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Menschen sind die besten Helfer

Sie leben unter uns und wollen am Leben ebenso teilhaben wie alle anderen Menschen mit Behinderungen: die hochgradig Sehbehinderten und Blinden. Alljährlich zum Tag des weißen Stockes werden all die Probleme auf den Tisch gelegt, die sie daran hindern.

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Von Claus Wöhle

Man wolle die Öffentlichkeit auf die Blinden aufmerksam machen und zeigen, mit welchen Einschränkungen sie sich auseinander zu setzen haben, trotz aller heutzutage verfügbaren Hilfsmittel. Paula Scholz, seit Jahrzehnten engagierte Vorsitzende der Kreisorganisation Niesky des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Sachsen, weiß, wovon sie spricht.

Sehende für die Probleme

Blinder sensibilisieren

Es gehe vor allem darum, die Menschen mit normalem Sehvermögen für die Probleme zu sensibilisieren, mit denen zum Beispiel die 50 Mitglieder der Kreisorganisation (umfasst territorial den Altkreis Niesky) im täglichen Leben zu kämpfen haben: Straßenverkehr, Hindernisse auf den Wegen und beim Behördengang, im Haushalt und in der freien Zeit. In Weißwasser sind es 30 Verbandsmitglieder, die sich zusammen geschlossen haben. Sehbehindert sind im Landkreis aber weitaus mehr Menschen, ohne organisiert zu sein und damit leider auch ohne verbandsmäßige Unterstützung.

Technische Hilfsmittel, so Paula Scholz, gebe es mittlerweile zur Genüge: den weißen Stock, der vor allem den Kraftfahrern ein Vorsichtssignal geben soll, akustische Ampelanlagen, Bücher und andere Publikationen in der Braille-Schrift, akustische Hilfsmittel wie zum Beispiel sprechende Uhren und Waagen oder Farberkennungsgeräte sowie Kassetten mit Buchlesungen. Auch ein Blindenführhund gehört zu den Errungenschaften, die Blinde nutzen können.

Und trotzdem setzt Paula Scholz nach wie vor auf den „menschlichen Faktor“. Freundliche und hilfsbereite Menschen, so sagt sie, seien den Blinden die besten Helfer. „Wer uns helfen möchte, der sollte uns einfach klar und deutlich darauf ansprechen. In den seltensten Fällen wird die Hilfe abgelehnt. Beim Auffinden bestimmter Orte, beim Überqueren einer belebten Straße ist das Hilfsangebot eines Sehenden mitunter entscheidend, dass der Blinde zu seinem Ziel kommt. Ohne Hilfe ist ein Blinder heute nichts!“

Diese Hilfe kommt auch von finanzieller Seite, über das Blindengeld. Es soll den Betroffenen helfen, besser am täglichen Leben teilhaben zu können. Begleitet den Blinden eine sehende Person, so muss das bezahlt werden. Ist eine Taxi-Fahrt irgendwohin nicht zu vermeiden, so muss sie bezahlt werden. Das Blindengeld federt nur finanzielle Belastungen ab, die sich niemand leisten könnte. Deshalb versteht die Nieskyer Vorsitzende auch nicht, dass immer wieder von staatlicher Seite versucht werden, am Blindengeld zu „drehen“, das für die Kriegsblinden aber unangetastet bleiben soll.

Ihrer Heimatstadt, der Kreisstadt Niesky, stellt Paula Scholz in Sachen Behindertenfreundlichkeit ein gutes Zeugnis aus: „Niesky ist für Kleinstadtverhältnisse behindertenfreundlich. Die Entwicklung in den vergangenen Jahren ging in die richtige Richtung.“ So schätzen sie und die Mitglieder ihrer Kreisorganisation sowohl die akustischen Ampeln als auch viele abgesenkte Stellen an Bordsteinen als sehr hilfreich ein. Nur manche Stufen könnten besser markiert sein, vor allem als Hilfe für Sehbehinderte.