merken
PLUS

Metertief in Fäkalien

In der Alfred-Althus-Straße ist ein Keller mit Abwasser vollgelaufen. Die Anwohnerin fühlt sich mit der Arbeit alleingelassen.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Sarah Grundmann

Mit Gummistiefeln, -handschuhen und Atemschutzmaske steht Elisabeth Hey in ihrem Kellerabteil. Die 29-Jährige ist verzweifelt. Denn ihr stehen stundenlange Aufräumarbeiten bevor. Als sie Mittwochabend voriger Woche mit ihrem Mann und ihren vier Kindern von einem Kurzurlaub zurückkam, erlebte die junge Mutter eine böse Überraschung. Ein entsetzlicher Gestank kam der Familie beim Betreten des Hausflurs in der Alfred-Althus-Straße 2 entgegen. „Es hat nach Kot gerochen“, erzählt die Studentin der Sozialpädagogik.

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Die Quelle war schnell gefunden – es war der Keller. „Als ich die Treppe herunterging, wurde der Geruch immer stärker“, erklärt Hey angewidert. Unten angekommen, entdeckte die junge Mutter auch, woran das lag. „Der ganze Kellerboden war voller Fäkalien und Klopapier“, sagt sie. Durch die starken Regenfälle von Dienstag auf Mittwoch war der Keller vollgelaufen. Wegen einer geöffneten Rückstauklappe lief aber nicht nur Regen-, sondern auch Abwasser in den Keller. Die Jauche stand etwa einen Meter hoch.

Verzweifelt rief die Mieterin bei der Feuerwehr an. „Weil das Wasser schon wieder zurückgegangen war, konnte die nichts tun“, erklärt sie. „Die Feuerwehrleute haben mir aber erklärt, dass der Keller wegen der gesundheitlichen Gefahr und dem Gestank unbedingt noch am gleichen Tag gereinigt werden muss.“ Es sei die Pflicht der Hausverwaltung, sich darum zu kümmern.

Also hat die Anwohnerin auch bei der Dresdner Firma Baumag angerufen, die das Objekt betreut. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Reinigung von einer professionellen Firma gemacht wird, die sich mit so etwas besser auskennt“, sagt die junge Mutter und schüttelt den Kopf. „Es kamen aber nur Hausmeister mit normalen Besen und Lappen. Er wurde noch nicht einmal desinfiziert“, sagt die Mieterin entsetzt. Das passierte erst am Anfang dieser Woche.

Der Geschäftsführer der Baumag, Tom Blasel, hat eine andere Sicht auf die Dinge. „Wir haben alles Menschenmögliche getan“, sagt er. Die Mieterin habe im Zehn-Minuten-Takt die beiden Hausmeister angerufen – auch unter der Notfallnummer. „Die haben sich dann auch auf den Weg gemacht“, so Blasel. Trotzdem habe Hey nur 15 Minuten später die Feuerwehr verständigt. Das hält der Geschäftsführer für überzogen. „Unsere Hausmeister haben den Keller dann bis in die späten Abendstunden zunächst nur grob gereinigt“, erklärt Blasel. Am Freitag und Montag wurde dann ordentlich gesäubert und desinfiziert. „Wir haben der Anwohnerin ein neues Kellerabteil gegeben und angeboten, dass wir die unbrauchbaren Sachen entsorgen. Jetzt muss sie nur noch selber aussortieren“, erklärt der Geschäftsführer. „Dazu sind wir nicht verpflichtet und mehr können wir auch nicht tun.“

Hey reicht das allerdings nicht. „Ich habe vier Kinder und weiß nicht, wann ich alles in Eigenarbeit entrümpeln soll“, sagt sie verärgert. „Die Situation ist nicht ganz einfach“, erklärt Mathias Wagner vom Dresdner Mieterverein. „Es müsste zunächst einmal geklärt werden, ob die Rückstauklappe wegen mangelnder Wartung durch den Hauseigentümer defekt war.“ Ist dies der Fall, könnte Hey eine Aufwandsentschädigung für die Arbeitsstunden von der Hausverwaltung einfordern. „Fachkräfte, die beim Entrümpeln helfen, stehen ihr dann aber trotzdem nicht zwingend zu“, so Wagner. Worauf die Mieterin in jedem Fall Anspruch hat, ist Mängelbeseitigung. „Wie diese durchgeführt wird, ist aber Sache des Eigentümers“, so der Mitarbeiter.

Die junge Mutter hat vor allem Angst um die Gesundheit ihrer Kinder, insbesondere um ihren vier Monate alten Sohn. Doch das Gesundheitsamt gibt Entwarnung. „Dass in Kelleranlagen Abwasser zurückstaut, ist insbesondere bei Hochwasserlagen nicht unüblich“, so ein Mitarbeiter. „Da diese nicht als Wohnraum genutzt werden, ist die gesundheitliche Gefährdung nicht so groß.“ Beim direkten Kontakt mit dem Wasser, wie zum Beispiel beim Säubern und Räumen, müsse man aber unbedingt vorsichtig sein, um Krankheiten zu vermeiden.

Dass sich Hey mit ihren Sorgen an die SZ gewendet hat, fand die Hausverwaltung gar nicht witzig. Umgehend trudelte der jungen Mutter eine Abmahnung ins Haus. „Darin steht, dass ich die Hausverwaltung beschimpft habe“, erklärt die Mieterin. „Dabei stimmt das gar nicht.“ Auch das Zeitungsinterview wird als Grund für die Verwarnung aufgelistet. Im Wiederholungsfall droht die Hausverwaltung mit fristloser Kündigung. „Das Recht sich an die Öffentlichkeit zu wenden, kann dem Mieter niemand verwehren“, erklärt Wagner.

Die Beschimpfung der Verwaltung sei aber eine Störung des Hausfriedens und könne zur Kündigung führen. „Allerdings muss der Vermieter seine Aussagen beweisen können“, so der Mitarbeiter vom Mieterverein. „Wenn die Behauptungen falsch sind, sollte die Mieterin eine Gegendarstellung machen und die Abmahnung ablehnen“, rät er.