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Meldepflicht für Urlaubstage

In Schirgiswalde-Kirschau müssen Kita-Eltern bereits jetzt mitteilen, an welchen Tagen ihr Kind 2016 Zuhause bleibt. Doch nicht jeder kann das.

© dpa/gms/Elke Wentker

Von Katja Schäfer

Schirgiswalde-Kirschau. Wann machen wir dieses Jahr Urlaub? Mit dieser Frage mussten sich jetzt alle Familien beschäftigen, die ihre Kinder in den städtischen Einrichtungen von Schirgiswalde-Kirschau betreuen lassen. Denn die Stadt verlangt seit diesem Jahr, dass Eltern immer bis Ende Januar in der Kita und im Hort melden, wann ihr Kind nicht in die Einrichtung kommt. Und das verbindlich für 20 Tage; davon mindestens zehn zusammenhängend. So soll der Einsatz des Personals besser planbar werden. Bevor der Stadtrat im November den Beschluss fasste, wurde heftig diskutiert.

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Schwierige Planung

„Vor allem für Freiberufler und Selbstständige ist es schwer, sich schon im Januar darauf festzulegen, wann sie im Sommer frei machen. Das entscheiden sie doch kurzfristig, je nach Auftragslage“, nennt Jürgen Klar ein Argument, warum er die neue Regelung nicht gut findet. Als Stadtrat (FDP) hat sich der Betreiber des Therapiezentrums Oberland in Kirschau damals dagegen ausgesprochen und bisher auch keine Urlaubsplanung für das jüngste seiner drei Kinder eingereicht. Ärger bekommt er deshalb nicht. Denn die neue Regelung gilt nur in den städtischen Kindereinrichtungen – in der Kita Regenbogen in Schirgiswalde, im Kindergarten „Zwergenhaus am Kälberstein“ in Crostau und im Schirgiswalder Hort. Die Kirschauer Kita, die Klar-Junior besucht, wird vom Kreisverband Bautzen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betrieben. Er wendet so eine strikte Verfahrensweise nicht an. „In der Regel erfolgt im Frühjahr eine Abfrage zum Jahresurlaub, um die Personalplanung darauf auszurichten. Dabei gibt es aber keine Vorgabe zum Umfang des Urlaubs“, sagt Annett Fahland, die als Sachgebietsleiterin bei der Awo für die Kindertagesstätten zuständig ist.

Die kommunale Kita Regenbogen in Schirgiswalde hat ein Formblatt für die Urlaubsmeldungen entwickelt. Darauf stehen die Tage, an denen die Kita ohnehin zu ist. Das sind zum Beispiel der Freitag nach Himmelfahrt und die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Die anderen Urlaubstage sollen die Mütter und Väter eintragen. „Die meisten Eltern haben das schon gemacht“, berichtet die stellvertretende Kita-Leiterin Beate Schneider. Sie findet die neue Regelung gut, weil dadurch die Erzieher ihren Urlaub besser planen können. „In Zeiten, wo wenige Kinder da sind, können auch mal zwei Leute gleichzeitig frei machen“, sagt sie.

In Crostau kein Problem

In der kleinen Kita in Crostau verursacht die neue Regelung keine Probleme. Denn dort gab es schon immer Urlaubslisten, in die sich die Eltern eintragen sollten, damit der Einsatz der vier Erzieherinnen darauf abgestimmt werden kann.

Claudia Mildner, die zwei Kinder im Schirgiswalder Regenbogen-Haus betreuen lässt, hat mit dem langfristigen Angeben der Urlaubstage kein Problem. „Ich kann damit gut leben“, sagt sie. Viel schwieriger wäre es für sie, wenn die Stadt ihre ursprünglichen Pläne umgesetzt hätte. Die sahen nämlich Schließzeiten vor. „Die Kita sollte in der dritten und vierten Woche der Sommerferien zu sein, der Hort in der fünften und sechsten Woche“, berichtet sie. Noch heute kann sich Claudia Mildner über diese Absicht echauffieren: „Wenn man berufstätig ist, kann man nicht vier Wochen hintereinander frei machen oder seine Kinder einfach woanders unterbringen.“ Deshalb wurde sie mit dem Elternbeirat der Kita aktiv.

Unterschriften gesammelt

Die engagierten Mütter und Väter sammelten Unterschriften. Von 55 betroffenen Familien unterzeichneten reichlich 40. Der Elternbeirat meldete sich beim Bürgermeister zum Gespräch an und schlug als Alternative zu den geplanten Schließzeiten die Urlaubs-Anmeldung vor. Sven Gabriel (FDP) ging darauf ein. Außer der Verbesserung des Personaleinsatzes spricht seiner Meinung nach ein weiteres Argument für die Planung der freien Tage: „Es ist auch im Interesse der Kinder, dass sie mal ein paar Tage Urlaub haben, die sie mit ihren Eltern anstatt in der Kita verbringen“, sagt er.

Dem stimmt Steffie Pirnak zu, die die DRK-Kita Spatzenhaus in Wilthen leitet. „Es gibt bei uns Kinder, die bleiben das ganze Jahr über nicht einen Tag zu Hause“, berichtet sie. Für solche Fälle und auch für die Personalplanung findet sie die Verfahrensweise gut, die jetzt in Schirgiswalde-Kirschau angewendet wird. Im Spatzenhaus gibt es keine derartige Regelung. Auch in den Kitas der Stadt Bautzen nicht. Dort erfasst die Leitung nur vor Ferien und Brückentagen den Betreuungsbedarf, um den Personaleinsatz besser planen zu können.