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Michael Rösch spricht von Himmel, Hölle und zurück

Der Biathlon-Olympiasieger redet auch in Dresden über gesundheitliche Probleme nach der Karriere, die wechselvoller nicht hätte sein können.

Die Umstellung vom Sportler zum Trainer ist Michael Rösch nicht so reibungslos gelungen wie erhofft. Auch davon hat er am Freitag beim Ehrenpokalabend in der Dresdner Schauburg erzählt. Viel gelacht wurde natürlich auch.
Die Umstellung vom Sportler zum Trainer ist Michael Rösch nicht so reibungslos gelungen wie erhofft. Auch davon hat er am Freitag beim Ehrenpokalabend in der Dresdner Schauburg erzählt. Viel gelacht wurde natürlich auch. © Laufszene/PR

Reden kann er - und das konnte er schon immer. Bei der Biathlon-WM in Antholz analysierte Michael Rösch kürzlich für den TV-Sender Sky allabendlich die Rennen. Am Freitagabend sprach er in Dresden im Rahmen der Verleihung des Laufsportpokals "Goldener Rudi" über sein Leben, also über seinen Weg vom Staffel-Olympiasieger 2006 zur Beinahe-Privatinsolvenz. 

Die Gage für seinen Vortrag spendete Rösch für eine an Leukämie erkrankte Läuferin, die er spontan auf die Bühne holt. Nach den vielen Jahren Leistungssport gestand er, dass es mit dem Kopf durch die Wand nicht immer funktioniert hat. Und er zeigte sich einsichtig. Als Familienvater müsse er jetzt erst einmal von der geplanten Trainerausbildung Abstand nehmen und stattdessen „an mich, meine Familie und meine Gesundheit denken“. Dabei zeigt Rösch ein Foto von sich mit seinem bald ein Jahr alten Sohn auf dem Arm.

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Dass an dem Abend auch viel und herzlich gelacht wurde, war indes garantiert. Spaß und flotte Sprüche sind quasi sein Markenzeichen, doch momentan erlebt er auch andere Momente. In einem Facebook-Auftritt der ARD sprach Rösch ausführlich über sein neues Leben als Trainer am Stützpunkt in Altenberg – und über seine Probleme. „Ich merke, dass ich gesundheitlich am Limit bin. Das macht mir gerade ein Strich durch die Rechnung“, erzählt er. „Manche reden von Burn-out. Auf jeden Fall ist mir das Sportler-Nachleben zum Verhängnis geworden.“

Als einen Grund nennt er den zeitlich nahezu lückenlosen Übergang. Im Januar 2019 hatte er beim Weltcup in Ruhpolding sein letztes Rennen bestritten, im Mai begann er als Trainer zu arbeiten. „Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, wenn ich ein Jahr Pause eingelegt hätte. Aber ich dachte damals, dass ich gleich Geld verdienen und meine Familie ernähren muss“, erklärt er. Vor zehn Monaten wurde er zum ersten Mal Vater, als seine Freundin Hanna Sohn Levi Fred zur Welt brachte. Zur Familie, die in der Dresdner Neustadt wohnt, gehört noch eine elf Jahre alte Tochter. 

Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin gewann Michael Rösch mit der deutschen Staffel Gold. Er  war Startläufer und 22. Es blieb sein größter Erfolg.
Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin gewann Michael Rösch mit der deutschen Staffel Gold. Er  war Startläufer und 22. Es blieb sein größter Erfolg. ©  Foto: dpa

Täglich pendelt er nach Altenberg. Seine Anstellung und die gleichzeitige Trennung von anderen Trainer hatte für viel Wirbel gesorgt. Die Arbeit mit seiner Juniorengruppe der 18- bis 20-Jährigen mache ihm „unheimlich viel Spaß“, sagt er. „Aber ich bin ehrlich gesagt noch ein wenig mit dem ganzen Drumherum überfordert, mit dem Planen und Organisieren.“ In diesem Winter wurden viele Wettkämpfe aufgrund des Schneemangels abgesagt. „Da muss man Hotels buchen, Trainingslager organisieren – ich habe das Gefühl, man kommt nie zur Ruhe. Und das ist in meiner Situation gerade nicht so einfach.“

Die gesundheitlichen Probleme forderten bereits erste Konsequenzen. Seine Teilnahme am Fernstudium an der Akademie in Köln, das vergangenen Oktober begann und bei dem er die Trainerlizenzen erwerben sollte, hat er verschoben. Auch die Arbeit mit seiner Gruppe litt darunter für „mehrere Wochen“, wie der 36-Jährige betont. „Das tut mir leid und kotzt mich an, weil ich weiß, dass Athleten ihren Trainer brauchen – und das zu 100 Prozent.“

Befragt nach seinen Zukunftsplänen sagt er: „Ich könnte mir vorstellen, dass ich das weitermache“ und meint den Trainerjob, nicht dem hinterm Mikro. Im November hatte sein Vorgesetzter Jakob Winkler, Bundesstützpunktleiter in Sachsen, Röschs Arbeit als „sehr zielorientiert“ gelobt. Zudem wurde der Staffel-Olympiasieger von 2006 ins Schieß-Kompetenzteam des Deutschen Skiverbandes (DSV) berufen, das der ehemalige Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig leitet.

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Doch zunächst muss Rösch erst einmal wieder richtig gesund werden. Die nächste Auszeit ist für Sommer geplant, dann geht es mit der Familie an die Ostsee. „Ich wünsche mir für mich, dass ich selber meinen Weg finde“, hatte er im Juni in einem SZ-Gespräch gesagt. Daran arbeitet er weiter. (mit SZ/-yer)

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