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Metaller wollen mehr Geld und Bildungszeit

Mit einem Warnstreik unterstützen Mitarbeiter der Firma Mahle in Roßwein die Forderung der Gewerkschaft. Die sind einigen aber auch zu hoch.

Von Frank Korn

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Vor dem Tor der Firma Mahle Motorkomponenten in Roßwein steht ein roter Kleinbus der IG Metall. Ein Mikrofon ist aufgebaut, aus einem Lautsprecher kommt rockige Musik. Es ist die Zeit des Wechsels zwischen Früh- und Spätschicht. Die einen Kollegen kommen aus der Werkhalle, die anderen erscheinen gerade zu ihrer Schicht. Letztendlich sind es 70 Mitarbeiter, die sich am einstündigen Warnstreik der IG Metall beteiligen. 5,5 Prozent mehr Lohn, flexible Altersteilzeit und Anspruch auf Bildungsteilzeit, das sind die Forderungen der Metaller.

Die Gewerkschaftsgruppe im Betrieb hat den Zeitpunkt des Warnstreiks bewusst so gelegt, dass die Arbeiter von zwei Schichten daran teilnehmen können. „In dieser Stunde ruhen die Maschinen“, sagt Hans-Joachim Porst, Betriebsratsvorsitzender bei Mahle.

Nach und nach füllt sich die Straße mit Mitarbeitern der Firma. Die Gewerkschaftsgruppe hat Bockwurst und Kaffee organisiert. Hans-Joachim Porst verteilt Fahnen und Transparente – Warnstreik unser gutes Recht“ steht darauf. Willi Eisele, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Dresden Riesa, ergreift das Wort. Er bezeichnet das Verhalten der Sächsischen Arbeitgeber als Frechheit. „Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, dass wir für unsere Forderungen kämpfen“, sagt Eisele. Er berichtet von den Tarifverhandlungen, die gestern in Radebeul mit den Arbeitgebern der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) begonnen haben. Aus Sicht der IG Metall sind die ergebnislos verlaufen, weil das Angebot der Arbeitgeber inakzeptabel sei. Die bieten 2,2 Prozent Lohnerhöhung zum 1. März, wollen die Altersteilzeit halbieren und die Bildungsteilzeit tariflich überhaupt nicht regeln. „Der VSME muss merken, dass er es nicht mit Bittstellern zu tun hat“, sagt Eisele. „Wer sich so provozierend verhält, der darf sich nicht wundern, wenn die Beschäftigten wütend werden.“

Der Warnstreik bei Mahle ist in der aktuellen Tarifrunde der Erste in Sachsen. In anderen Betrieben werden weitere folgen. Die IG Metall stehe für lösungsorientierte Tarifpolitik. Auch deshalb fordere man nicht nur mehr Lohn, sondern auch eine tarifliche Bildungsteilzeit und eine bessere Regelung der Altersteilzeit. Die Forderungen seien mit den Beschäftigten in der sächsischen Metallindustrie abgestimmt worden.

Während der Rede des Gewerkschafters nähert sich das Fahrzeug eines Paketzustellers und will durchfahren. Doch das ist nicht möglich, einer der Gewerkschafter macht dem Fahrer deutlich, dass es kein Durchkommen gibt. Widerstrebend muss der umdrehen. Genauso geht es weiteren Kraftfahrern, während des Warnstreiks kommt kein Auto durch.

Die Arbeitnehmer leisten viel. Zusätzlichen Belastungen seien an der Tagesordnung. „Liebe Arbeitgeber, reden sie nicht immer nur von geschätzten Mitarbeitern, sondern zeigen sie die Wertschätzung auch am Verhandlungstisch“, fordert Eisele.

Die Forderungen der IG Metall finden nicht bei allen Mitarbeitern der Firma Mahle die volle Unterstützung. Ein junger Mann will dazu lieber nichts sagen und verschwindet kopfschüttelnd nach Ende des Warnstreiks im Eingang. Ein schon etwas älterer Beschäftigter aus der Schmiede steht dagegen voll und ganz dahinter. „Eine Forderung von 5,5 Prozent hatten wir schon vor ein paar Jahren mal. Damals zog sich die Zahlung dieser Erhöhung über mehrere Jahre hin, sodass wir am Ende nicht viel davon hatten“, sagt der Mitarbeiter. Oft würden die Mitarbeiter zusätzlichen Schichten zustimmen, deshalb sei es nur gerecht, wenn die Arbeitgeber deren Forderungen ernst nehmen würden. Dabei begrüßt er besonders auch die Forderung auf den Anspruch auf Bildungsteilzeit.

Nach dem einstündigen Warnstreik zeigen sich Willi Eisele und Hans-Joachim Porst zufrieden. Sowohl mit der Beteiligung als auch mit der Stimmung, die unter den Mitarbeitern geherrscht hat. Das Unternehmen sei in der vergangenen Woche von dem Warnstreik informiert worden, so Porst. Ob in den nächsten Wochen weitere Streiks auch in Roßwein erforderlich seien, werde sich zeigen. Während die Kollegen, die Feierabend haben, noch in aller Ruhe ihren Kaffee austrinken, sind diejenigen, die zur Spätschicht ran müssen, unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz. Die Straße ist wieder frei.

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