkt: Der Kreis Meißen hat sich bei der Betreuung der Arbeitslosengeld-II-Empfänger dafür entschieden, diese schwierige Aufgabe selbst zu übernehmen und nicht der Arbeitsagentur zu überlassen. Der Leiter des Bereichs Eingliederung im Jobcenter, Enrico Münch, führte in einem früheren SZ-Gespräch die niedrige Quote von 3,6 Prozent an Arbeitslosengeld-II-Empfängern vor allem auf die große Basisnähe der Behörde zurück. "So haben wir seit 2005 ein sehr enges Netzwerk mit den Unternehmen im Kreis, den Wirtschaftsförderern, den Schulen und vielen Partnern aufgebaut", sagte in diesem Zusammenhang die Erste Beigeordnete des Kreises Janet Putz. Schritt für Schritt konnten die Arbeitslosenzahlen immer weiter gesenkt werden. In den letzten Jahren half die Konjunktur. Fast könne von Vollbeschäftigung gesprochen werden. 

Weitere Nachrichten aus Großenhain und Umgebung lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Radebeul und Umgebung lesen Sie hier.

Weitere Nachrichten aus Riesa und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen