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Dresden

„Mich zieht nichts mehr zum Luisenhof“

Gastronom Armin Schumann über seine Zeit nach dem Aus auf dem Weißen Hirsch und warum er trotzdem fast täglich daran erinnert wird.

Baut sein Obst und Gemüse jetzt weitgehend im eigenen Garten an: Armin Schumann ist vom Luisenhof in seine eigene Genusswerkstatt nach Pulsnitz gewechselt.
Baut sein Obst und Gemüse jetzt weitgehend im eigenen Garten an: Armin Schumann ist vom Luisenhof in seine eigene Genusswerkstatt nach Pulsnitz gewechselt. © privat

Er ist glücklich und zeigt es auch. Seit drei Jahren betreibt Armin Schumann jetzt seine Genusswerkstatt in Pulsnitz, und das sehr erfolgreich. „Ich habe hier mein eigenes Restaurant und bin unabhängig von Vermietern“, sagt der langjährige Wirt des Luisenhofes. „Die Zeit auf dem Weißen Hirsch war toll, aber zu keiner Zeit habe ich es bereut, aufs Land gegangen zu sein.“

Das sei immer sein Traum gewesen. „Ich stamme aus einer Gastronomenfamilie, bin im Gasthof aufgewachsen. Nebenan gab es den eigenen Weinberg“, sagt Schumann. Etwas Ähnliches hat er sich auch gewünscht. „Einen großen Garten, in dem ich mit meinen Mitarbeitern Obst, Gemüse und Kräuter selbst anpflanzen kann.“ Nach dem musste er allerdings eine ganze Zeit lang suchen, als er sich Ende Juni 2015 nach 16 Jahren aus dem Luisenhof zurückgezogen hatte. Auf die immense Mieterhöhung der neuen Besitzer wollte er nicht eingehen.

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Danach hat er sich mit seiner Frau eine einjährige Auszeit gegönnt, in der nicht nur sein Buch „Der Geschmack meiner Kindheit“ erschien, sondern auch ein neues Lokal gefunden werden musste. „Wir haben uns bewusst Zeit gelassen, weil wir das richtige Objekt wollten“, sagt der 47-Jährige. Viele habe er sich mit seiner Frau angeschaut, auch einige in Dresden wie die Gaststätte Trompeter, die er gern übernommen hätte. „Doch die waren alle zur Pacht, ich wollte unbedingt was Eigenes.“ Zudem seien die Mieten sehr hoch gewesen.

Mit Pulsnitz hat er die perfekte Lage gefunden. Nah genug dran an Dresden, aber mit dem gewünschten großen Garten und eigener Wohnung am Objekt. „Pulsnitz ist ein schönes Städtchen, touristisch durchaus belebt und mit guter Kaufkraft“, schätzt er ein.

Für viele ehemalige Stammgäste des Luisenhofes ist der Weg nach Pulsnitz nicht zu weit, sie haben Schumann die Treue gehalten. Wie Gunther Emmerlich, der. „In der kleineren Genusswerkstatt kann sich Armin Schumann noch besser ausleben als im großen Luisenhof. Das schmeckt man“, sagt Emmerlich, der auch regelmäßig im neuen Luisenhof zu Gast ist. Mit Schumann ist er inzwischen befreundet. „Es gibt kulinarische Verbindungen, die nichts mit dem Ort zu tun haben.“

Schumann hat sich den neu gestalteten Luisenhof noch nicht angeschaut. „Ganz ehrlich: Mich zieht nichts mehr zum Luisenhof“, sagt er. „Ich habe das Kapitel damals aus freien Stücken beendet und ordentlich zu Ende gebracht. Danach hatte ich gar keine Zeit, mich darum zu kümmern, wie es dort weitergeht“, so Schumann. Und er wolle es den neuen Betreibern auch nicht zumuten, dass er dort auftaucht und alles begutachtet. „Aber ich gönne ihnen Erfolg und wünsche ihnen alles Gute. Es wäre schade, wenn der Luisenhof für immer geschlossen geblieben wäre.“ Anders als jetzt in Pulsnitz habe es auf dem Weißen Hirsch immer eine schwierige Zeit im Januar und Februar gegeben,wenn die Gäste ausgeblieben sind. „Der Standort ist nicht einfach. Deshalb haben die Neuen auch Mut bewiesen.“

Obwohl er nun auf dem Land arbeitet, hat Schumann keine Probleme, Fachkräfte zu finden. Allein fünf sind aus dem alten Luisenhof mit ihm mitgekommen, außerdem bildet er Azubis aus. Schon im Luisenhof war er damit sehr erfolgreich, seine Lehrlinge belegten stets vordere Plätze bei Ausscheiden. Die jetzigen dürfen unter anderem ein zweiwöchiges Praktikum beim örtlichen Pfefferküchler machen, betreuen die eigenen Kaninchen und arbeiten im Garten mit, wo 70 verschiedene Kräuter wachsen, Obst und Gemüse. „Es gibt sogar eine Warteliste für die Koch-Azubistellen“, sagt Schumann stolz, der außerdem monatlich in der Pulsnitzer Oberschule mit Neuntklässlern kocht und ihnen den Beruf vorstellt.

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Auch Schumanns Tochter Claire, die gerade ihr Abitur macht, ist hin und wieder in der Genusswerkstatt anzutreffen, wo sie mithilft. „Ihre besondere Leidenschaft ist die Patisserie. Kein Wunder, das war immer ihr Lieblingsort im Luisenhof“, sagt Schumann. Dort sei sie quasi aufgewachsen, so wie er damals im Gasthof der Eltern. Inzwischen stehe fest, dass Claire Konditorin lernen möchte. Wo, steht noch nicht fest. Schon jetzt fertige sie Cremes und Desserts. „Das ist dann nochmal eine schöne Perspektive, wie wir unser Nachmittagsangebot erweitern können, wenn sie fertig ist“, sagt Schumann. Falls sie zurückkehren möchte. Doch bis dahin hat Schumann schon wieder viele neue Ideen.