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Mexikaner lernen in Riesa

Pfleger aus Amerika sind bei einem Aufenthalt fit für die Arbeit hierzulande gemacht worden. Eine Frau ist sogar in der Stadt geblieben.

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Die Pflegefachkräfte aus Mexiko fühlten sich in Deutschland wohl.
Die Pflegefachkräfte aus Mexiko fühlten sich in Deutschland wohl. © Azurit

Riesa. Der Pflegefachkräftemangel in Deutschland ist zum Dauerthema geworden. Eine Möglichkeit, um Abhilfe zu schaffen, ist das Gewinnen von Fachkräften aus dem Ausland. Unlängst ist ein erstes Projekt mit 15 mexikanischen Pflegekräften erfolgreich zum Abschluss gebracht worden.

Als einer der Partner war dabei die Azurit-Gruppe an Bord, die in Riesa das Seniorenzentrum Elbharmonie an der Scheiderstraße betreibt. Dort hatten die Männer und Frauen aus Mexiko auch zeitweise gewohnt, während sie einen Intensivsprachkurs machten und sich auf das Arbeitsleben in Deutschland vorbereiteten.

Büffeln für Sprach- und Fachprüfung

Bundesweit betreibt Azurit mehr als 50 Senioren- und Pflegeeinrichtungen und wächst weiter. Daher ist das Unternehmen ständig auf der Suche nach Personal. Mitarbeiter im Ausland zu gewinnen, ist dabei nur einer der Wege, den das Unternehmen geht. „Die Pflegekräfte aus dem Ausland verfügen teilweise über eine hervorragende medizinisch-pflegerische Ausbildung, haben jedoch wenig berufliche Perspektive“, erläutert die bei Azurit zuständige Projektkoordinatorin Lena Kauth. „Denen bieten wir die Chance, sich in Deutschland weiterzuentwickeln.“

Geworben hatte die 15 Männer und Frauen daheim in Mexiko allerdings die Bundesagentur für Arbeit. Zunächst hatten die Pflegefachkräfte dort einen Deutschkurs absolvieren müssen. Von November 2018 bis März 2019 folgte in Riesa ein Intensiv-Sprachkurs, um Deutschkenntnisse auf dem sogenannten B-2-Niveau zu erwerben – ein Niveau, auf dem ein normales Gespräch mit deutschen Muttersprachlern gut möglich ist.

Parallel hatten die Pflegekräfte aus Mexiko die Gelegenheit, sich in Riesa auf den Start ins deutsche Arbeitsleben vorzubereiten. Schließlich begann am 1. April 2019 der Vorbereitungskurs zur sogenannten Kenntnisprüfung für ausländische Pflegekräfte an der Berufsakademie Passau. Den schlossen alle Teilnehmer im Juli erfolgreich ab. Mittlerweile sind für alle 15 Mexikaner die Berufsurkunden ausgestellt worden, sodass die offizielle Genehmigung vorliegt, als Pflegefachkräfte in Deutschland zu arbeiten.

Die Hürden, die beim Einsatz der ausländischen Fachkräfte in Deutschland genommen werden müssen, waren laut Azurit groß: das Berufsanerkennungsverfahren, die Sprachkenntnisse und allen voran die interkulturellen Unterschiede. Zur Prüfung der Berufsabschlüsse seien diverse Dokumente einzureichen gewesen, die übersetzt und beglaubigt werden mussten – von der Geburtsurkunde, der Berufserlaubnis aus Mexiko, dem Diplom und genauen Angabe über absolvierte praktische und theoretische Stunden in den Fächern. Schließlich habe es noch einer Bescheinigung bedurft, dass mindestens ein Jahr in dem Beruf gearbeitet wurde.

Die Nächsten kommen im Februar

Beschäftigt sind die Pflegekräfte aus Mexiko inzwischen in den Einrichtungen von Azurit vor allem an Standorten in Bayern, wo sie besonders gebraucht werden, heißt es vom Unternehmen. Eine Kursteilnehmerin hatte sich während des Riesa-Aufenthalts verliebt und arbeitet seit September im hiesigen Seniorenzentrum.

Ausländische Fachkräfte zu werben, diese Strategie setzt Azurit nach eigenen Angaben auch dieses Jahr fort. Im Februar wird in Riesa wieder ein Dutzend neuer mexikanische Pflegekräfte erwartet. Sie befinden sich nach Angaben des Unternehmens derzeit im Sprachkurs in der mexikanischen Stadt Guadalajara. (SZ)