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Was Kretschmer im Gemüse-Beet macht

Sachsens Ministerpräsident hat die Grundschule Reichenbach besucht. Wird der Schulgarten bald ein eigenes Unterrichtsfach in Sachsen sein?

Michael Kretschmer besuchte die Reichenbacher Grundschüler.
Michael Kretschmer besuchte die Reichenbacher Grundschüler. © Constanze Junghanß

Das schwarze Jacket hat Michael Kretschmer ausgezogen, die Ärmel hochgekrempelt: Der Ministerpräsident gärtnert. Und beweist sich als Kenner beim Tomaten ausgeizen. „So wird das gemacht“, erklärt er den Kindern der Reichenbacher Grundschule und knipst mit den Fingern die überschüssigen Triebe ab. Schließlich würden auch bei ihm zu Hause Tomaten an der Hauswand wachsen. Da weiß er das. Durch das Ausgeizen wird der Haupttrieb der Pflanze gestärkt. „Unsere Tomaten sind schon so groß“, sagt Michael Kretschmer und zeigt etwa einen Meter mit dem Arm nach oben. Ein Stückchen Selbstversorgung beim CDU-Mann ganz privat also. 

Dass der Politiker auf dem Schulgelände daneben noch Fenchel erntet, den buntstieligen Mangold bestaunt und über Rote Beete fachsimpelt, hat einen Grund. Im Mai startete die „Ackerdemia“ in Reichenbach. Der Verein mit Sitz in Potsdam macht sich allein in Sachsen für 25 Schulgärten stark, begleitet Anbau, Pflege und Ernte mit seinen Projekten. Finanziell gefördert wird das von einer gesetzlichen Krankenkasse, der AOK. Im Landkreis nimmt neben der Schule in Herrnhut auch die Reichenbacher Grundschule daran teil – wobei es einen Schulgarten in der Kleinstadt bereits viele Jahre gibt.

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Im Schulgarten packte der CDU-Mann mit an.
Im Schulgarten packte der CDU-Mann mit an. © Constanze Junghanß

Zur Eröffnung der „Ackerdemia“ in Reichenbach konnte der Ministerpräsident nicht dabeisein. Die Corona-Zeit machte da einen Strich durch die Rechnung. Der versprochene Besuch wurde am Donnerstag nachgeholt. Schulgarten sei ein ganz wichtiges Angebot, sagt Michael Kretschmer da. Im ländlichen Raum ebenso, wie in der Großstadt. Die Kinder stimmen zu, erzählen, dass sie sich gern um ihre Pflanzen kümmern. Berührungsängste gibt es keine. Zusammen werden Kohlrabi, Salat und Pak Choi aus den Beeten geerntet, das Gemüse gewaschen und anschließend zum Verkosten geschnitten. „Meine Kinder sind auch begeisterte Schulgärtner“, verrät der Ministerpräsident.

Im Rahmen des Sachunterrichts gärtnern die Reichenbacher Schüler. Doch ein eigenständiges Unterrichtsfach ist das nicht. Das gibt es bundesweit nur in Thüringen. Im Thüringischen Schulportal - einsehbar im Internet - heißt es dazu: „Der Schulgartenunterricht der Grundschule leistet einen Beitrag zur Allgemeinbildung, indem er die Lernkompetenzen des Schülers erweitert, seine Erlebnisfähigkeit differenziert, soziale Verhaltensweisen entwickelt und erprobt sowie sein Selbstwertgefühl stärkt.“ Wäre das nicht auch in dieser Art für Sachsen denkbar? Da ist aktuell keine Änderung des Lehrplans in Sicht. Der Ministerpräsident kann sich aber vorstellen, dass der Schulgarten bei Ganztagsangeboten (GTA) künftig eine Rolle spielen könnte. „Ein eigenständiges Unterrichtsfach in Sachsen ist nach Auffassung des Freistaates dafür nicht geplant“, sagt Michael Kretschmer.

Einen Erntekorb mit Reichenbacher Schulgemüse kann der Ministerpräsident nun mit nach Hause nehmen
Einen Erntekorb mit Reichenbacher Schulgemüse kann der Ministerpräsident nun mit nach Hause nehmen © Constanze Junghanß

Im „Grünen Klassenzimmer“ an der frischen Luft bekommt der CDU-Mann einen Erntekorb von Lehrerin Yvonne Beck überreicht. Sie hatte das Ackerdemia-Projekt für Reichenbach angeschoben. Gern hätte Yvonne Beck auch noch einen ausrangierten Zirkuswagen auf dem Schulgelände stehen. Mit einer kleinen Küche vielleicht, wo Gemüse verarbeitet wird. Eine Mini-Unterkunft und ein besonderer Lernort könnte das sein. Die Idee findet der Politiker toll. Doch einen Zirkuswagen kann auch er nicht aus dem Hut ziehen. Das Engagement der Lehrerschaft jedoch sei wunderbar. Und Schulleiter Martin Lipinsky, der seit einem Jahr die Grundschule unter seinen Fittichen hat, sagt: „Für uns ist der Besuch des Ministerpräsidenten eine große Wertschätzung und motivierend für die Lehrkräfte.“ Die Schule will in Zukunft Ganztagsangebote anbieten. GTA gibt es bereits seit langer Zeit an der Reichenbacher Oberschule. Für die Grundschule ist das noch Neuland. „Das GTA-Hauptkonzept dafür geht in Richtung schulischer Förderung“, erklärt Martin Lipinsky. 

Konzentrationsübungen zum Beispiel und Förderungen für leistungsschwächere und leistungsstarke Kinder sollen eine Rolle spielen. Nachmittägliche Angebote wie sportliche Aktivitäten und Handarbeit werden das ergänzen. Bei der Grundschule Markersdorf gibt es GTA-Angebote seit 13 Jahren, bei der in Schöpstal sind das seit vielen Jahren Angebote wie Tanz, Keyboard, Filzen, Naturabenteuer und mehr.

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