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Bautzen: So läuft es jetzt bei Meister's

Mit vielen Ideen übernahm ein heimischer Investor im Frühjahr den insolventen Wurst - und Fleischwarenhersteller. Die ersten hat er schon umgesetzt - mit Erfolg.

Karl Dominick stieg im Mai als Investor bei Meister's sein. Seitdem arbeitet das Bautzener Traditionsunternehmen an neuen Produkten - wie hier Rindswurst mit Kaffee-Geschmack.
Karl Dominick stieg im Mai als Investor bei Meister's sein. Seitdem arbeitet das Bautzener Traditionsunternehmen an neuen Produkten - wie hier Rindswurst mit Kaffee-Geschmack. © René Plaul

Bautzen. Die erste Charge ist schon ausverkauft. Anfang Juli brachte die Meister's Wurst- und Fleischwaren Bautzen GmbH ein neues Sortiment mit Geflügelprodukten in den Handel, "und die Kunden haben sie gern gekauft", freut sich Vertriebsleiterin Gabriela Schlenkrich. Geflügel ist erst der Anfang, ergänzt Karl Dominick, der neue Hausherr bei Meister's: "Wir haben einiges vor!"

Dominick gehören in Bautzen schon ein Reparaturunternehmen für Elektrotechnik und in Kirschau die dortigen Aquakulturen. Im Mai dieses Jahres rettete der 54-Jährige die Wurst- und Fleischwaren GmbH aus der Insolvenz. Und sieht sein drittes "Kind" mit Hähnchenbratwurst in Mango-Chili-Marinade, Sülze, Putenlachsfilet und weiteren Geflügelprodukten auf einem guten Weg.

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Spätestens im September will Meister's auch ein Sortiment aus Rindfleisch auf den Markt bringen, kündigt Dominick an. Bisher verdiente das Unternehmen rund 99 Prozent seines Geldes mit Produkten aus Schweinefleisch. Dieser Anteil soll auf rund 70 Prozent sinken - zugunsten von Rind und Geflügel.

Hinter ihm, an der Wand im Beratungszimmer des Bautzener Unternehmens, hängen wie immer die Schautafeln mit den verschiedenen Fleischpartien eines Schweins und eines Rinds. Doch daneben, und das ist neu, hängt jetzt auch eine Tafel mit den Bildern von Süßwasserfischen. Einige davon züchtet Dominicks Firma in Kirschau. Dass diese Schautafel gerade hier hängt, lässt für die Zukunft einiges erahnen - aber zuerst soll Meister's den neuen Kurs erfolgreich weiterfahren.

Kein Schweinefleisch von Tönnies mehr

Der neue Inhaber setzt dabei auf traditionelle Rezepturen, Klasse statt Masse und vor allem die fast 70 Beschäftigten. Einen Fleischermeister und eine Verkäuferin für den Werksverkauf könnte Meister's außerdem noch brauchen. Dass alle fast 70 Mitarbeiter im Sommer 2020 noch im Werk arbeiten würden, war vor einem Jahr alles andere als sicher. 

Mitte 2019 hatte ein Großkunde aus Dänemark ohne Vorankündigung zwei Meister's-Produkte aus seinem Sortiment genommen. Damit gingen den Bautzenern von heute auf morgen rund 1,3 Millionen Euro vom anvisierten Jahresumsatz verloren. Gleichzeitig griffen die Kunden in deutschen Supermärkten zurückhaltender zu verpackter Ware, seit listerienverseuchte Wurst eines hessischen Fleischwarenfabrikanten aufgetaucht war. Im Herbst ging Meisters's in die Insolvenz, mit Hilfe mehrerer Unternehmensberater und Rechtsanwälte begann die Suche nach einem Investor. Der war im Frühjahr dieses Jahres mit Karl Dominick gefunden.

Nicht nur ein Investor war zu finden, auch ein neuer Hauptlieferant für Schweinefleisch. Denn als Meister's in die Insolvenz ging, stoppte der Schlachtbetrieb Tönnies in Westfalen sofort seine Lieferungen nach Bautzen. Aber ein anderer Lieferant sprang in die Bresche. 

Um die Arbeitsbedingungen bei Tönnies und anderen Großschlachthöfen scherte sich vor einem Jahr kaum jemand öffentlich. Jetzt stehen die Schlachtfabriken in der Kritik, aber schon vorher war für Dominick klar, dass er bei Fleisch und Wurst das gleiche Prinzip durchsetzen möchte wie bei seinem Fisch: Gewachsen in Sachsen. "Wir möchten in Zukunft bei  allen Produkten die Kunden darüber informieren können, wo das Tier gewachsen ist." 

Mehr Bewusstsein für heimische Produkte

Dafür ist Geschäftsführer Karlheinz Schlenkrich jetzt viel unterwegs, um neue Lieferketten zu knüpfen. Rindfleisch bezieht Meister's schon zu 100 Prozent aus Deutschland, Schweinefleisch zu 98 Prozent, Geflügel bisher komplett aus dem europäischen Ausland. Aber das soll sich ändern.

Die Kunden greifen mehr als je zuvor zu Produkten aus der Region, weiß Dominick. Das liegt auch an der Corona-Krise, als beispielsweise Lkws mit Mineralwasser aus Frankreich, Nudeln aus Italien oder Toilettenpapier aus Polen nicht über die Grenze durften. Wenn Corona das Bewusstsein für Heimisches wachsen ließ, dann hatte diese Krise auch ihr Gutes, argumentiert der neue Meister's-Meister. Und der Markt liegt ja direkt vor der Tür.

Fast jeden zweiten Euro verdient die Bautzener Wurst- und Fleischmanufaktur in Sachsen, rund 19 Prozent des Umsatzes in Sachsen-Anhalt und gut 16 Prozent in Brandenburg. Aber ein Blick auf die Deutschland-Karte zeigt: Es gibt zwischen Nordsee und Alpen kein Bundesland, in dem Produkte von Meister's nicht verkauft werden. Knapp vier Prozent zum Umsatz steuern Lieferungen nach Dänemark und Vietnam bei. Erst vor Kurzem ging wieder eine Großlieferung per Luftfracht in das asiatische Land, nachdem Corona auch diesen Weg unterbrochen hatte.

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