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Meyer-Optik legt wieder los

Die ersten überarbeiteten Objektive kommen im Sommer auf den Markt. Der Chef überlegt, künftig auch wieder in Görlitz aktiv zu werden.

Dieses hochwertige Objektiv „ Primoplan 75 mm“ von Meyer-Optik-Görlitz kam 2016 neu auf den Markt. Allerdings wurde es nicht in Görlitz produziert. Später ging die Firma, zu der auch Meyer-Optik-Görlitz gehört, in Insolvenz.
Dieses hochwertige Objektiv „ Primoplan 75 mm“ von Meyer-Optik-Görlitz kam 2016 neu auf den Markt. Allerdings wurde es nicht in Görlitz produziert. Später ging die Firma, zu der auch Meyer-Optik-Görlitz gehört, in Insolvenz. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Totgeglaubte leben länger. So ließe sich die aktuelle Entwicklung der 1896 in Görlitz gegründeten Traditionsmarke Meyer-Optik-Görlitz in drei Worten zusammenfassen. Nach der Insolvenz der Firma net SE in Koblenz, zu der Meyer-Optik-Görlitz seit 2014 gehört hatte, geht es nun 75 Kilometer weiter südlich in Bad Kreuznach weiter: Die Firma OPC Optics hat im Dezember die Markenrechte an Meyer-Optik-Görlitz erworben, dazu auch das Warenlager und die Konstruktionspläne der Objektive.

„Momentan verkaufen wir nur Altbestände, aber im Sommer bringen wir unsere ersten überarbeiteten Objektive auf den Markt“, sagt Geschäftsführer Timo Heinze. Er war kürzlich zum ersten Mal in Görlitz und besuchte dabei auch die SZ-Redaktion. Hauptsächlich aber reiste er an die Neiße, um zu ergründen, was noch von Meyer-Optik-Görlitz da ist. Zusammen mit seinem Kollegen Jonas Henning, der für Vertrieb und Marketing zuständig ist, schaute sich Heinze die alten Produktionsgebäude und das Fotomuseum an, traf sich mit der Wirtschaftsförderung, aber auch mit Wolf-Dieter Prenzel, einem früheren Mitarbeiter von Meyer-Optik-Görlitz, der heute am Lindenweg die Firma Optik-Labor führt. Nach seinem Besuch bei Prenzel schwärmt Heinze von dem kleinen Görlitzer Betrieb und seinem Chef: „Ein sehr netter Mann, absolut umgänglich und fachlich sehr versiert.“ Er habe zwei oder drei Mitarbeiter und eine kleine Werkstatt, um Linsen und Objektive in kleiner Stückzahl herzustellen. Zudem beschäftige er sich mit Design.

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Heinze kann sich eine langfristige Zusammenarbeit mit Prenzel sehr gut vorstellen. Aber auch sonst streckt er seine Fühler in der Neißestadt aus: „Für uns ist es naheliegend, in den Bezug zur Stadt Görlitz zu intensivieren, allein schon, weil Görlitz im Markennamen enthalten ist.“ Allerdings besucht Heinze, der ursprünglich aus Thüringen stammt und von 1986 bis 1988 den Beruf des Feinoptikers bei Carl Zeiss in Jena von der Pike auf gelernt hat, nicht nur Görlitz. „Wir führen Gespräche mit zahlreichen Lieferanten, mit denen net SE gearbeitet hat“, sagt er. Auch Prenzel war einer dieser Lieferanten. Was künftig alles in Görlitz möglich sein könnte, ob er hier vielleicht sogar wieder ein kleines Werk aufbauen könnte – zu solchen Fragen hält sich Heinze derzeit noch bedeckt. Er weiß es selbst noch nicht, die Übernahme der Markenrechte liegt erst zwei Monate zurück. „Wir führen überall Gespräche und lassen uns alle Möglichkeiten offen“, so Heinze. Voraussichtlich im zweiten Halbjahr werde er mehr zu Görlitz sagen können.

Schon deutlich konkreter sind die Pläne für die Marke an sich. Im Sommer kommen die ersten überarbeiteten Objektive auf den Markt, danach soll es Schritt für Schritt auf kleinen Messen vorangehen. Der erste ganz große Termin steht im Mai 2020 an: Auf der Messe Photokina in Köln will die OPC Optics sich erstmals groß präsentieren. Langfristig möchte Heinze mit neuen Objektiven auf den Markt gehen: „Das wird aber noch ein paar Jahre dauern.“ Die historische Linie will er auf jeden Fall beibehalten: „Der Markt ist da.“

OPC Optics ist ein 2016 gegründetes Unternehmen, das als unabhängiger Hersteller von optischen Komponenten sowie kompletten Baugruppen und Objektiven tätig ist. Nach Aussage von Geschäftsführer Timo Heinze sind heute 13 Mitarbeiter in der Firma beschäftigt, „alle in Deutschland und Tendenz stark wachsend“. Während net SE ein reines Handelsunternehmen war, das die Einzelteile von verschiedenen deutschen Lieferanten zusammengekauft und in einer Werkstatt in Norddeutschland montiert hat, fertigt OPC Optics selbst.

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