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Menschenkette gegen AfD-Demo

Die Bundes-AfD hat Andreas Kalbitz ausgeschlossen, in Sachsen wird er trotzdem als Redner geladen. In Sebnitz wollen das nicht alle hinnehmen.

Banner am Sebnitzer Rathaus "Beendet den Hass!". Vom Vorplatz der Kirche soll sich die Menschenkette zum Markt aufreihen.
Banner am Sebnitzer Rathaus "Beendet den Hass!". Vom Vorplatz der Kirche soll sich die Menschenkette zum Markt aufreihen. © Daniel Schäfer

Ein Bündnis aus Zivilgesellschaft und Kirchen will am Sonnabend Haltung zeigen gegen eine angekündigte Demonstration der AfD in Sebnitz. Die Initiatoren rufen parteiübergreifend zu einer Menschenkette sowie zu einem ökumenischen Friedensgebet auf. 

Der Auslöser ist eine Kundgebung der AfD auf dem Sebnitzer Markt, zu der unter anderem der frühere Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz als Redner angekündigt ist. Kalbitz war erst im Mai vom Bundesvorstand der AfD aus der Partei ausgeschlossen worden, weil er seine frühere Mitgliedschaft in der mittlerweile verbotenen Neonazi-Vereinigung "Heimattreue Deutsche Jugend" verschwiegen hatte. In Sebnitz soll er gemeinsam mit dem sächsischen Landesvorsitzenden Jörg Urban sowie Jens Maier auf der Bühne stehen, der zum - offiziell aufgelösten - rechtsextremen Flügel zählt.

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Gegen die AfD-Veranstaltung, die voraussichtlich mehrere hundert Teilnehmer anziehen wird, regt sich Widerspruch vor Ort. "Wir wollen das nicht einfach auf uns sitzenlassen als Demokraten in Sebnitz",  sagt Michael Walldorf, einer der Initiatoren der Aktion. Der Immobilienunternehmer sitzt seit 2019 für die CDU im Sebnitzer Stadtrat. Es gehe darum Haltung zu zeigen, parteiübergreifend von allen Demokraten. "Zusammen für Sebnitz. Friedlich", lautet das Motto. 

"Wir wollen zeigen, dass es auch andere Meinungen in der Stadt gibt", sagt Walldorf. Der Populismus, den die AfD verbreite, schade den Menschen. Welche katastrophalen Folgen das haben kann, könne man in den USA unter Donald Trump beobachten, wo die Corona-Pandemie ein Vielfaches an Toten gefordert hat.

Kirchen rufen zu Friedensgebet auf

Geplant ist zunächst ein ökumenisches Friedensgebet in der Peter-Pauls-Kirche in Sebnitz ab 16.15 Uhr. Dazu rufen die evangelische und die katholische Gemeinde in Sebnitz gemeinsam auf. Das Friedensgebet wird per Lautsprecher auf den Platz vor der Kirche übertragen, damit trotz der Corona-Auflagen alle Interessierten dabeisein können. 

"In einer Zeit, in der der Frieden gefährdet ist, setzen wir damit ein Zeichen gegen Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Wir stiften Menschen an, selbst etwas für den Frieden in der Gesellschaft zu tun", erklärt Pfarrer Lothar Gulbins. Zur Kundgebung der AfD seien genau die rechten Hardliner als Redner geladen, die den Verfassungsschutz dazu bewogen haben, die AfD als in Teilen rechtsradikale Partei zu beobachten. Die Kirchen wollen dem das Motto der Bergpredigt entgegensetzen: "Selig sind, die Frieden stiften."

Menschenkette mit weißen Bändern

Nach dem etwa 30-minütigen Friedensgebet soll sich vom Vorplatz der Kirche aus eine Menschenkette rings um den den Sebnitz Marktplatz aufreihen, auf dem ab 16 Uhr die Kundgebung der AfD läuft. Die Teilnehmer werden sich dabei nicht an den Händen fassen, sondern durch weiße Stoffbänder miteinander verbunden sein. Damit wird der nötige Abstand in Zeiten der Corona-Pandemie gewahrt.  

Auch der Sebnitzer Grünen-Stadtrat Paul Löser ruft zur Teilnahme an der Menschenkette auf. Wenn Rechtsextreme wie Kalbitz aufmarschierten, müsse die Stadt aufstehen gegen den Hass. "Sebnitz hat keinen Platz für Rassisten!", schreibt Löser auf Twitter. Er empfiehlt seinen Followern nach einer Wanderung in der Sächsischen Schweiz am Samstagnachmittag in Sebnitz Halt zu machen. Bereits am Vormittag soll der Platz mit Kreide bunt bemalt werden.  

Banner am Rathaus

Der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) weist zunächst darauf hin, dass es richtig und legitim sei, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen - auch mittels einer angemeldeten Demonstration, ob in Sebnitz oder anderswo. Aber: "Wenn der Regionalverband der AfD jemanden als Redner einlädt, den die Partei ausgeschlossen hat, weil er offensichtlich bei seinem Parteiaufnahmeverfahren seine Mitgliedschaft in einer Neonaziorganisation verschwiegen hat und äußerst rechtsaußen ist, ist das selbst bei treuen AfD-Mitgliedern mehr als umstritten", sagt Ruckh. 

Gewerbetreibende und Touristiker hätten schon jetzt ihr Befürchtungen geäußert, dass die AfD-Demo der Region schaden werde. Ruckh will an dem Friedensgebet in der Peter-Pauls-Kirche teilnehmen und sich anschließend in die Menschenkette einreihen. 

Seit einigen Tagen hängt zudem zwei Banner am Sebnitzer Rathaus. Aufschrift: "Beendet den Hass!" Den Spruch will Ruckh als deutliche Verstärkung der Sebnitzer Erklärung verstanden wissen. Diese Erklärung gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt hatte der Stadtrat erst im Februar erneuert - die AfD verweigerte die Zustimmung. 

Die Banner seien auch ein Ausdruck der Sorge über eine zunehmende Verrohung der Sprache und des Umganges miteinander, ob täglich erlebt oder im Netz, erklärt Ruckh.  Beleidigungen, Diffamierungen, Ausgrenzungen, Rassismus und Gewalt würden immer öfter einfach hingenommen. "Auf jeden Fall soll es auch ganz bewusst zur Diskussion darüber anregen, wie wir miteinander in unserer Heimatstadt leben wollen."

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Verkehrshinweis: Aufgrund der Demonstration werden alle Zufahrten zum Sebnitzer Markt und der Marktplatz selbst am Nachmittag des 13. Juni gesperrt. Umleitungen sind ausgeschildert.

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