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Menschen bei uns 2019

Ob prominent oder nicht - einige Menschen aus dem Elbland haben 2019 Besonderes geleistet. Das sind unsere Menschen des Jahres.

Von Sven Görner & Nina Schirmer & Peter Redlich & Peggy Zill
 6 Min.
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Neuer Oberbürgermeister in Coswig und damit zweifelsohne einer der Menschen 2019 in der Region: Thomas Schubert.
Neuer Oberbürgermeister in Coswig und damit zweifelsohne einer der Menschen 2019 in der Region: Thomas Schubert. © Arvid Müller

In der obersten Schul-Liga

© Norbert Millauer

Im zweiten Anlauf hat die Kurfürst-Moritz-Schule in diesem Jahr den Deutschen Schulpreis nach Boxdorf geholt. Die Oberschule der Gemeinde Moritzburg gehört damit zu den bundesweit besten Lernorten. Der Mann hinter diesem Erfolg, oder besser gesagt der, der seine Kollegen immer wieder für neue Herausforderungen begeistert, ist Heiko Vogel

Der Moritzburger und SPD-Gemeinderat unterrichtet seit 1992 an der Schule und übernahm vor vier Jahren deren Leitung. Bereits davor kümmerte er sich vonseiten der Schule um deren Erweiterung und Sanierung. Als der Schule Mitte der 2000er-Jahre die Schließung drohte, war es Heiko Vogel, der nach einem Konzept suchte, um die Mittelschule im damaligen Wettlauf mit dem Gymnasium attraktiver zu machen. 

Die Teilnahme am Schulversuch Gemeinschaftsschule und die Ausprägung des musischen Profils – wobei das Musizieren als verbindendes soziales Element dient – brachten die Boxdorfer auf Erfolgskurs. In der Kurfürst-Moritz-Schule glaubt man fest an den Lernerfolg aller Schülerinnen und Schüler. Lehrkräfte sind Personen, die den Kindern und Jugendlichen zeigen, was sie alles erreichen können, so Heiko Vogel. 

Dass 50 Prozent der Abgänger im Anschluss noch ihr Abi machen, gibt ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen recht. Zum Besonderen der Schule gehört auch, dass die Boxdorfer trotz der wichtigen Rolle der Musik bei der Digitalisierung ganz vorn mitspielen. Digitale Medien werden sinnvoll in den Unterricht und die Organisation der Schule integriert. 

Rammstein und die Igel

Till Lindemann, Rammstein, Igel, Igelhilfe, Radebeul
Foto: Katrin Westerhausen
Till Lindemann, Rammstein, Igel, Igelhilfe, Radebeul Foto: Katrin Westerhausen © Katrin Westenhausen

Da staunten wir alle nicht schlecht, als die Radebeuler Igelhilfe im Juni dieses Bild mit Rammstein-Sänger Till Lindemann veröffentlichte. Zugegeben, so ganz passt Lindemann nicht auf diese Seite, er ist ja keiner von hier. Aber die Igelhilfe leistet hier vor Ort Spitzenarbeit und päppelt jedes Jahr unzählige Stachler wieder auf. Das findet auch Till Lindemann richtig gut und machte deshalb gerne etwas Werbung für den Verein – natürlich in Rammstein-Manier. Der Igel wurde kurzerhand als kleine Zwischenmahlzeit inszeniert. Passiert ist dem niedlichen Tierchen natürlich nichts.

Zu verdanken ist der Schnappschuss Katrin Westerhausen. Die Dresdnerin ist Maskenbildnerin und arbeitet seit über 20 Jahren für Rammstein. Ihr Können war auch gefragt, als die Band das Video zum Comeback-Song „Deutschland“ drehte. Während der Dreharbeiten kam sie mit Lindemann über die Radebeuler Igelhilfe ins Gespräch. Die Tierschützerin engagiert sich seit 2018 für die kleinen Stachler. „Ich habe Till gefragt, ob er bereit wäre, ein Foto für uns zu machen“, erzählte sie. Und der sagte zu. Beim Dresden-Konzert der Band wurde backstage in der Garderobe der Schnappschuss geknipst. 

Den Zündlern auf der Spur

© Arvid Müller

Brandstifter ausfindig zu machen, gehört zu den schwersten Aufgaben. Feuer vernichtet meist alle Spuren. Den Frauen und Männern der Kriminalaußenstelle (KAST) der Polizeidirektion Dresden ist 2019 so viel Brandaufklärung gelungen, wie viele Jahre vorher nicht.

Brände in Meißen an einem Wohnhaus in der Leipziger Straße, die alte Zellstofffabrik in Coswig, eine Gaststätte bei Röderau, der Großbrand im Riesaer Ortsteil Pochra – all diesen verheerenden Feuern konnten inzwischen Täter zugeordnet werden. Und sogar das Feuer in der Lagerhalle vom Möbelhaus Hülsbusch in Weinböhla, als 2017 die gesamten Wagen vom Karnevalsverein verbrannten, wurde aufgeklärt. Das sind Ermittlungserfolge vor allem der Kriminalisten vom Kommissariat 1 in der Kriminalaußenstelle. Einem halben Dutzend Täter wurden die Großbrände der letzten Zeit zugeordnet.

Mit KAST-Chef Jürgen Leistner und einer Verstärkung mit Spezialisten zur Brandermittlung von der Revier-Meißen-Kripo ist vor allem neuer Teamgeist in die Mannschaft gekommen. Zu Befragungen ist die Mannschaft, auch unterstützt von den Kollegen aus dem Revier, ausgeschwärmt. Die Polizisten haben viele Puzzlesteine zusammengetragen, auch mal Glück gehabt und entscheidende Beweise und Aussagen gesammelt. Sie haben damit weitere Brände verhindert. 

Im Einsatz für die Bahnhofstraße

© Norbert Millauer

Immer lächelnd, immer mit guten Ideen und immer mit ganz viel Engagement dabei. So ist Nadine Wollrad schon seit Jahren im Einsatz für die Radebeuler Bahnhofstraße, damit es hier vorangeht, die Kunden gerne zum Einkaufen kommen und die Händler nicht den Mut verlieren. Auch 2019 hat die Radebeulerin zusammen mit den Geschäftsinhabern wieder so manche Höhepunkte organisiert. Zum Beispiel die Veranstaltung „Radebeul tanzt“ im Mai mit großer Modenschau, Tanzshows und Flohmarkt. Dass es dann ausgerechnet an diesem Tag in Strömen regnete, hielt viele Radebeuler trotzdem nicht davon ab, zum Stadtteilfest zu kommen.

Mit Hingabe hat Nadine Wollrad dafür gesorgt, dass der Bürgertreff mit wechselnden Geschäften belebt wurde. 2019 gab es hier unter anderem eine Weinbar, die Landesbühnen spielten in den Räumen Theater, eine Polsterin stellte besondere Möbelstücke vor, es wurden rumänische Spezialitäten, Kindersachen, Lampen, Smoothies und Kosmetik verkauft. Nadine Wollrad war auch immer dann zur Stelle, wenn Vermittlung zwischen den Händlern und der Stadt gefragt war, leidenschaftlich setzte sie sich für das Sanierungsgebiet ein. Ende des Jahres musste sie ihren Posten als Stadtteilmanagerin aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Wir schicken liebe Grüße und wünschen alles Gute für 2020!  

Stellvertreter wird zum Chef

© Arvid Müller

Am 3. November hatte Thomas Schubert (parteilos) allen Grund zum Feiern. 77,4 Prozent der Stimmen holte er zur Oberbürgermeisterwahl und stieß anschließend in der Börse mit Freunden, Kollegen und Unterstützern an. Er löst damit Frank Neupold (parteilos) ab, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Für viele war Schubert der Wunschkandidat. Er ist Ur-Coswiger, arbeitet seit 1998 im Rathaus, kennt die Verwaltung und die Mitarbeiter. Und trotzdem hat er nicht sofort seine Kandidatur für den Posten verkündet. „Mir liegt meine Heimatstadt am Herzen und ich traue es mir zu. Deshalb werfe ich meinen Hut in den Ring“, verkündete er im August.

Der Gegenkandidat ließ nicht lange auf sich warten. David Steinmann, AfD-Stadtrat, bewarb sich ebenfalls. Es war kein spannender Wahlkampf. Selbst Steinmann schätzte seine Chancen nicht hoch ein. Dass er so viele Stimmen bekommen hat, ist ein guter Start, wie Thomas Schubert am Wahlabend sagte. Seinen ersten Arbeitstag als Oberbürgermeister wird er am 6. Januar haben. Die Stadt ist dann schuldenfrei. Auch ein Verdienst Schuberts. Wer sich in Zukunft um die Finanzen der Stadt kümmert, steht noch nicht fest.