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Middelhoff übernimmt das Ruder

Düsseldorf - Nach der wochenlangen Führungskrise will der schwer angeschlagene Handelskonzern KarstadtQuelle mit einer Neubesetzung der Konzernspitze den anhaltenden Abwärtstrend stoppen und bei der Sanierung Erfolge einfahren.

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Düsseldorf - Nach der wochenlangen Führungskrise will der schwer angeschlagene Handelskonzern KarstadtQuelle mit einer Neubesetzung der Konzernspitze den anhaltenden Abwärtstrend stoppen und bei der Sanierung Erfolge einfahren. Mit sofortiger Wirkung übernahm am Donnerstag der bisherige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Thomas Middelhoff, die operative Führung des Unternehmens.

Im ersten Quartal 2005 sind Umsatz und Ergebnis des Handelsriesen vor allem durch den schwachen Versandhandel weiter eingebrochen. Vor Steuern fiel ein Verlust von rund 154 Millionen Euro an. Der Umsatz ging um 8,4 Prozent auf unter 3 Milliarden Euro zurück, teilte der Konzern mit.

Middelhoff kündigte bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf ein „100 Tage-Programm“ zur Verschärfung des Sanierungstempos an. Gerüchten über eine mögliche Zerschlagung des Traditions-Konzerns erteilte er eine Absage: „Ich komme als Vorsitzender um den Umsatz zu beleben. Ich komme nicht als Finanzinvestor.“ Es gehe nun vor allem darum, den Konzern wieder in „ruhigeres Fahrwasser“ zu steuern.

KarstadtQuelle war im Zuge der anhaltenden Konsumflaute in Deutschland in eine Existenz bedrohende Krise geraten. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der damalige Vorstand einen harten Sanierungskurs angekündigt. Dieser sieht unter anderem die Abgabe von Fachmärkten und kleinen Warenhäusern vor.

„Die Sanierung wird planmäßig fortgesetzt“, versprach Middelhoff. Den durch seinen Wechsel frei gewordenen Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernimmt der frühere Linde-Manager Hero Brahms.

Mit einer drastisch vereinfachte Führung an der Stelle einer „extrem komplizierten Gesellschaftsstruktur“ solle der Warenhausriese nun auf Kurs gebracht werden. Verkürzte Entscheidungswege sollten bei den Beschäftigten zur Übernahme von mehr unternehmerischer Verantwortung führen, erklärte Middelhoff.

In einem ersten Schritt schied am Donnerstag der bisher für das schwächelnde Versandhandelsgeschäft zuständige Vorstand Arwed Fischer aus. Seine Aufgaben übernimmt zusätzlich Finanzchef Harald Pinger, der nach dem Weggang des bisherigen Konzernchefs Christoph Achenbach die Arbeit des Vorstands koordiniert hatte.

Middelhoff, der sein neues Amt mit einem Drei-Jahres-Vertrag übernommen hat, kündigte an, das Unternehmen bis zu einer erfolgreichen Sanierung führen zu wollen. Sein Vertrag bei dem Londoner Finanzinvestor Investcorp ruhe derzeit, sagte er. Er habe den Vorstandsvorsitz auf Bitten des Aufsichtsrats und der Eigentümer übernommen, sagte Middelhoff, der von 1998 bis 2002 Vorstandschef des Medienriesen Bertelsmann war. Nachdem er eine entsprechende Offerte nach dem Ausscheiden von Achenbach abgelehnt habe, habe er nun eingewilligt, da die Suche nach einem neuen Konzernchef angesichts des extremen Zeitdrucks zu lange gedauert hätte. „Ein interner Kandidat war ausgeschlossen. Ein externer Kandidat hätte zu zeitlichen Verzögerungen im Sanierungsprogramm geführt.“

Finanzchef Harald Pinger unstrich, dass die laufende Sanierung des Unternehmens trotz der anhaltenden Probleme vor allem bei der Versandhandelstochter Quelle weiterhin „voll im Plan“ sei. „Die Kostensenkungsprogramme greifen“, sagte er. Nach einem „schwachen Start“ in das neue Geschäftsjahr seien bereits wieder „positive Tendenzen“ zu erkennen. (dpa)