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Meißen

„Menschen suchen ihre Mitte“

Superintendent Andreas Beuchel über die Bilanz 2019, hektische Touristen und mancherlei Schwellenängste.

Superintendent Andreas Beuchel.
Superintendent Andreas Beuchel. © Klaus-Dieter Brühl

Herr Beuchel, wie beurteilen Sie das Jahr 2019 für den Dom zu Meißen?

2019 war ein gutes Jahr mit tollen Veranstaltungen und Angeboten, auch wenn die Besucherzahlen aus den Vorjahren nicht ganz erreicht werden konnten. Die Zusammenarbeit mit der Albrechtsburg war sehr gut. Ein Höhepunkt war die Eröffnung der Ausstellung von und mit dem Künstler Bruno Griesel im Dom. Schön, wenn Kunst und Sakralbau sich gegenseitig öffnen und zusammenarbeiten. 

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In Erinnerung wird mir auch das Abschlusskonzert der Elblandphilharmonie bleiben. Wegen der Hitze verlegte das Orchester Ende Juni sein Konzert in den kühleren Dom. Das war besser für die empfindlichen Instrumente. Am Ende hörten 700 Menschen zu. Und unser neuer Domkantor, Herr Göbel, nutzt den Raum im Dom für neue Klangbilder. Das finde ich eine akustisch gute Bereicherung.

Wird es 2020 Veränderungen geben? Was planen Sie?

Wir bleiben in der Kontinuität. Die Geistlichen Musiken und Predigtreihen werden weitergeführt. Ein paar Änderungen wird es zum Weinfest im Herbst geben. Unser Angebot am Abend wurde von den Besuchern nicht so angenommen, wie wir uns das erhofft hatten. Text und Musik verlegen wir auf den Mittag. Mal sehen, ob sich die Gäste erst dem widmen und dann den Weingenüssen. 

Für Touristen müssen wir noch einige Dinge verbessern. Der Einbau von Besuchertoiletten wäre mein großer Wunsch. Das sollte schon 2019 in einem Keller seitlich des Kreuzganges geschehen. Aber es sind noch Absprachen mit der Denkmalpflege nötig. Und ich wünsche mir weiter eine gute Zusammenarbeit mit der Albrechtsburg für gemeinsame Projekte, damit viele Besucher den Mut haben, über die Schwelle in den Dom zu treten.

Braucht es denn Mut, in den Dom zu kommen?

Jede und jeder ist herzlich willkommen, ob aus Meißen oder von weiter her. Ich habe festgestellt, dass manche Touristengruppen keine Zeit haben, den Dom zu besichtigen. Die Touristenführer stehen auf dem Domplatz und zeigen Bilder herum. Danach eilt der Tross weiter. Zunehmend fällt es den Leuten schwer, Ruhe und Besinnung auszuhalten. Man merkt das bei Konzerten oder Gottesdiensten, wenn Besucher nach wenigen Minuten gehen. Insgesamt gilt, dass die kürzeren Formate gern angenommen werden. Deshalb müssen wir unsere Angebote im Dom immer wieder hinterfragen und antworten suchen auf die Frage: Was brauchen die Menschen?

Und, was brauchen sie?

Es gibt viele, die in diesen aufgeregten Zeiten nach Grundlegendem suchen, um sich zu orientieren. Eine Suche nach der Mitte und nach mehr Gelassenheit würde ich sagen, also im Grunde eine Suche nach Kommunikation. Das wurde besonders deutlich bei den Abendveranstaltungen im Advent und zu Silvester. Da wurde sich häufig bedankt für die Anstöße zum Nachdenken. Es kamen immer wieder auch Fragen zu Gott.

Interview: Kathrin König

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

2019 haben insgesamt 111.366 Menschen den Dom besucht.

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

Das waren rund 4.000 Besucher weniger als 2018 und rund 15.000 Gäste weniger als 2017. Die Stiftssekretärin des Hochstifts, Martina Gasch, begründete den Besucherrückgang mit Schließungen des Doms im ersten Quartal 2019, als Bauarbeiten am Eingangsbereich stattfanden. Das Jahr 2017 gilt nach Gaschs Worten wegen des 500. Reformationsjubiläums als besucherstarkes Ausnahmejahr.

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

2019 fanden 1.125 Domführungen in 5 Sprachen statt sowie 808 Turmführungen.

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

Im Bereich der Dommusik lauschten die Besucher 179 Konzerten, Orgel- und Abendmusiken.

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

Zudem fanden 118 Gottesdienste und Andachten statt.

Das Dom-Jahr 2019 in Zahlen

4 Paare heirateten 2019 im Dom.                                                                                                 

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