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Merkel macht den Frauen Mut

In Dresden traf sich Angela Merkel mit rund 500 Frauen im Albertinum. Auch weil sie zuhören wollte. Und sie machte Wahlkampfhilfe für einen Mann.

Gut gelaunt, aber ein bisschen müde nach dem langen Tag in Sachsen begrüßt die Kanzlerin im Albertinum mehr als 500 Frauen zum Gedankenaustausch.
Gut gelaunt, aber ein bisschen müde nach dem langen Tag in Sachsen begrüßt die Kanzlerin im Albertinum mehr als 500 Frauen zum Gedankenaustausch. © dpa/Robert Michael

Ein langes, sehr langes Nicken zu Anfang. Angela Merkel stimmt zu im stummen Chor der Frauen, als Sachsens Ministerpräsident von der „großen Sehnsucht“ vieler Frauen spricht, sich mehr miteinander auszutauschen. Viele Jahre hat sie ihre Rolle als CDU-Chefin und Bundeskanzlerin eher wie selbstverständlich gelebt. Es selbst nicht so häufig zum Thema gemacht. An diesem Montagabend in Dresden will Merkel die rund 500 eingeladenen Frauen eines neu gegründeten Netzwerkes darin bestärken, sich selbstbewusst in Gesellschaft und Politik einzumischen.

Es ist ein bisschen Wahlkampfhilfe für Ministerpräsident Michael Kretschmer und irgendwie auch ein bisschen Vor-Abschied. Die Kanzlerin kommt nur noch als Kanzlerin, nicht mehr als CDU-Chefin und Wahlkämpferin. Sie sucht sich ihre Termine aus, wirkt gelassener.

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Während draußen an diesem Pegida-Montagabend am Dresdner Altmarkt wie immer ein paar Versprengte sie mal wieder ausbuhen, sucht Merkel auf dem zweiten Treffen des sächsischen Frauennetzwerktreffens den Gedankenaustausch. Applaus empfängt sie in der Skulpturenhalle des altehrwürdigen Albertinums. Ein sehr warmer, aber in Dresden seltener.

Man könne Frauen nicht einfach in dieselben Strukturen pressen wie Männer, dann habe man nicht viel erreicht, sagt Merkel. „Sondern wir müssen offen sein, um auch die Struktur der Arbeit zu verändern“, fordert sie in ihrem kurzen Einstiegs-Statement. „Und wir wollen, dass in allen Lebensbereichen Männer und Frauen gleich vertreten sind“, gibt sie als Ziel aus. 

Auf dem Weg dorthin seien drei Punkte wichtig: Zuhören, Meinungsaustausch und Kompromissuche. „Sachsen wäre nicht Sachsen, wenn nicht so viele Frauen mit angepackt hätten“, streichelt sie noch ein wenig die Seele der Anwesenden. Und erntet wieder Applaus. 

Merkel lobt Sachsen für seine Schul-Förderrichtlinie und seine Innovationen. Da ist sie dann doch wieder, die Wahlkampfhelferin. Anfang März hatte Kretschmer das Frauennetzwerk ins Leben gerufen. Und man wunderte sich ein wenig in Sachsen: Ausgerechnet ein Mann, ausgerechnet der Ministerpräsident legt die Grundlage für das weibliche Netzwerk?

Vor dem Albertinum protestierten ein paar Pegida-Anhänger um Lutz Bachmann ganz kurz gegen den Besuch der Kanzlerin.
Vor dem Albertinum protestierten ein paar Pegida-Anhänger um Lutz Bachmann ganz kurz gegen den Besuch der Kanzlerin. © SZ

Dass Kretschmer mit dem Thema Gleichberechtigung und weibliche Repräsentanz in Ämtern und Parteifunktionen vor allem in seiner eigenen Partei immer wieder zu kämpfen hat, ist nichts Neues. In dem im Bundesvergleich recht konservativen CDU-Landesverband sind Frauen rar. Für die Kanzlerin ist es ein gewohntes Bild. Die männliche Übermacht in ihrer eigenen Partei erlebe sie seit Jahren. Bei Männern gehe es immer um Wirtschaftsförderung, Förderrichtlinien. Frauen würden andere Themen betonen, wie etwa die Berufswahl der Kinder oder gesunde Ernährung.

Die Einstiegsregelung der CDU in politische Ämter – die berühmte „Tippel-Tappel-Tour“ vom Ortsgremium aufwärts, mit strengen Vorschriften – sei ein „Riesenproblem“. „Und das muss sich ändern, sonst müssen wir noch 50 Jahre warten, bis mehr Frauen in der Politik nach oben kommen“, warnt Merkel. Wie kann Deutschland mehr Frauen für technische Berufe begeistern, fragt eine Mitarbeiterin von Globalfoundries. Merkels Antwort ist eine alte Idee: Sie denke darüber nach, zeitweise getrennten Unterricht für Mädchen und Jungen anzubieten. Auch sie, die Physikerin, bewege das Thema sehr.

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Auch die Sorge um die Entwicklung Europas. 400 Jahre habe Europa den Takt der Welt angegeben. Doch dies habe sich geändert. Es gebe eben keine europäische Plattform, auf der das Leben gestalt- und vernetzbar sei. „Das müssen wir mit Verve diskutieren, sonst sind wir bald eine verlängerte Werkbank.“

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