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Die Metal-Rockerin aus dem Metaller-Milieu

Susen Bleschke ist immer wieder die Erste und Einzige. Jetzt hat sie sogar in ihrem Beruf in Dohna, der erst gar keine Option für sie war, eher ausgelernt.

Susen Bleschke in einem ihrer Elemente: Als Zerspanungsmechanikerin. Das andere Element ist ihre Musik.
Susen Bleschke in einem ihrer Elemente: Als Zerspanungsmechanikerin. Das andere Element ist ihre Musik. © Harald Lachmann/SPS

Susen Bleschke ging es wie vielen Schulabgängern. Welchen Beruf sollte sie erlernen? Sie schwankte zwischen Mediengestalterin und Kauffrau für Büromanagement. Doch war es das wirklich? Da sich kein Betrieb fand, an dem sie die Berufe in der Praxis testen konnte, gab ihr der Berufsberater einen ganz anderen Tipp: „Versuchen Sie es doch mal bei Schiekel in Dohna, die suchen immer geeignete Bewerber für Metallberufe.“

Ein verlockendes Angebot

Metall? Über diese Branche hatte Susen Bleschke vorher nie nachgedacht. Doch sie versuchte es. Heute gesteht sie: „Bis dahin kannte ich nicht mal den Unterschied zwischen Drehen und Fräsen." Doch das sollte sich ändern. Und noch einiges mehr. Zuerst bestand die Heidenauerin die Eignungstests. Dabei ging es um handwerkliches Geschick und räumliches Denken, Konzentrationsvermögen sowie technisches Allgemeinwissen. Ihre Ausbildung wurde zur Premiere für das Schiekel-Unternehmen. Susen war die erste junge Frau, die sich als angehende Zerspanungsmechanikerin bewarb und ihre Ausbildung begann. Als Erstes lernte die den Unterschied zwischen den beiden Haupttätigkeiten. Beim Fräsen dreht sich das Werkzeug, also das Teil der Maschine, beim Drehen das Werkstück sprich das Stück Metall.

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Schon nach wenigen Wochen war Susen „einfach nur begeistert von allem“. Dabei war sie kaum in ihrem Dohnaer Betrieb. Geschäftsführer Peter Schiekel schickt seine Lehrlinge im ersten Jahr stets ins überbetriebliche Ausbildungszentrum der IHK Dresden, wo sie eine breite Grundausbildung erhalten. Ab dem zweiten Jahr durchlief Susen die einzelnen Abteilungen in Dohna. Von der Werkzeugvorbereitung bis zur Qualitätssicherung. Ganz besonders gefiel ihr das Programmieren der hochmodernen CNC-Bearbeitungszentren.

Der Zufall führte Susen Bleschke ins Dohnaer Gewerbegebiet zu SPS, jetzt ist sie hier die erste Zerspanungsmechanikerin.
Der Zufall führte Susen Bleschke ins Dohnaer Gewerbegebiet zu SPS, jetzt ist sie hier die erste Zerspanungsmechanikerin. © Daniel Schäfer

Susen war motiviert. Von Beginn an gehörte sie zu den Besten ihrer Klasse, in der sie  ebenfalls das einzige Mädchen war. Am Ende des zweiten Ausbildungsjahres bekam sie ein verlockendes Angebot. Wenn sie wolle, könne sie aufgrund ihrer guten Noten beantragen, ein halbes Jahr vorzeitig auszulernen. Das bedeutet natürlich auch sechs Monate eher Facharbeitergeld. Der Gedanke gefiel Susen „super“, wie sie sagt. Inzwischen lebte sie in einer festen Beziehung und hatte längst weitere Pläne, nicht nur beruflicher Art - den Führerschein machen zum Beispiel. Oder weiter mit ihrer  Dresdner Metal-Band arbeiten. In der Band spielt sie Leadgitarre und schreibt Stücke. Auch hier ist sie das einzige Mädchen. Erst kürzlich hat die Band ein neues Album aufgenommen.

Am 28. Juli bestand die inzwischen 23-jährige ihre Abschlussprüfung. Schon am nächsten Tag begrüßte sie Firmenchef Peter Schiekel als seine jüngste Zerspanungsmechanikerin. Der Clou dabei, mit dem sie selbst nicht gerechnet hatte: Schon für die letzten drei Tage im Juli erhielt sie den Lohn eines Facharbeiters.

Es geht stetig bergauf

Nun steht Susen Bleschke zunächst für sechs Monate als Bedienerin an einer CNC-Fräsmaschine, um danach, wie sie hofft, vielleicht als Einrichterin zu arbeiten. Besonders freut sich Susen, dass sie von den älteren Kollegen sofort als gleichwertig akzeptiert wird. „Wir kumpeln uns an, sind alle per Du“, sagt sie. Dass sie sich gerade auch als junge Frau durchgebissen und nun sogar eher ausgelernt habe, brachte ihr viel Respekt ein, sagt Frauke Look, Personalsachbearbeiterin bei SPS Schiekel. "Allerdings weiß sie sich auch durchzusetzen."

Die Unsicherheit über die berufliche Zukunft sind vergessen. Heute fühlt sich Susen Bleschke rundum glücklich: auf Arbeit, in der Liebe, mit ihrer Musik. „Seit ich bei Schiekel bin, klappt einfach alles, es geht stetig bergauf“, sagt Susen. Ihr nächstes Ziel: Wieder mal Erste sein. Diesmal als Programmiererin.

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