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Messie-Haus wird aufgeräumt

In einem Haus wurden verwahrloste Katzen gefunden. Tierschützer kümmern sich jetzt auch um den Menschen.

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Vor einigen Tagen erhielt das Tierschutzzentrum Meißen-Winkwitz den Hinweis auf eine verletzte Katze in Diera-Zehren (die SZ berichtete). Unter der angegebenen Adresse fand sich ein abseits gelegenes Einfamilienhaus vor. Im Garten hielten sich mehrere Katzen auf, die augenscheinlich an starkem Katzenschnupfen litten. „Die Tür des Hauses stand offen, und nachdem wir vom Eigentümer die Erlaubnis erhalten hatten, gingen wir rein“, erzählt Mario Assmann vom Tierheim. Drinnen herrschte ein unbeschreibliches Chaos: Berge von Müll und Abfall, verschimmelte Essenreste, verdreckte Katzenklos.

Da sich die meisten Katzen auf dem Gelände um das Haus aufhielten, konnten an diesem Tag nur vier Tiere eingefangen und tierärztlich versorgt werden. Die Katzen haben Parasiten wie Flöhe und Zecken und leiden teilweise unter starkem Ohrmilbenbefall. Ein älterer roter Kater hatte ein katastrophales Gebiss. Unter anderem waren alle vier Eckzähne abgebrochen, die vereiterten Stummel steckten noch im Kiefer.

„Uns war klar, dass man in diesem Fall nicht nur den Tieren, sondern auch dem Bewohner, einem 50-jährigen, alleinstehenden Mann, helfen sollte“, sagt Mario Assmann. Er vereinbarte mit dem Tierhalter und dessen Arbeitgeber, der gleichzeitig das Haus in Diera-Zehren besitzt, einen Gesprächstermin. Es wurde vereinbart, dass der Tierhalter gemeinsam mit Arbeitskollegen das Haus bereits am nächsten Tag entmüllt und danach renoviert. Mario Assmann erhielt die Erlaubnis, Haus und Grundstück jederzeit betreten zu dürfen. „Nun können wir die übrigen Tiere auch noch einfangen und prüfen, ob die guten Vorsätze auch umgesetzt werden“, so der Tierheimchef. Sollte der Tierhalter entsprechende Fortschritte machen, bestehe die Option, ihm einige Katzen zurück zu geben. Ursprünglich sollte gegen ihn ein Tierhaltungsverbot erwirkt werden.

Die idyllische Lage des Hauses sei für Freigänger ideal, der Tierhalter hänge an seinen Katzen, und die Tierschützer hätten die Möglichkeit die Kontrolle. „Wir sind nicht nur Tierschützer, sondern oft auch Sozialarbeiter und hoffen, dass der Katzenhalter nun seine Chance auf ein besseres Leben nutzt“, so Mario Assmann. (SZ/jm)