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Görlitz

Keine Hunde mehr am Meridianstein

Elf Anlagen in Görlitz sollen besonders stark geschützt werden. Weil in ihnen besonders viel Gärtnermühe steckt. Am Meridianstein ist das eigentlich nicht der Fall. Trotzdem gilt jetzt: keine Hunde, keine Grills.

Etwas Besonderes sind der Meridianstein und das Grün rundum auf jeden Fall. Aber eine gärtnerische Höchstleistung?
Etwas Besonderes sind der Meridianstein und das Grün rundum auf jeden Fall. Aber eine gärtnerische Höchstleistung? © André Schulze

Für Thomas Leder wäre es eine gute Frage bei "Wer wird Millionär": Nach welcher Stadt stellt sich Europa von Kiew bis Santiago de Compostela die Uhr? "Etwas wie den Meridianstein bei uns gibt es nur einmal in Europa", sagt er. Wenn es also um besonders schützenswerte und Grünanlagen oder Gartendenkmäler geht, dann gehört für ihn der Meridianstein mit der angrenzenden Wiese auf jeden Fall dazu, "das ist für mich einfach selbstverständlich."

"Wir haben etwas so Einmaliges und machen nichts draus?"

Im jüngsten Görlitzer Stadtrat ging es in der Debatte um die neue Grünanlagensatzung, auch um eine neue Liste mit "gärtnerisch besonders hochwertigen Anlagen", die besonders geschützt werden sollen. Heißt auch: In den Anlagen auf der Liste sind künftig spazierende Hunde und grillende Menschen nicht mehr erlaubt. 

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Zehn Görlitzer Anlagen standen darauf - nun sind es elf. Thomas Leder, Stadtrat für die CDU, hatte beantragt, die Meridiansteinwiese hinzuzufügen. Mit dem (erd)kugelrunden Meridianstein, der 1961 eingeweiht wurde. Er markiert den 15. Längengrad. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts das heutige Meridiansystem beschlossen und dann die Mitteleuropäische Zeit in Deutschland eingeführt wurde, tickt quasi nach Görlitz die Uhr. "Wir haben etwas so Einmaliges und machen nichts draus?", fragt Thomas Leder.

Widerspruch im Stadtrat

Ohne Widerspruch blieb sein Vorstoß im Stadtrat aber nicht. "Dass es dort keinerlei hochwertige Gewächse gibt", wie ein Fachmann erklärt habe, "ist Herrn Leder egal", schreibt Mike Altmann, Stadtrat der Bündnisfraktion auf Facebook. "Ihm geht es um die Aufwertung des Areals an der Stadthalle, wo sich der Meridian befindet. Die Stadträte von CDU und AfD haben Spaß an solch abstrusen Begründungen und beschließen den Unfug."

Dass es ihm auch um die Stadthalle geht, daraus macht Thomas Leder keinen Hehl. Als Vorsitzender des Stadthallenvereins setzt er sich seit Jahren für das Bauwerk an der Stadtbrücke ein. Kürzlich wurde der Planungsauftrag für die Sanierung vergeben. Der Görlitzer Kulturservice, der als künftiger Betreiber gehandelt wird, soll im vierten Quartal ein Betreiberkonzept vorlegen. Lange aber, so Leders Eindruck, habe man eher Argumente gesucht, die Stadthalle und das Areal drumherum - zu dem auch auch der Meridianstein gehört - nicht stattfinden zu lassen. "Natürlich habe ich deshalb auch immer versucht, jede Möglichkeit zu nutzen, den Fokus dahin zu rücken", erzählt er. Seine Hoffnung: Dass nun mit der Stadthalle auch der Meridianstein aufgewertet wird. "Beides kann davon profitieren, wenn man Synergieeffekte bei der Bautätigkeit nutzt." 

Gärtnermeister befürchtet Missverständnis

Allerdings, bei der Liste der "gärtnerisch besonders hochwertigen Anlagen" gehe es eigentlich um etwas anderes, sagt Christian Freudrich vom Sachgebiet Straßenbau und Stadtgrün. "60 bis 70 Prozent unserer Anlagen sind bereits denkmalgeschützt." Haben also bereits den Status als historisch bedeutsam. Auch der Meridianstein. Bei den gärtnerisch besonders hochwertigen Anlagen gehe es dagegen nicht um die Frage der Bedeutung, sondern um Areale mit besonderen Gewächsen, deren Pflege besonders viel Mühe macht, die auch finanziell besonders aufwendig sind. Wo gärtnerische Höchstleistung gefragt ist, erklärt Freudrich. Und bei denen es entsprechend viel Arbeit und Geld kostet, wenn Schäden entstehen. 

Die zehn Anlagen

Auf der Liste stehen die  Ochsenbastei, der Sonnenhof in der Innenstadt, die Blumenuhr am Demianiplatz, die Rosenterrassen im Stadtpark sowie im Ölberggarten, das Jakob-Böhme-Denkmal im Park des Friedens, die Brunnenterrasse im Nikolaizwinger und das Pfarrgärtchen auf dem Waidhausplatz. 

"Auf dem Postplatz zum Beispiel haben wir Formgehölze, die gerade anfangen braun zu werden", erzählt Christian Freudrich. Grund dafür sei der Harnstoff von Hunden. Den Haltern könne man gar nicht immer den Vorwurf machen, wenn der Hund plötzlich anfängt zu scharren oder das Bein zu heben, "Hunde markieren nun mal". Weil das aber, kommt es häufig vor, offenbar für Schäden sorgt, ist das Wegekreuz des Postplatzes für Hunde bald tabu. Beim Wilhelmsplatz dagegen können Halter mit ihren Tieren weiterhin den Weg rundum nutzen, die Grünfläche mit dem Wechselflor aber nicht. 

Gärtnerische Höchstleistung? Nicht am Meridian

Leicht habe man es sich bei der Auswahl der Anlagen nicht gemacht, erzählt Freudrich. "Ich vermute, gerade die Ochsenbastei wird für viele Hundehalter bestimmt schmerzlich sein." Dort gehe es vor allem um den Schutz der Ornamentbeete, "das ist aufwendigstes Grün", sagt er. "Wir haben viel diskutiert, ob wir den südlichen Teil offen lassen für Spaziergänger mit Hunden." Aber das wäre in der Umsetzung schwierig. 

Ornamentbeete, gärtnerische Höchstleistung - für die Meridiansteinwiese treffe das eher nicht zu. Die Einschränkungen, die mit der Liste verbunden sind, werden nun aber auch dort gelten, sobald die Grünflächensatzung in Kraft tritt. "Es hat uns jetzt nicht wehgetan, sie mit aufzunehmen", sagt Christian Freudrich. Aber eigentlich gehe es an der Sache vorbei. 

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