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Messner erklimmt den Gusseisernen

Die Bergsteigerlegende hat mit der Firma Schmorrde Jubiläum gefeiert und dabei ein besonderes Andenken hinterlassen.

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Von Marcus Scholz

Reinhart und Heike Keßner blinzeln stolz in die Kamera. Zum 150. Jubiläum ihrer Firma Stempel & Schilder Rudolf Schmorrde KG, besser bekannt unter dem Namen Stempel Keßner, haben es die beiden Eheleute geschafft, den berühmten Bergsteiger Reinhold Messner nach Löbau zu locken. Begonnen haben die Feierlichkeiten zum großen Jubiläum am Donnerstag. In der Löbauer Innenstadt, nahe dem Firmensitz ist mit Bratwurst und Musik in gemütlicher Atmosphäre gefeiert worden. Shuttle-Busse haben interessierte Gäste zu Rundgängen in das Haus Schminke gefahren. Am Nachmittag ist der Feiertross, bestehend aus 400 geladenen Gästen, darunter Freunde, Bekannte und Wegbegleiter der Firma, weiter in Richtung der Löbauer Messe- und Veranstaltungshalle gezogen. Ehrengast Reinhold Messner hat die Jubiläumsfeier erst am Abend komplettiert. Wenn auch mit einer kleinen Verzögerung: „Mein Flieger hat sich leider etwas verspätet“, sagt die Bergsteigerlegende.

Auf der ersten Seite des neuen Gipfelbuchs prangt seit Freitag die Unterschrift Reinhold Messners samt einem tibetischen Sprichwort. „Kalipe“, was so viel bedeutet wie immer ruhigen Fußes.Foto: R. Sampedro
Auf der ersten Seite des neuen Gipfelbuchs prangt seit Freitag die Unterschrift Reinhold Messners samt einem tibetischen Sprichwort. „Kalipe“, was so viel bedeutet wie immer ruhigen Fußes.Foto: R. Sampedro

Messner und Keßner, das passt nicht nur vom Klang ihrer Namen zusammen. Der Bergsteiger ist das große Idol vom Chef der Löbauer Stempelfirma. Beide verbindet die Liebe zu Natur und Bergen. Genau das ist dann auch Thema bei Messners öffentlichem Vortrag in Löbaus Veranstaltungshalle gewesen. Laut Reinhart Keßners Sohn Marcus, der ebenfalls im Familienbetrieb arbeitet, haben mehr als 2 400 Besucher den abendlichen Ausführungen des bekannten Bergsteigers lauschen wollen. Zu kaufen habe es auch einige von Messners Büchern gegeben. „Die sind weggegangen wie warme Semmeln“, sagt Marcus Keßner. Immer noch sichtlich beeindruckt vom großen Andrang bei der Veranstaltung im Löbauer Messepark.

Den nächsten Höhepunkt zum 150. Jubiläum der Firma Stempel Keßner hat es einen Tag später gegeben. Stargast Reinhold Messner spielt dabei wieder die Hauptrolle. Familie Keßner führt ihren Gast zu Löbaus Wahrzeichen, den Gusseisernen Turm. Reinhart Keßner hat über den Besuch lange ein großes Geheimnis gemacht. Etwas Besonderes solle dort eingeweiht werden, sagte er im Laufe der Woche. Was es aber genau sein werde, hat er nicht verraten wollen. Im Gleichschritt erklimmen Keßner, mit weißem Hemd, und Messner, sportlich gekleidet mit Turnschuhen, Löbaus Wahrzeichen. Angekommen auf der obersten Aussichtsplattform strahlt die Sonne vom Himmel. Reinhart Keßner stellt das nicht ganz zufrieden. „Sonst kann man von hier oben kilometerweit in die Ferne blicken. Aber gerade heute ist das Wetter etwas diesig“, sagt er zu seinem Idol.

Den stört das alles wenig. Reinhold Messner interessiert sich viel mehr dafür, was er trotz eingeschränkter Sicht alles erkennen kann. Gastgeber Keßner zeigt und erklärt ihm den Löbauer Stadtkern, die Landeskrone und die nebelverhangene Lausche. Messner hört aufmerksam zu und wirkt entspannt. Dabei hat er am Freitag schon einiges über sich ergehen lassen müssen. Erst ein Interview mit der Zeitung. Dann noch ein unerwarteter langer Telefonanruf aus Italien und zuletzt der Aufstieg auf Löbaus 28 Meter hohes Wahrzeichen. Letzteres ist für den passionierten Bergsteiger aber das kleinste Problem gewesen, schließlich hat Messner schon ganz andere Gipfel bestiegen.

Nach einer Runde um die Aussichtsplattform bleibt Reinhart Keßner plötzlich an einer gusseisernen Kiste stehen. Der Moment für die große Überraschung ist gekommen und er lässt die Katze aus dem Sack. Zusammen mit den geladenen Gästen der Festveranstaltung zum 150. Firmenjubiläum stiftet Keßner der Stadt Löbau ein Gipfelbuch für den Gusseisernen Turm. Ehrengast Reinhold Messner zückt gleich einen Stift und verewigt sich mit einem tibetischen Bergsteigersprichwort. „Immer ruhigen Fußes“ steht jetzt samt seiner Unterschrift auf der ersten Buchseite geschrieben. „Ich glaube, hier muss jeden Monat ein neues her“, sagt Messner über das Buch, das nicht stärker als ein handelsübliches Notizheft ist. Dann ein kurzer Blick auf die Uhr und der Prominente macht Druck. „Wir müssen los, mein Flieger nach Frankfurt wartet“, sagt er.

Vor seiner Abfahrt hat Reinhold Messner aber noch ein paar lobende Worte für seinen zweitägigen Löbau-Besuch parat. In der Stadt am Berge sei er zum ersten Mal gewesen, in der Lausitz nur einmal kurz nach der Wende. „In der Region hat sich sehr viel getan. Von Löbau habe ich ein positives Bild bekommen, das freut mich zu sehen“, sagt er. Vor allem die fröhliche und belebte Atmosphäre in der Stadt habe ihn beeindruckt. Übernachtet hat Ehrengast Messner in der Villa Schminke, einem tollen Haus mit sehr viel Geschichte, so wie er es ausdrückt. Dann geht die Autotür zu und die Bergsteigerlegende ist verschwunden. Ob er noch mal zurückkehrt, um die Einträge im von ihm eingeweihten Gipfelbuch auf dem Gusseisernen zu kontrollieren, kann Reinhold Messner nicht sagen.