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Kann Michael Rösch als Trainer in Altenberg bleiben?

Der Biathlon-Olympiasieger pausierte zuletzt, sprach von Burn-Out, verschob seine Ausbildung. Jetzt redet sein Vorgesetzter.

Bei der WM in Antholz sprach Michael Rösch über seine gesundheitlichen Probleme
Bei der WM in Antholz sprach Michael Rösch über seine gesundheitlichen Probleme © dpa/Hendrik Schmidt

Am Beginn des Frühlings wird im Biathlon traditionell übers Personal gesprochen. Das gilt für die Sportler wie für die Trainer. Doch Tagungen in Zeiten der Coronakrise sind schwierig geworden. Wie, wann und wo nun Entscheidungen getroffen werden, weiß auch Jakob Winkler noch nicht. Als Bundesstützpunktleiter in Sachsen ist er für den Biathlon-Standort Altenberg zuständig. Dort musste im vergangenen Winter Neu-Trainer Michael Rösch aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Wie es mit ihm und dem Stützpunkt weitergeht, erklärt Winkler im Interview.

Herr Winkler, wie trifft der Coronavirus die nordischen Skisportler und Biathleten in Sachsen?

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Natürlich spüren auch wir die Folgen, aber aktuell noch nicht so hart wie die Sommersportarten. Die letzten Wettkämpfe an diesem und nächsten Wochenende wie Landesmeisterschaften mussten wir absagen, der Trainingsbetrieb wurde komplett eingestellt und die Sportler haben individuelle Aufgaben erhalten. Aber im Prinzip ist die Saison durch. Die Nordische Junioren-Ski-WM in Oberwiesenthal ging gerade noch rechtzeitig zu Ende, da hatten wir Glück.

Oberwiesenthal ist einer von drei Bundesstützpunktstandorten im Wintersport in Sachsen. Um den der Biathleten in Altenberg gab es zuletzt immer wieder Diskussionen. Weil Erfolge ausblieben, drohte die Aberkennung des Titels. Wie ist der Stand?

Der Status als Bundesstützpunkt ist bis Ende 2020 gesichert, wie es danach weitergeht, ist offen. Der Antrag auf Verlängerung beim Bundesinnenministerium, das darüber entscheidet, wird gestellt.

Wie stehen die Chancen? Tina Bachmann war die bislang letzte Weltcup-Biathletin vom Altenberger Stützpunkt. Sie trat 2016 zurück.

Man darf nicht vergessen, dass bis zur Leistungssportreform 2018 Altenberg über viele Jahre ein Nachwuchs-Bundesstützpunkt war. Hier sollten Talente ausgebildet werden, die dann an die Leistungszentren in Oberhof und Ruhpolding wechseln. Justus Strelow, der seit 2016 in Oberhof trainiert und in diesem Winter bei der EM eine Medaille gewonnen hat, ist dafür ein Beispiel. Seit 2018 gibt es nun keine Nachwuchs-Stützpunkte mehr, die Folgen des Talente-Transfers sind aber noch spürbar.

Also sind Sie optimistisch, dass es klappt mit der Verlängerung?

Wir müssen uns da nichts vormachen: Altenberg ist knapp an der Grenze. Andererseits gibt es positive Signale vom Land Sachsen, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Deutschen Skiverband. Der DSV möchte in der Fläche sichten, Winterberg/Willingen war bis 2018 auch Nachwuchs-Bundesstützpunkt, steht also vor der gleichen Herausforderung.

Welche Folgen hätte es denn, wenn Altenberg den Status ab 2021 verliert?

Es hätte Auswirkungen auf Trainerfinanzierungen und Sportstättenförderung. Konkret lässt sich das derzeit aber nur schwer abschätzen.

Wenn es keine Nachwuchs-Stützpunkte mehr gibt, müsste es nun wieder das Ziel sein, Biathleten in Altenberg bis in die Weltspitze zu führen.

So ist es. Auf der anderen Seite muss man aber schauen, was aktuell möglich ist. Wir brauchen leistungsfähige Trainingsgruppen, Athleten müssen sich täglich untereinander messen können. Wenn nur ein Kaderathlet am Stützpunkt trainiert, wird das schwierig. Deshalb bräuchten wir in Altenberg in einer Altersklasse mal drei, vier, fünf Talente, die es bis in den Erwachsenenbereich schaffen.

Wird das nicht schwierig, weil die Trainingsbedingungen in Oberhof und Ruhpolding deutlich besser sind?

Das sehe ich anders. Derzeit entsteht in Altenberg für rund zwölf Millionen Euro auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern ein modernes Leistungssportzentrum für Bob, Rodel, Skeleton, Biathlon und Mountainbike. Die Biathleten können da künftig Turnhalle und Kraftraum nutzen, bekommen ein Skiroller-Laufband und eine Waffenkammer. Das alles gibt es zwar schon, ist aber auf dem Stand von 1980 und liegt weiter weg. Der Neubau entsteht neben dem Sportgymnasium, dem Internat und der neuen Dreifelderhalle. Dann haben wir hier ganz kurze Wege und müssen uns absolut nicht verstecken.

Die Winter werden immer milder. In Oberhof und Ruhpolding gibt es noch Schnee, weil er dort für die alljährlich ausgetragenen Weltcups produziert und gelagert wird.

Der vergangene Winter war extrem, das stimmt. Im Normalfall sehe ich das aber nicht als Nachteil. In Oberhof und Ruhpolding wird der Schnee zur Absicherung der Weltcups zurückgehalten, in Altenberg ist das nicht nötig, sodass die Trainingsgruppen dort auf Schnee trainieren können.

Jakob Winkler ist als Leistungssportkoordinator und Bundesstützpunktleiter beim Skiverband Sachsen der Vorgesetzte von Michael Rösch. 
Jakob Winkler ist als Leistungssportkoordinator und Bundesstützpunktleiter beim Skiverband Sachsen der Vorgesetzte von Michael Rösch.  © Foto: Deutscher Skiverband (DSV)

Michael Rösch soll helfen, dass Altenberg im Biathlon wieder an Bedeutung gewinnt. Seit knapp einem Jahr ist er Trainer am Stützpunkt. Während der WM in Antholz machte er öffentlich, dass er in dieser Saison gesundheitliche Probleme hatte, er sprach von Burn-out. Wie lange fiel er aus?

Darüber will ich mich nicht weiter äußern, weil es seine Gesundheit betrifft. Nur soviel: Es war nicht so, dass er die gesamte Saison ausfiel. Es gab eine Phase, die haben wir mit den anderen Trainern am Stützpunkt abgefangen. Und das hat gut funktioniert.

Die Trainerausbildung in Köln, die im Oktober begonnen hat, sagte er ab.

Wir haben das zurückgestellt, damit er nicht zusätzlich belastet wird. Es gibt in Köln ja auch eine Anwesenheitspflicht. Er sollte sich erst mal auf die Aufgabe am Stützpunkt konzentrieren.

Wie lange kann ein Trainer ohne Trainerschein arbeiten?

Natürlich nicht ewig, das ist klar. Er muss eine Ausbildung machen, das hat er auch zugesichert. Konkret werden wir das wieder mit ihm besprechen. Neben der Berufstrainer-Ausbildung in Köln, die mit einem Hochschulabschluss endet und attraktiv ist, gibt es noch das Trainer-Lizenz-System. Auch das wäre eine Möglichkeit.

Wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn er erst die Trainerausbildung abgeschlossen und dann am Stützpunkt angefangen hätte?

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Es sollte parallel laufen. Das haben andere Ex-Biathleten auch schon gemacht, Andreas Birnbacher zum Beispiel. Damit hat der DSV gute Erfahrungen gesammelt.

Wird Michael Rösch weiterhin in Altenberg als Trainer arbeiten?

Wir würden gerne mit ihm weitermachen – in welcher Form, werden wir jetzt mit ihm und dem DSV besprechen. Es gibt zum Beispiel auch Modelle mit größeren Gruppen und zwei Trainern.