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Metternich und Napoleon in der Friedrichstadt

Der Dresdner Hobbyhistoriker Christoph Pötzsch schreibt an einem neuen Buch. Darin geht es um das unbekannte Sachsen.

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© sächsische zeitung

Von Linda Barthel

Es ist der 26. Juni 1813. Napoleon hat den Russlandfeldzug verloren, jedoch schon wieder aufgerüstet. Österreichs Außenminister, Klemens Wenzel Lothar von Metternich, ahnt aber, dass Napoleon langsam schwach wird. Er lädt ihn deshalb zu einem Gespräch ein. Treffpunkt: das Marcolini-Palais des Krankenhaus Friedrichstadt. Dort wird an diesem Tag Napoleons Ende eingeleitet und Weltgeschichte geschrieben.

Kein Wunder, dass der Dresdner Hobbyhistoriker Christoph Pötzsch das Treffen in seinem neuen Buch aufgreift. Auf etwa 100 Seiten widmet er sich darin dem unbekannten Sachsen. „Es ist eine ungeheuerliche, aber kaum wahrgenommene Geschichte, dass Napoleons Untergang in der Friedrichstadt begann.“ Denn Metternich kündigte während des Gesprächs im Marcolini-Palais das österreichische Bündnis.

Doch dieses Kapitel dürfte nicht das Einzige sein, das die Leser überraschen wird. „Ich greife nur Geschichten auf, die hinter dem barocken Glanz der Landeshauptstadt verblassen“, sagt der Dresdner. Es gehe demzufolge weder um den Zwinger noch um die Semperoper.

„Das unbekannte Sachsen“ ist bereits Pötzschs achtes Buch. Im Juni soll es veröffentlicht werden. Rund ein Jahr hat die Produktion dann gedauert. „Es setzt sich aus meinen Vorträgen zusammen.“ Die hält der Leiter des Katholischen Büros des Bistums bereits seit vielen Jahren. „Die Leute wollen danach gerne noch einmal nachlesen, was ich erzählt habe.“ Diesen Wunsch erfüllt das neue Buch.

Darin geht es unter anderem auch um die Freie Republik Schirgiswalde in der Lausitz. Vor vielen Jahren galt der Ort als staatenlos. Die Einwohner nutzten das aus und machten Schirgiswalde unter anderem zum Eldorado für Schmuggler. Außerdem wurde Böhmisches Lotto gespielt, was damals in Sachsen verboten war.

Die Einzelheiten dieser und aller anderen Geschichten hat Pötzsch über viele Jahre hinweg gesammelt. „Ich habe ein riesiges Privatarchiv“, sagt er. „Außerdem ist es für mich von großem Vorteil, dass ich auf die gut geführten Pfarrarchive zugreifen kann.“ Aber auch in Museen ist der Dresdner oft unterwegs. Er hofft, dass sein neues Buch genauso gut ankommt, wie der Vorgänger zum unbekannten Dresden. „Ich denke, dass sich die Leute für solche Geschichten sehr interessieren. Sie sind mittlerweile August-müde.“